O2, Base, Simyo

Telefónica will Daten von 43 Mio. Deutschen verkaufen

Smartphones senden regelmäßig Daten, wo sich der Nutzer gerade aufhält. Genau diese Informationen will Telefónica nun weiterverkaufen.
Smartphones senden regelmäßig Daten, wo sich der Nutzer gerade aufhält. Genau diese Informationen will Telefónica nun weiterverkaufen.
Foto: Getty Images

Telefónica will seine Kundendaten zu Geld machen. Der Mobilfunkanbieter möchte Bewegungsdaten in anonymisierter Form verkaufen. Vor drei Jahren scheiterte der Konzern bereits an dem Vorhaben – und auch jetzt schlagen Datenschützer Alarm. TECHBOOK hat bei Verbraucherzentralen und bei der Bundesbeauftragten für den Datenschutz zur aktuellen Situation nachgefragt.

Telefónica, zu denen beispielsweise die Marken O2, Simyo, Blau, Fonic und Base gehören, hat allein in Deutschland 43 Millionen Kunden mit einem Mobilfunkanschluss. Die Daten all dieser Kunden möchte der Mobilfunkanbieter nun verkaufen. Dabei geht es vorrangig um Bewegungsdaten. Als potentielle Käufer  sieht der Konzern sowohl Behörden als auch Unternehmen wie etwa Handelsketten. Weitergegeben werden soll nicht nur der Standort, sondern auch Geschlecht sowie Alter der Kunden.

Cornelia Tausch, Vorstandsvorsitzende der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Wir sehen solche Geschäftsmodelle grundsätzlich kritisch. Es ist besonders wichtig, dass Kunden immer über die eigenen Daten bestimmen können und diese nur mit ausdrücklicher Zustimmung genutzt werden dürfen. Der Standard muss immer maximaler Datenschutz sein.“

Telefónica betreut ca. 48,6 Millionen Kundenanschlüsse, davon 43,4 Millionen Mobilfunk- und 5,2 Millionen Festnetzanschlüsse (Stand: Juni 2016).

Telefónica betreut ca. 48,6 Millionen Kundenanschlüsse, davon 43,4 Millionen Mobilfunk- und 5,2 Millionen Festnetzanschlüsse (Stand: Juni 2016).
Foto: Telefónica

Nutzer müssen dem Datenverkauf zustimmen

Nutzer können dem Datenverkauf widersprechen, allerdings müssen Sie dafür aktiv werden. In solchen Fällen ist gesetzlich lediglich eine Opt-out-Verfahren vorgeschrieben. Das bedeutet, dass Kunden der Datenweitergabe durch einen Klick widersprechen müssen. Um möglichst viele Daten nutzen zu können, soll es Überlegungen bei Telefónica geben, die Datenweitergabe zum Beispiel durch Rabatte für die Kunden attraktiver zu machen.

Tausch warnt: „Es darf nicht passieren, dass Kunden Daten durch vermeintliche Anreize abgeluchst werden, ohne dass deren Verwendung und die möglichen Folgen im Detail offengelegt werden. Verbraucher müssen der Nutzung jederzeit widersprechen und eine Löschung der gespeicherten Daten verlangen können.“

Mehr Tech-Themen? Hier auf Facebook und Twitter folgen!
Auch interessant: Hunderttausende E-Mail-Adressen von Porno-Fans gestohlen

Warum sind die Bewegungsdaten so wichtig?

Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Durch Bewegungsdaten können gegebenenfalls umfangreiche Nutzungsprofile erstellt werden, da das Nutzerverhalten für die Unternehmen transparenter wird. Diese Daten wiederum können zur Optimierung von Marketing- und Werbestrategien und für personalisierte Werbung genutzt werden.“

Für Telefónica ist es bereits der zweite Versuch, die Bewegungsdaten verkaufen zukönnen. Vor vier Jahren scheiterte das Projekt nach heftigen Protesten von Datenschützern. Das soll dieses Mal nicht passieren. Telefónica-Chef Thorsten Dirks kündigte in der Wirtschaftswoche an, dass sich das Unternehmen „nicht noch mal die Finger verbrennen“ wolle, und er erklärt weiter: „Eines habe ich gelernt: Datenschutz ist ein ganz kritischer Punkt.“

O2 Germany Geb‰ude am Georg Brauchle Ring, M¸nchen

Zu Telefónica Deutschland gehören beispielsweise die Marken: O2, Base, Fonic, Blau, Netzclub, Simyo und E-Plus.

Zu Telefónica Deutschland gehören beispielsweise die Marken: O2, Base, Fonic, Blau, Netzclub, Simyo und E-Plus.

So will Telefónica die Kundendaten schützen

Um den Verbraucher zu schützen, verspricht Telefónica, alle Daten durch ein dreistufiges Anonymisierungs-Verfahren laufen zu lassen. Danach soll es nicht mehr möglich sein, Rückschlüsse auf Einzelpersonen ziehen zu können. Telefónica hat diese Methode sogar der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationssicherheit (BfDI) vorgelegt.

Nach eigenen Angaben steht der BfDI in regelmäßigem Kontakt mit Telefónica, arbeitet aber nicht aktiv an der Entwicklung des Anonymisierungs-Verfahrens mit. Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit: „Da sich das Projekt stetig fortentwickelt, ist eine abschließende Beurteilung der Datenschutz-Konformität grundsätzlich nicht möglich. Die BfDI wird das Projekt aber weiterhin begleiten und dabei sowohl die Wahrung datenschutzrechtlicher Vorgaben überwachen als auch die Telefónica auf Wunsch konkret datenschutzrechtlich beraten.“

Wann Telefónica mit dem Projekt starten will, ist bisher nicht bekannt. Telefónica-Chef Dierks sieht sich aber gut gerüstet. Er sagt in der Wirtschaftswoche: „Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir starten können.“ Sollte das Projekt losgehen, rät Jung von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Telefónica-Kunden, dass sie sich „detailliert mit dem Angebot auseinandersetzen und für sich selbst eine Entscheidung treffen, ob ihnen die Preisgabe der Daten zu der angebotenen Gegenleistung wert ist.“