„Hey Google, regnet es draußen?“

Der Google Home Max im Test

Google Home Max
Google will beim Home Max mit künstlicher Intelligenz den Klang der Lieblingsmusik verbessern. Wie genau, verraten die US-Amerikaner aber nicht.
Foto: Franziska Gabbert

Mit dem Google Home Max greift der Internet-Riese die smarten Lautsprecher von Apple und Sonos an. Das sprachgesteuerte Schwergewicht mit schlichtem Design soll vor allem beim Klang überzeugen.

„Hast du neue Boxen?“, fragt der Nachbarbar eines Abends beim zufälligen Treffen am Briefkasten. „Oh, das hörst du?“ Die Befürchtung war schon tagelang da. Grund ist der Google Home Max, ein Lautsprecher mit so viel Bass, dass auch die Nachbarn „Freude“ dran haben.

Design: Schlicht, Gewicht: Schwer

Eine knappe Woche wohnt Googles neuester smarter Lautsprecher nun schon im Wohnzimmer auf der Kommode. Groß wie ein halber Bierkasten, knapp 5,5 Kilo schwer, aus mattweißem Kunststoff mit grauer Stoffbespannung – vom Design her passt er ganz gut zu Zusammenbau-Möbeln aus Schweden.

Google Home Max

Bumm! Da steckt Bass drin. Der Google Home Max ist Googles smarter Lautsprecher mit Google Assistant und Fokus auf gutem Klang. Foto: Franziska Gabbert

Es ist nicht Googles erster Lautsprecher.

Einrichtung gelingt einfach per App

Die Einrichtung ist denkbar einfach. Einschalten, kurz warten, während die vier bunten LED hinter der Stoffbespannung blinken, Google-Home-App aufrufen, Gerät mit Konto verknüpfen, WLAN-Passwort eingeben, fertig. Jetzt kann der Home Max per „Hey Google“, „OK Google“ und lustigerweise auch per „Hey Bubu“ aktiviert werden und spielt auf Kommando Radiosender ab, die Lieblingsmusik über Streamingdienste wie Spotify, Play Music oder Youtube Music Unlimited oder erinnert nach elf Minuten an die Pasta auf dem Herd.

Google Home Max in senkrechter Position

Lagesensoren im Innern verraten dem Google Home Max, ob er waagerecht oder senkrecht steht. Wer mag, kann auch zwei Geräte zusammenschalten. Foto: Franziska Gabbert

Damit das funktioniert, lauscht der Home Max mit einem Fernfeld-Mikrofon-Array aus mindestens vier Mikrofonen in den Raum, bis er sein Aktivierungskommando hört. Ab dann werden alle – wirklich alle – Sprachkommandos aufgezeichnet, zu Google geschickt, ausgewertet und im Google-Konto gespeichert.

Mikrofone erschreckend empfindlich

Doch wie sieht es jetzt mit der guten Musikwiedergabe aus? Für einen einzelnen Lautsprecher klingt der Google Home Max ziemlich gut. Er hat ordentlich Bass, hörbare Mitten und leider teils etwas verwaschene Höhen. Allerdings wird der Klang klarer, je weiter man aufdreht – die Nachbarn danken es.

Google Home Max

Der Klang des Google Home Max ist sehr basslastig, gewinnt aber bei zunehmender Lautstärke an Klarheit. Foto: Franziska Gabbert

Die Steuerung der Lautstärke und Wiedergabe erfolgt per Sprache, was bis zu einer gewissen Lautstärke auch ohne zu viel Schreien funktioniert. Die Empfindlichkeit der Mikrofone ist teils geradezu erschreckend gut. Deutlich praktischer ist aber die berührungsempfindliche Fläche – hier wird per Wischgeste lauter und leiser gemacht.

Google Home Max

Viel Platz im Innern, zwei Tieftöner, zwei Tweeter und viele Mikrofone. Der Google Home Max bringt stolze 5,3 Kilogramm auf die Waage. Foto: Google

Google Home braucht klare Befehle

Im Alltag gewöhnt man sich schnell an „Bubu“, wie der Lautsprecher nach kurzer Zeit wegen des Kommandos nur noch heißt. Einige Dinge lassen sich per Sprache wirklich viel einfacher lösen als per Smartphone. Morgens das Radio anschalten, Nachrichten abhören, Wetterbericht einholen. Praktisch. Auch smarte Lampen, Thermostate und Fernseher lassen sich steuern.

Allzu viel sollte man dem Gerät aber nicht zumuten. Denn der Google Assistant im Home Max ist nach wie vor kein wirklicher Assistent im eigentlichen Sinne. Man muss ihm dann doch alles sagen. Und weil die Befehle teils arg eng gefasst sind, braucht es häufiger mal mehrere Versuche – oft gibt es die Antwort „Tut mir leid, da kann ich noch nicht helfen“.

Google Home Max

Wer den Schalter an der Rückseite des Google Home Max umlegt, schaltet die Mikrofone ab. Dann kann der Lautsprecher noch über die Bedienelemente oder die Google-Home-App gesteuert werden. Foto: Franziska Gabbert

Fazit: Klang in Ordnung, Bedienung leicht

Alles in allem ist der Google Home Max eine sinnvolle Erweiterung von Googles Lautsprecher-Portfolio. Der Klang ist in Ordnung, wenn auch etwas basslastig, Einrichtung und Bedienung gehen leicht von der Hand. Wer nicht dauernd mit dem Gerät sprechen will, kann viele Funktionen auch über die Google Home App für iOS und Android regeln.

Google Home Max

An der Rückseite des Google Home Max lassen sich Zuspielquellen per USB-C oder Miniklinke anschließen. Auch per Bluetooth und Google Cast kann Musik auf die Box gebracht werden. Foto: Franziska Gabbert

400 Euro für den Home Max

Etwas fraglich ist, ob Google damit im hiesigen Markt den großen Treffer landen wird. Mit 400 Euro pro Stück ist der Home Max nicht gerade im Einsteiger-Segment angesiedelt und an Konkurrenzprodukten mit Google Assistant, Siri oder Alexa an Bord mangelt es nicht. Ein bisschen Wehmut bleibt nach dem Auszug des Home Max zurück – wenn das Radio am Morgen wieder per Hand gestartet werden muss. Ein wenig. Nur der Nachbar, der vermisst ihn nicht.