Streaming-Boxen im Check

Was können Fire TV, Chromecast und Apple TV wirklich?

Amazons Fire TV ist eine der beliebtesten Streaming-Boxen überhaupt – aber reicht nicht auch ein günstiger Chromecast? TECHBOOK klärt auf.
Foto: Getty Images

Den Lieblingsfilm bei Netflix schauen, ein kurzes Spiel zocken oder Handy-Fotos auf dem großen TV-Display anschauen – Streaming-Boxen und -Sticks machen das ohne großen Aufwand möglich, und das schon für unter 40 Euro. Welche Box was kann erklärt TECHBOOK.

Wer Netflix-süchtige Freunde hat, braucht sich wenig Gedanken über das passende Weihnachtsgeschenk zu machen: Entweder liegt unterm Baum ein neues Jahresabo – oder eine Streaming-Box. Mit diesen kleinen Kisten lassen sich – eine stabile Internetleitung vorausgesetzt – nicht nur Filme und Serien ohne Download von diversen Streaming-Diensten auf den TV-Bildschirm zaubern, sondern auch verschiedene Apps starten und spiele zocken. Amazon verbaut sogar seine smarte Sprachassistentin Alexa mit ein, um smarte Lampen zu steuern oder Pizza zu bestellen.

Zwar haben viele bereits einen internetfähigen Smart-TV daheim, der ebenfalls Netflix oder Amazon Prime Video abspielt – die Fernseher-Apps laufen aber häufig sehr behäbig, außerdem ist der Umfang stark vom jeweiligen Hersteller, seinem Betriebssystem und vom Alter des Gerätes abhängig. Die bessere Wahl sind definitiv die hier vorgestellten Geräte!

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Amazon Fire TV 4K

Erst kürzlich stelle Amazon einen neuen Fire TV 4K vor, der nun nicht mehr in Form einer kleinen schwarzen Box kommt, sondern als Mini-Dongle.

 

Amazon Fire TV 4K

Amazons Fire TV gibt es jetzt auch in einer verkleinerten 4K-Version.
Foto: Amazon

Im Fokus steht nach wie vor das hauseigene Video-Portal Amazon Video. Wer Mitglied des Abo-Service Prime ist, bekommt für 69 Euro im Jahr zahlreiche Filme und Serien kostenlos. Doch auch die Apps der Konkurrenten Netflix und Maxdome sowie die Mediatheken von ARD und ZDF sind an Bord. Die aktuelle Version (80 Euro) spielt sogar Inhalte in superscharfer, vierfacher Full-HD-Auflösung (4K) ab – dazu benötigen Sie allerdings einen entsprechenden 4K-Fernseher und eine Internetleitung von mindestens 25 Megabit pro Sekunde.

Ebenfalls neu: Amazon hat seine smarte Sprachassistentin Alexa verbaut. Diese kann man nicht nur per Sprachbefehl nach Filmen oder Serien suchen lassen, sondern auch nach dem Wetter fragen, sie smarte Lampen anschalten lassen oder sogar Pizza vom Lieferdienst ordern.

Wer Fotos, Videos oder Musik etwa vom Smartphone übertragen will, benötigt eine kostenlose Zusatz-App wie AllCast. Auch Spotify ist an Bord. Wer die Amazon-Cloud nutzt, kann ebenfalls auf alle Inhalte zugreifen. Schade: einen separaten USB-Anschluss gibt es nicht, eine externe Festplatte kann man nicht anschließen.

Ganz sicher kein Konsolen-Ersatz, aber immerhin ein netter Bonus sind die Spiele: Für Fire TV gibt es eine Gaming-Schwarten wie Sonic, zudem simple Mini-Spiele und sogar passable Amazon-Eigenentwicklungen wie „Sev Zero“. Ein Gamepad für das Fire TV liegt bei happigen 50 Euro.

Amazon Fire TV Stick

Wem die 90 Euro für Amazons Fire TV zu viel sind, für den gibt es als Alternative den Fire TV Stick – ein kleiner Dongle, der in die Hosentasche passt und einfach an den HDMI-Port des Fernsehers gesteckt wird.

Was ist anders an ihm? Eigentlich nicht viel: Er spielt keine 4K-Videos ab, außerdem gibt es keine grafikintensiven Spiele. Alexa ist inzwischen auch hier an Bord. Wer keinen 4K-Fernseher hat, ist also mit dem Stick besser bedient, außerdem spart man bares Geld: Der Stick kostet 40 Euro, die Fernbedienung für die Alexa-Spracheingabe legt Amazon inzwischen mit drauf.

Google Chromecast

Der Vorreiter: Googles Chromecast war 2014 der erste Streaming-Stick und erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Inzwischen gibt es ihn in der dritten Version: Der Chromecast Ultra spielt im Gegensatz zu seinen Vorgängern ebenfalls 4K-Filme und -Serien ab, etwa über Netflix und YouTube. Eine offizielle App von Amazons Prime Video gibt es nach wie vor nicht.

Vorteil für Google: Die Auswahl an Apps für den Chromecast ist größer als die des Konkurrenten Amazon Fire TV. So gibt es diverse Gratis-Anwendungen, um etwa Fotos und Videos vom PC auf den TV zu schieben (Plex, Crome-Browser), außerdem gibt es zahlreiche Spiele – die meist allerdings grafisch limitiert und sehr simpel sind. Google legt übrigens keine Fernbedienung zum Chromecast,  gesteuert wird ausschließlich per Smartphone.

Der Chromecast Ultra liegt bei knapp 70 Euro, derzeit scheint es aber Lieferschwierigkeiten zu geben. Auch hier gilt ganz klar: Wer keinen 4K-TV daheim hat, sollte lieber zum günstigeren Modell Chromecast 2 (etwa 40 Euro) greifen.

Googles Chromecast kann in der neuen Ultra-Version auch 4K-Videos wiedergeben. Wer darauf verzichten kann, sollte zum Vorgänger greifen – der kostet nur die Hälfte.

Googles Chromecast kann in der Ultra-Version auch 4K-Videos wiedergeben. Wer darauf verzichten kann, sollte zum Vorgänger greifen – der kostet nur die Hälfte.
Foto: Google

Apple TV 4K

Auch Apple hat eine eigene Streaming-Box im Angebot: Apple TV. Inzwischen in der fünften Generation, richtet sich der schwarze Kasten in erster Linie an Apple-Nutzer: Im Zentrum steht Apples Online-Shop iTunes, für den es aber keine Film-Flatrate wie bei Netflix, Amazon oder Maxdome gibt. Wem das nicht reicht: Inhalte vom iPhone, vom iPad oder vom Mac-Computer können ebenfalls mit Apple TV auf den TV übertragen werden. Das klappt bei den anderen Streaming-Boxen gar nicht oder nur über Umwege.

Dienste wie Amazon Prime Video oder Maxdome fehlen, immerhin gibt es Netflix. Generell ist die App-Auswahl nicht so groß wie etwa bei Google. Wie Amazon setzt auch Apple auf Spiele, die Auswahl ist mit Games wie Guitar Hero, Disney Infinity und Beat Sports recht ordentlich. Gesteuert wird mit der Fernbedienung, die Handbewegungen registriert – ähnlich wie bei Nintendos Konsole Wii.

Auch Apples Sprachassistentin Siri hat inzwischen Einzug gehalten: Per Sprachsteuerung sucht der Nutzer nicht nur nach Infos zu Filmen und Schauspielern, Siri gibt auch Infos zum Wetter, zu Fußballergebnissen oder Aktienkursen. So umfangreich wie etwa beim iPhone ist der Sprachkatalog von der Apple-TV-Siri jedoch nicht.

Apple TV 4K

Apples neues Apple TV setzt auf 4K-Videos.
Foto: Apple

Seit 2017 bietet Apples Box zudem auch die Möglichkeit, 4K-Inhalte mit HDR für knalligere Farben und mehr Kontrast abzuspielen. Entsprechende Filme und Serien gibt es bei Netflix oder auch bei iTunes, die Leihe kostet dort rund 5 Euro, der Kauf je nach Film zwischen 10 und 20 Euro.

All diese Funktionen haben dann auch ihren Preis: Die Version mit 32 Gigabyte Speicher liegt derzeit bei knapp 200 Euro, für die Version mit 64 Gigabyte werden rund 220 Euro fällig. Wer keinen 4K-Fernseher hat, kann auch zum Vorgänger Apple TV 4 greifen, den es inzwischen für 160 Euro (32 Gigabyte) gibt.

Welche Streaming-Box ist nun die beste?

Kurz gesagt: Wer keinen 4K-TV hat und lediglich seine Serien und Filme von Netflix & Co. auf den Fernseher bringen möchte, ist mit einem günstigen Streaming-Stick bestens bedient. Abonnenten von Amazon Prime sollten zum Fire TV Stick greifen. Wer seine Inhalte gerne vom PC oder Smartphone ohne großen Aufwand auf den TV bringen will, greift zum Chromecast. Weiterer Vorteil: Chromecast und Amazon Fire TV Stick sind gerade einmal so groß wie ein USB-Stick. Wer etwa im Urlaub nicht auf seine Lieblingssendungen verzichten mag, nimmt sie einfach mit – und klemmt sie etwa an den Hotel-Fernseher.

Wer mit der Box auch kleine Spiele zocken möchte oder bereits eine 4K-Glotze daheim stehen hat, greift zum Fire TV. Alle, die mit iPhone, Mac und iPad fest im Apple-Ökosystem gefangen sind, haben Apple TV als Alternative – die Kommunikation zwischen Apples Geräten und Diensten und dem TV ist hier mit Abstand am besten.

Löst Streaming bald das klassische TV ab?

„Das klassische Fernsehen verliert seine große Bedeutung. Die Zukunft gehört Streaming-Diensten und Mediatheken“, so Timm Lutter vom Digitalverband Bitkom. „Die Fernsehzuschauer emanzipieren sich von passiven Verbrauchern zu aktiven Nutzern, die ihr TV-Programm selber bestimmen.“ Laut Bitkom habe bereits ein Drittel der Streamer (35 Prozent) das lineare Fernsehen gegen Streaming auf dem Smart-TV, Smartphone oder Tablet ausgetauscht. „Die Sehgewohnheiten der jungen Generation verändern den Markt für bewegte Bilder komplett. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen in der Unterhaltungs- und Medienbranche daher in maßgeschneiderte Angebote investieren“, so Lutter.