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„Ekelhaft“

Neue Netflix-Show nutzt Stimme eines Toten

Abstraktes Bild des roten Netflix-Schriftzugs vor einem dunklen Hintergrund mit vertikalen Lichtstreifen in Rot, Pink und Blau.
Schießt sich Netflix mit seiner neuen Show ein Eigentor? Foto: picture alliance / NurPhoto
Charlotte Ziesing

30. September 2026, 8:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in Film- und Fernsehproduktionen. Netflix geht bei einer neuen Show nun einen besonders umstrittenen Weg. Der Streaming-Dienst lässt einen Schauspieler wieder sprechen, der bereits seit zehn Jahren tot ist. Technisch ist das durchaus möglich. Aber ob die digitale Wiederbelebung auch eine gute Idee war, darüber gehen die Meinungen deutlich auseinander.

Gene Wilder, der 1971 in „Willy Wonka & the Chocolate Factory“ den exzentrischen Süßwarenfabrikanten Willy Wonka spielte, starb 2016. In der neuen Netflix-Produktion „Wonka’s The Golden Ticket“ ist er trotzdem zu hören: Seine Stimme wurde mithilfe von künstlicher Intelligenz nachgebildet.

KI macht einen Toten zum Moderator

„Wonka’s The Golden Ticket“ ist eine Reality-Wettbewerbsshow, die am 23. September 2026 bei Netflix gestartet ist. Zwölf Kandidaten dürfen jeweils einen Partner mitbringen und treten in einer nachgebauten Version von Wonkas Schokoladenfabrik zu verschiedenen Spielen an.

Einen klassischen Moderator spart sich Netflix. Stattdessen führt die künstlich erzeugte Stimme von Wilder durch die Sendung und erklärt den Kandidaten unter anderem die Regeln. Für die technische Umsetzung arbeitete Netflix mit dem KI-Unternehmen ElevenLabs zusammen. Die Firma ist auf die Erzeugung und Nachbildung menschlicher Stimmen mittels künstlicher Intelligenz spezialisiert.

An finanziellen Mitteln fehlte es Netflix dabei nicht. Allein der Hauptgewinn entspricht laut „TechRadar“ rund 3 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen die aufwendigen Kulissen der Schokoladenfabrik. Bei der KI-Version von Wilder überzeugt das Ergebnis trotzdem nicht. Zwar erinnert der Sprachrhythmus wohl stellenweise an den Schauspieler, die künstliche Stimme wird jedoch unter anderem als „leblos“ und „unnatürlich“ beschrieben. Auch der Aufbau und die Umsetzung der Show stoßen in mehreren Kritiken auf Ablehnung.

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Kritik trotz Einwilligung des Nachlasses

Immerhin hat Netflix Wilders Stimme nicht einfach auf eigene Faust digital wiederauferstehen lassen. Die Witwe des Schauspielers unterstützte die Produktion im Namen seines Nachlasses öffentlich. Sie bezeichnete die Show als Würdigung dessen, was ihr Mann der Rolle einst gegeben hatte.

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Damit verschwindet das eigentliche Problem für einige Zuschauer allerdings nicht: Wilder selbst konnte schwerlich gefragt werden. Er konnte nicht darüber entscheiden, ob seine Stimme zehn Jahre nach seinem Tod neue Sätze sprechen soll. Genau daran entzündet sich ein Teil der Kritik.

Und die fällt nicht gerade zimperlich aus. Bei Rotten Tomatoes erreichte die Show bislang nur einen Tomatometer-Wert von 14 Prozent (Stand 29. September 2026). „Variety“ bezeichnet die Verwendung der KI-Stimme in seiner Kritik sogar als makabren Missbrauch. „The Guardian“ kommt ebenfalls zu keinem schmeichelhaften Urteil und schreibt über die künstliche Stimme: „Es klingt gekünstelt, irgendwie undefinierbar falsch“.

In sozialen Netzwerken fällt die Reaktion teilweise noch deutlicher aus. Ein Nutzer auf X bezeichnete Netflix wegen der KI-Stimme als „ekelhaft“.

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Auch auf Reddit finden sich ablehnende Reaktionen. Im Kern geht es dabei immer wieder um dieselbe Frage: Darf ein Nachlass stellvertretend darüber entscheiden, einem Verstorbenen mithilfe von KI vollkommen neue Aussagen in den Mund zu legen?

Ein Wiedersehen, das nicht jeder ablehnt

Ganz so eindeutig ist die Reaktion allerdings nicht. Rusty Goffe, der bereits 1971 einen Oompa-Loompa spielte und auch in der Netflix-Produktion auftritt, empfand die künstliche Stimme offenbar ganz anders. Gegenüber dem Branchen-Magazin „Variety“ berichtete er, beim ersten Hören eine Träne vergossen zu haben. Für ihn sei es schön gewesen, Wilders Stimme wieder zu hören.

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Ob die KI-Stimme nun als gelungene Würdigung durchgeht, ziemlich gruselig wirkt oder schlicht technisch misslungen ist, kann jeder selbst beurteilen. Die ersten sieben Folgen sind bereits bei Netflix verfügbar. Die letzten beiden erscheinen am 30. September.

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