Böse Überraschung

Das Samsung Galaxy S10+ im Test

Das Samsung Galaxy S10+ neben Pflanzen
Samsungs Galaxy S10 geht auch dieses Jahr wieder als iPhone-Killer an den Start
Foto: TECHBOOK

Wir haben das Galaxy S10+ einem harten Langzeittest unterzogen. Wie sich das Smartphone geschlagen hat und welche böse Überraschung lauert, erfahren Sie bei TECHBOOK.

Die Galaxy-S10-Reihe markiert ein Jubiläum für Samsung – vor zehn Jahren wurde das erste Galaxy S auf den Markt gebracht. Seitdem ist die Serie zu einem der größten iPhone-Konkurrenten und Samsung zum weltgrößten Smartphone-Hersteller angewachsen. Dieses Jahr hat Samsung gleich vier verschiedene Galaxy-S10-Modelle im Angebot: Das S10e, das S10, das S10+ und das S10 5G. Wir haben das Galaxy S10+ auf Herz und Nieren getestet und ein Detail herausgefunden, das Samsung wohl lieber verschwiegen hätte.

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Leistung und Software

Das Smartphone wird mit der aktuellen Android-Version 9 Pie ausgeliefert, über die Samsung seine neue One-UI-Oberfläche gelegt hat. Im Vergleich zu früheren UI-Versionen aus dem Hause Samsung wurde One UI vereinfacht und ist sauberer geworden. Außerdem hat Samsung versucht, die Oberfläche für große Bildschirme bedienbarer zu machen. Dafür rücken in vielen Apps die Inhalte nach unten, um schneller erreichbar zu sein.

So sieht die neue One UI aus. Oben ist viel Platz, damit unten alles leichter erreichbar ist. | Foto: TECHBOOK

Die Bedienung ging reibungslos von der Hand, auch aufwendige Spiele konnte das S10+ nicht in die Knie zwingen – selbst nachdem ich die Bildschirmauflösung auf die maximale Einstellung hochgeschraubt hatte. Gleich nach dem Auspacken habe ich jedoch zuerst den nachempfundenen Google-Pixel-Launcher installiert und ich kann jedem empfehlen, dasselbe zu tun. Ich habe den Samsung-Launcher „One UI Home“ gar nicht erst ausprobiert, aber er dürfte für die meisten Käufer in Ordnung sein – mehr auch nicht. Linker Hand ist Bixby Home zu finden, mit einer Übersicht über Termine, Erinnerungen, das Wetter und eine ganze Reihe an unnötigen Dingen, die Samsung aus irgendeinem Grund als interessant und sehenswert beurteilt. Der Rest ist ein simpler Launcher mit Home-Screen und App-Regal. Als Alternativen empfehle ich den Rootless (Pixel) Launcher oder den Nova Launcher, diese machen das Smartphone-Leben einfach besser.

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✔️Mit Ultraschall-Fingerabdruckscanner

Im Galaxy S10+ stecken bis zu ein Terabyte (TB) Speicher, der im Dual-SIM-Modell um bis zu 512 GB per MicroSD-Karte erweiterbar ist. Die 1-TB-Version hat 12 GB RAM, in den 128-GB- und 512-GB-Versionen sind es 8 GB. Unser Testgerät hat 512 GB Speicher und die Dual-SIM-Funktion, kann also sogar auf ein TB erweitert werden.

Neuer Fingerabdrucksensor mit Schwächen

Erstmals kommt in einem Samsung-Smartphone eine Fingerabdrucksensor unter dem Bildschirm zum Einsatz. Es handelt sich um einen Ultraschall-Sensor, der in der Theorie schneller und genauer sein soll als die bisher oft anzutreffenden optischen Sensoren. In der Praxis war der Sensor aber nicht sehr schnell und auch nicht einfach zu treffen. Er kann zudem relativ einfach ausgetrickst werden, wie Nutzer „darkshark“ in einem Post auf Imgur beweisen konnte:

I attempted to fool the new Samsung Galaxy S10’s ultrasonic fingerprint scanner by using 3d printing. I succeeded.

Im Vergleich mit meinem privaten OnePlus 6T war das Galaxy S10+ weder schneller beim Entsperren, noch konnte es besser meinen Finger erkennen. Immerhin kann das Smartphone auch entsperrt werden, wenn der Bildschirm aus ist, das geht mit optischen Sensoren nicht. Mit einigen Displayschutzfolien funktioniert das Entsperren nicht korrekt. Immerhin trägt Samsung nun ab Werk eine Schutzfolie auf, wer aber eine Folie nachkaufen muss, sollte auf die Kompatibilität achten.

Trotz aufwendigerem Ultraschallsensor entsperrt das S10+ nicht schneller als das Oneplus 6T | Foto: TECHBOOK

Im Galaxy S10+ steckt ein 4100 Milliamperestunden (mAh) großer Akku, der mich bei normaler Nutzung locker durch zwei Tage oder mehr gebracht hat. Der Akku kann sowohl mit dem beigelegten Netzstecker als auch kabellos – mit der entsprechenden Ladestation – schnell aufgeladen werden. Beide Varianten unterstützen 15 Watt Eingangsleistung. Besonders an der kabellosen Ladefunktion ist, dass sie auch für umgekehrtes Laden benutzt werden kann. Diese Technologie ist bereits aus dem Huawei Mate 20 Pro bekannt. Damit können zum Beispiel andere Smartphones einfach aufgeladen werden, in dem sie an die Rückseite des Galaxy S10+ gehalten werden – sofern sie selbst kabellos geladen werden können.

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Hoch lebe die 3,5-mm-Klinke

Samsung ist einer der letzten Hersteller, der noch einen Klinkenanschluss in seinen Premium-Smartphones verbaut. Ich benutzte selbst zwar schon seit Längerem Bluetooth-Kopfhörer, aber es ist immer gut, Optionen zu haben. Samsung reicht sogar noch ein paar AKG-In-Ear-Kopfhörer mit, um die Klinke zu feiern. Natürlich hat das S10+ auch einen USB-C-Anschluss zum Laden und für die Datenübertragung. Außerdem wird darüber auch Samsungs „DeX“ Desktop-Experience unterstützt, das Smartphone kann also an einen Bildschirm angeschlossen und fast wie ein vollwertiger PC genutzt werden.

Kann das Xiaomi Mi 9 tatsächlich so viel wie ein Galaxy S10?

Bildschirm und Verarbeitung

Wie auch in den letzten Jahren hat Samsung wieder das beste AMOLED-Panel auf dem Markt verbaut. Im S10+ hat es eine Bildschirmdiagonale von 6,4 Zoll und eine Auflösung von 3040 x 1440 Pixeln. Das Display unterstützt HDR10+ und ist von einer Schicht aus dem neuesten Gorilla Glass 6 geschützt. Wie die Vorgängermodelle hat das Galaxy S10+ eine Frontseite mit abgerundeten Rändern, um die sich das AMOLED-Display schmiegt.

Mich ärgert ein wenig die unterschiedliche Breite der Bildschirmränder oben und unten. Es ist immer noch der untere Rand, der etwas dicker ist – wie bei fast allen Android-Smartphones. Apple hat hier eine bessere Lösung gefunden, die anscheinend noch nicht von anderen Herstellern adaptiert werden konnte.

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Loch statt Notch

Samsung hat den Notch-Trend des letzten Jahres komplett umschifft und setzt beim S10 auf seine 2018 vorgestellt „Infinity-O“-Technologie. Das bedeutet, dass im Bildschirm eine kleine Aussparung für die Frontkamera vorhanden ist. Beim Galaxy S10 sitzt der runde Ausschnitt oben rechts am Bildschirm und hat mich bei der Nutzung nicht wirklich beeinträchtigt. Man könnte sich daran stören, dass der Bildschirmabschnitt, der sich um das Loch schmiegt, verlorener Platz ist. Dadurch rückt die Linie, bis zu der ein lückenloses Bild möglich ist, weiter nach unten. Wer sich nicht an einer kleinen Lücke stört, kann das Bild aber auch von Rand zu Rand maximieren. Was mich persönlich etwas stört, ist die Tatsache, dass im S10+ der Ausschnitt für die Kamera(s) breiter ist, weil neben der normalen Selfie-Cam noch ein Tiefensensor sitzt. Meines Erachtens hätte Samsung hier wie beim Galaxy S10e und S10 auf eine Software-Lösung setzen sollen, die die Tiefenunschärfe berechnet. Denn die Genauigkeit wird durch den Sensor nur minimal erhöht und ein kleineres, rundes Loch wäre einfach besser gewesen.

Das S10+ (oben) und das Oneplus 6T haben beide einen 6,4 Zoll Bildschirm. Durch das Kameraloch ist die Bildfläche aber in einigen Fällen beim S10+ kleiner. | Foto: TECHBOOK

Allerdings kann man die Kamera-Pille zu gutem Effekt verwenden – und zwar als Augen für bekannte Figuren. Bereits für die runde Kamera haben sich Galaxy-S10-Nutzer lustige Wallpaper ausgedacht, aber mit dem Galaxy S10+ wird es noch besser. Zu meinen Favoriten gehören Bender, Wall-E und der gute, alte Mars-Rover Curiosity (RIP).

Bender harmoniert nicht mit jedem, aber mit der Kamera des S10+ läuft es. | Foto: TECHBOOK

Wir haben zum Testen die S10-Version mit Keramik-Rückseite bekommen, die etwas dicker und widerstandsfähiger als die Glas-Variante sein soll. Die Keramik-Version wiegt in etwa ein Achtel mehr (ca. 25 Gramm) als die Standardvariante mit der Rückseite aus Gorilla Glass 5. Ein Wort der Warnung: Das Galaxy S10+ ist unglaublich rutschig! Legt man das Smartphone auf eine nur minimal schräge Oberfläche, fängt es nach kurzer Zeit an zu rutschen. Mir ist es mehrmals aus der Jacken- und Hosentasche gefallen, weil es selbst durch Reibung nicht aufzuhalten ist. Aber immerhin, bis auf ein paar Kratzer hat es nichts davongetragen, den Härtetest hat es also mit Bravour bestanden. Auch ist das Gehäuse wasser- und staubdicht nach IP68, das bedeutet, dass das Smartphone einem Tauchgang bis 1,5 Metern für 30 Minuten standhält.

Das Kameraloch ermöglicht nette Animation, wie etwa hier beim Umschalten zur Selfie-Kamera | Foto: TECHBOOK

Kamera

Fünf Kamerasensoren insgesamt

Samsung hat lange Zeit die Kamera simpel gehalten, mit einer Kamera auf der Rückseite und einer auf der Vorderseite. Das Galaxy S9+ war das erste Smartphone der Serie, das zusätzlich noch eine Telefotokamera neben der Hauptkamera hatte. Beim Galaxy S10+ geht Samsung nochmal einen Schritt weiter und verbaut nun eine Dreifachkamera. Diese besteht aus einem 12-Megapixel-Weitwinkelsensor mit optischer Bildstabilisierung (OIS), einer 12-Megapixel-Telefotokamera mit OIS und zweifacher Vergrößerung sowie einem 16-Megapixel-Ultraweitwinkelsensor. Das ist zwar noch nicht Penta-Cam-Territorium wie beim Nokia 9 Pureview, aber dennoch schon ein ganzer Haufen Kameras. Hier ein paar Beispielbilder, in denen die drei verschiedenen Kameras verglichen werden.

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Ultraweitwinkel, Foto: TECHBOOK
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Weitwinkel, Foto: TECHBOOK
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Zweifache Vergrößerung, Foto: TECHBOOK
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Ultraweitwinkel, Foto: TECHBOOK
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Weitwinkel, Foto: TECHBOOK
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Zweifache Vergrößerung, Foto: TECHBOOK
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Zehnfache Vergrößerung (digitaler Zoom), Foto: TECHBOOK

Auch die Vorderseite hat eine Doppelkamera, wobei es sich hier um eine 10-Megapixel-Selfie-Kamera handelt, die von einem 8-Megapixel-Tiefensensor unterstützt wird, um den Porträt-Effekt zu verbessern. Die Kamera auf der Rückseite kann Videos in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde (FPS) oder in 1080p mit 240 FPS aufnehmen. Auch Super-Slow-Motion in 720p-Auflösung mit 960 FPS wird unterstützt.

Gute Kamera-App mit vielen Funktionen

Die Kamera-App ist sehr gut und übersichtlich aufgebaut. Mit einem kleinen Schalter, der rechts über dem Sucher schwebt, lässt sich sofort zwischen den drei Kameras umschalten oder im Selfie-Modus zwischen Weitwinkel und Ultraweitwinkel. Der Slider kann übrigens auch gedrückt gehalten und nach unten oder oben gezogen werden, um rein- oder rauszuzoomen – eine sehr praktische Funktion, die ich häufig genutzt habe. Der Übergang zwischen den Kameras gestaltet sich somit deutlich flüssiger als mit der Zwei-Finger-Zoom-Geste.

So funktioniert der Zoom-Slider | Foto: TECHBOOK

Die Kamera-App hat einen automatischen Szenen-Optimierer, der vor allem nachts gute Ergebnisse abgeliefert hat. Ist der Optimierer eingeschaltet, erscheint in einer kleinen Kugel ein Symbol für die jeweilige Szene, die gerade erkannt wurde. Apropos intelligente Funktion: Ganz am Bildschirmrand befindet sich ein Button, mit dem Bixby Vision geöffnet wird. Das funktioniert ähnlich wie Google Lens und soll Objekte erkennen, die dann im Internet gesucht oder direkt gekauft werden können. Das funktioniert manchmal gut, aber manchmal auch überhaupt nicht. Zum Beispiel wollte Bixby Vision partout keine Cent-Münzen erkennen und mir stattdessen klar machen, dass dort eine Zange, eine Zahnbürste und eine Brille lägen. Bei Dingen wie Tassen, Kopfhörern oder auch Computermäusen war die Trefferquote jedoch recht gut.

Bixby Vision rät in Echtzeit, was mit der Kamera gesucht wird – und ist dabei nur manchmal erfolgreich | Foto: TECHBOOK

Was mich etwas gestört hat, ist die Auto-Zeitabschaltung der Kamera-App. Nach etwa einer Minute Inaktivität innerhalb der App kehrt das Smartphone einfach zum Home-Screen zurück – Ich kann gar nicht sagen, wie oft mir das passiert ist, wenn ich auf den richtigen Moment für einen Schnappschuss gewartet habe.

Samsung stellt Smartphone mit faltbarem Bildschirm vor

Samsung will uns ein S für ein S+ vormachen

Es ist nicht vielen bekannt, dass Samsung im Prinzip zwei verschiedene Versionen seiner Flaggschiff-Smartphones fertigt. Neben den eigenen Exynos-Prozessorchips von Samsung gibt es auch eine Variante mit einem Snapdragon-Chip aus dem Hause Qualcomm. Die Praxis, die schon seit dem Galaxy S2 von 2011 betrieben wird, wurde ursprünglich wahrscheinlich zur Deckung des hohen Bedarfs eingeführt.

Auch das Galaxy S10+ ist hier keine Ausnahme. Es gibt die internationale Version mit Exynos-Chip und die Snapdragon-Version, die nur in den USA, Kanada, China, Japan and Lateinamerika vertrieben wird. Wir haben die Exynos-Version getestet, da nur diese in Deutschland erhältlich ist.

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Diese Jahr ist die hierzulande verkaufte Exynos-Version deutlich schlechter, wie die Seite Anandtech herausgefunden hat. Die internationale Version macht schlechtere Fotos und liefert schlechtere Leistung in Benchmarks. Letzteres dürfte sich dank Samsungs Software-Optimierung nicht auf die Bedienung auswirken, aber Games können von der Mehrleistung profitieren. Allerdings verarbeitet der Exynos-Chip High-Dynamic-Range (HDR) anders als der Snapdragon – und zwar nicht zum Besseren. Schaut man sich die Vergleichsfotos von Anandtech an, kann man deutlich erkennen, dass beim Exynos Details verloren gehen und die Ausleuchtung schlechter ist:

Links Exynos, recht Snapdragon. Schaut man sich den Schatten genauer an, sind beim Snapdragon viel mehr Details erkennbar, während er beim Exynos zu dunkel ist. | Foto: Anandtech

 

Links Exynos, rechts Snapdragon. Das Schild ist beim Snapdragon viel besser erkennbar und auch sonst ist die Ausleuchtung besser als beim Exynos. | Foto: Anandtech

Fazit

Das Galaxy S10+ ist ein hervorragendes Smartphone und sicher ein Kandidat für den Titel „bestes Smartphone 2019“. Deswegen ist es umso nerviger, dass man als Exynos-Käufer die schlechtere Leistung hinnehmen muss, sei der Unterschied auch noch so gering. Bei einem über 1000 Euro teurem Smartphone sollte man eigentlich erwarten können, dass man das Beste und nur das Beste bekommt. Von mit gibt es daher nur 4,5 von 5 Sternen in der Endbewertung, zumindest für unser Galaxy S10+.

Samsung Galaxy S10+


Brillanter Bildschirm, Gute Kamera, Großer Funktionsumfang
Schlechtere Leistung beim Exynos, Probleme mit dem Fingerabdrucksensor, Extrem rutschig