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Gigant aus Südkorea

Wie groß ist Samsung?

Samsung-Zentrale
Samsung stellt nicht nur Elektronik herFoto: Getty Images

Es dürfte kein Problem sein, ein Haus nur mit Produkten von Samsung auszustatten. Die Koreaner wären sogar in der Lage, das Haus selbst zu bauen. Samsung ist in vielen Branchen aktiv. Wie kaum ein anderes Unternehmen bedient Samsung das Bild eines koreanischen Chaebol: eines weit verzweigten Wirtschaftsriesen, in der Hand einer Familie.

Das Wort „Chaebol“ ist eine Zusammensetzung aus den koreanischen Wörtern für „reich“ und „Sippe“ oder „Clan“. 1938 gründete Lee Byong-Chul einen Gemüsehandel und nannte ihn: Samsung. Wieder eine Zusammensetzung, diesmal aus der Zahl 3, in Korea eine Glückszahl, und dem koreanischen Wort für „Stern“. Eine Reisbrauerei kam hinzu. Lee expandierte weiter und holte seine Söhne ins Unternehmen. In den 1950er Jahren war Samsung neben dem Einzelhandel auch in den Bereichen Versicherungen und Sicherheit tätig.

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Gute Kontakte zu ranghohen Politikern

Die koreanischen Chaebol sind auch für ihre guten Beziehungen zur Politik bekannt, wenn nicht sogar berüchtigt. Samsung-Gründer Lee und der damalige Präsident Südkoreas, Park Cheung-hee, stolperten Mitte der 1960er-Jahre über einen Schmuggelskandal. Obwohl Lee eine Zeitung und ein Radiosender gehörten, musste er wegen des öffentlichen Drucks zurücktreten.

Er überließ seinem ältesten Sohn die Führung. Für den war es dann kein Problem, in die Elektrobranche einzusteigen, obwohl andere Chaebol erheblichen Widerstand leisteten und Samsung zu dieser Zeit keinerlei Erfahrung mit Elektronik hatte. Die Politik war ihm wohlgesonnen. 1969 wurde Samsung Electronics gegründet, das bis heute Herzstück des Firmen-Konglomerats ist.

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Vom ersten TV-Gerät bis zum Mikrochip

1970 erblickte dann der erste Samsung-Fernseher das Licht der Welt. Nur drei Jahre später präsentierte der Konzern seinen ersten PC. Zu dieser Zeit wirkte sich die Ölkrise auf die koreanische Wirtschaft aus. Die Regierung lockte die Chaebol mit einer Bevorzugung bei der Kreditvergabe in die Schwerindustrie. Samsung zog mit, wohl auch, weil es andere Chaebol wie etwa Hyundai ebenfalls taten – auch hier: ohne dass sie Kenntnisse über den Bau von Schiffen oder Maschinen, vom Bergbau oder der Öl-, Gas- und Stahlindustrie hatten.

Die koreanische Wirtschaft gewann in den 1970er Jahren an Fahrt. Laut einer Dissertation über die Entstehung der koreanischen Chaebol von der Universität Göttingen lag das Wachstum eines koreanischen Unternehmens von 1970 bis 1979 bei 130 Prozent. Die Chaebol hingegen wuchsen um satte 340 Prozent, vor allem durch Aufkäufe kleiner und mittelständischer Unternehmen, wodurch sie ihre Marktposition immer weiter stärkten. Samsung kaufte zum Beispiel 1974 Korea Semiconductor und war fortan in der Halbleiter- und ab den 1980er Jahren auch in der Chipherstellung tätig.

Samsung produziert weltweit die meisten LCD-Bildschirme

Heute bedient Samsung sämtliche Bereiche der Unterhaltungselektronik. Kein anderes Unternehmen produziert mehr LCD-Bildschirme. Kein Wunder, dass die Koreaner die Nummer 1 im Flachbild-TV-Sektor sind. Samsung gilt auch als weltweit größter Chiphersteller. Selbst im ersten iPhone war ein Samsung-Chip verbaut.

Zum Samsung-Konglomerat zählen rund 80 Unternehmen, die selbstständig agieren. „Wenn man alle Produkte von Samsung aufzählen würde, sähe das Unternehmen wie ein großes Kaufhaus aus, in dem man von Lebensmitteln bis zu hochwertigen Produktionsanlagen alles kaufen kann“, heißt es in der Dissertation der Uni Göttingen. In diesem Kaufhaus stünden neben Fernseher auch Waschmaschinen, medizinische Ausrüstung, Autos, ja sogar Panzer wurden von Samsung Techwin entwickelt.

Bauen, Werben, Freizeit und Fashion

Samsung war am Bau des Burj Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt, und den Petronas Towers in Kuala Lumpur beteiligt. Die weltweit größte Werbeagentur gehört ebenso zu den Koreanern wie eine Fashionmarke, Hotels oder Koreas größter Vergnügungspark mitsamt Zoo. Samsung unterhält eine Kulturstiftung und ein Wirtschaftsforschungsinstitut. Der Mega-Konzern beschäftigt 268.000 Mitarbeiter und damit mehr als Google (102.000), Apple (154.000) oder Microsoft (181.000).

Im vergangenen Jahr verstarb Kun-hee Lee, der bis dato die Geschäfte von Samsung führte. Der drittälteste Sohn des Firmengründers wurde 2009 wegen Korruption verurteilt, später aber begnadigt. Als Mitglied des Olympischen Komitees sorgte Lee dafür, dass die Winterspiele 2018 nach Pyeongchang gingen. Die Nachfolge trat sein Sohn Lee Jae-yong an. Somit bleibt Samsung auch in der dritten Generation in der Hand der Familie Lee und führt damit die Traditionen eines koreanischen Chaebol fort – mit allen positiven und negativen Auswirkungen.

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