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Neuer Probelauf

Geräte-Bindung soll Netflix-Account-Sharing entlarven 

Netflix auf der Fernbedienung
Netflix testet derzeit verschiedene Maßnahmen gegen Account-SharingFoto: Getty Images

Schon seit einer Weile versucht Netflix gegen das sogenannte Account-Sharing vorzugehen. Im Frühjahr 2022 hat der Streaming-Dienst einen Probelauf gestartet, bei dem diejenigen zur Kasse gebeten werden, die ihren Account teilen.

Geht es nach Netflix, könnten Hauptinhaber eines Accounts künftig mehr Geld bezahlen, wenn sie ihre Login-Daten an andere weitergeben. Die Extra-Zahlung soll allerdings keine Strafgebühr sein, sondern erscheint eher als eine Art angehängtes, deutlich günstigeres Abo für Nutzer außerhalb des Haushaltes. Doch wie erkennt Netflix Account-Sharing überhaupt? Hierfür gibt es mehrere Testläufe.

Aktuelle Maßnahmen – so will Netflix unerlaubtes Account-Sharing erkennen

Bislang ist immer noch nicht in Gänze bekannt, wie Netflix überprüfen möchte, ob Nutzer tatsächlich zusammen wohnen. Doch es gibt verschiedene Herangehensweisen. Der Musik-Dienst Spotify etwa versucht mittels Stichproben (Einsendung von Dokumenten/Adressnachweisen) sicherzustellen, dass sämtliche Nutzer eines Family-Pakets auch unter derselben Adresse gemeldet sind. Die Ankündigung des schwedischen Musik-Portals, den Standort der Nutzer stichprobenartig per Google Maps zu überprüfen, verlief aus Gründen des Datenschutzes im Sand.

Netflix testet laut The Verge in Argentinien, El Salvador, Guatemala, Honduras und der Dominikanischen Republik derweil einen anderen Ansatz. Hier wird der Netflix-Account mit einem Fernseher oder einem mit dem TV-verbundenen Gerät verknüpft, um Account-Sharing zu enttarnen. Das soll wie folgt funktionieren: In den genannten Ländern ist der Netflix-Account einem primären Zuhause zugeordnet, in dem Nutzer über alle Geräte im Haus auf den Streaming-Dienst zugreifen können. Loggen sich Abonnenten aber von außerhalb dieses Zuhauses ein, erscheint ein Fenster, über das sich ein zusätzliches „Zuhause“ gegen eine Gebühr hinzufügen lässt.

Die Nutzung des Netflix-Accounts auf dem zusätzlichen Gerät ist bis zu einer Dauer von zwei Wochen ohne Aufpreis möglich, solange das entsprechende Konto innerhalb eines Jahres nicht schon an diesem Ort verwendet wurde. Ist dies der Fall oder dauert die Nutzung länger an, ohne die entsprechende Option für das Account-Sharing zu buchen, sperrt Netflix den Fernseher.

Gleichzeitig arbeitet Netflix in diesen Ländern auch an einer Funktion, die es Nutzern erlaubt, Account-Sharing zu tracken. Sie können in einer Maske also einsehen, wo genau der entsprechende Account genutzt wird und den Zugriff gegebenenfalls einschränken.

Netflix plant Extra-Gebühr gegen Account-Sharing

Durch die Zahlung der Extra-Gebühr können Accountinhaber bis zu zwei zusätzliche Personen außerhalb ihres Haushaltes legal in ihr Abo aufnehmen, erklärt die Zeitschrift Variety die Pläne von Netflix. Die zusätzlichen Nutzer bekommen wiederum einen nahezu selbst verwalteten Zugang zu Netflix – inklusive eigenem Profil, Empfehlungen, Login und Passwort. Auch die Kosten für den angehängten Account verriet der Streaming-Anbieter bereits.

Demnach berechnet Netflix in Peru eine Extra-Gebühr von 7,9 Peruanische Sol (PEN), was umgerechnet 1,92 Euro entspricht. In Costa Rica beträgt die Gebühr 2,99 US-Dollar, also etwa 2,71 Euro, und in Chile 2380 Chilenische Peso (CLP), etwa 3,27 Euro. Für einen nahezu eigenständigen und legalen Zugang zu Netflix ist das nicht viel. Fraglich ist allerdings, wie viele Nutzer von dem Angebot Gebrauch machen. Denn solange Netflix keine Möglichkeit hat, Nutzer von illegalem Account-Sharing genau zu identifizieren und zu lokalisieren, dürften einige sicherlich am bisherigen Verhalten festhalten. Doch gerade an diesem Punkt arbeitet Netflix schon lange, wie ein Testlauf im vergangenen Jahr belegt.

Netflix-Account wird abgefragt

US-Medien berichteten, dass im März 2021 vereinzelt Abfragefenster auftauchten, wenn man sich mit dem Netflix-Account anmeldet. Folgender Text war in dem Fenster zu sehen:

„Starten Sie Ihr eigenes Netflix heute. Wenn Sie nicht mit dem Besitzer dieses Accounts zusammenleben, brauchen Sie Ihren eigenen Account, um weiter zu schauen.“

Unter der Meldung erschien eine Aufforderung zur Bestätigung des Accounts. Als Optionen wurden eine Bestätigung per E-Mail, per SMS oder die Bestätigung zu einem späteren Zeitpunkt aufgeführt.

Das Fenster erschien bislang nur bei Anmeldeversuchen auf einem TV-Gerät. Ob Netflix erkennen kann, dass ein Anmeldeversuch von einem Ort geschieht, der nicht dem Standort des Accounts-Inhabers entspricht, ist unklar. Das Unternehmen arbeitet bereits seit Längerem an einem Werkzeug, um zu erkennen, wenn das Passwort mit anderen geteilt wird. Netflix erlaubt die Nutzung eines Accounts nur innerhalb eines Haushaltes.

TECHBOOK hat bei Netflix angefragt, ob das Unternehmen damit nun gegen Account-Sharing vorgehen wolle. Ein Pressesprecher teilte uns mit: „Dieser Test soll sicherstellen, dass Netflix-Konten nur von Personen verwendet werden, die dazu berechtigt sind.“ In Deutschland würden die Tests außerdem nicht stattfinden.

Das Unternehmen fährt also eine zweigleisige Strategie. Zum einen soll der Test sicherstellen, dass Mitglieder sich an die Netflix-Nutzungsbedingungen halten. Zum anderen ist es eine Warnung, die Login-Daten zum eigenen Schutz nicht einfach an Dritte weiterzugeben.

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Wann ist es erlaubt, das Passwort zu teilen?

Grundsätzlich bietet Netflix einige Funktionen zur Kontoaufteilung an, die darauf abzielen, dass mehrere Personen denselben Login verwenden können. Dies ist sogar in den AGB des Unternehmens verankert. Dort steht geschrieben, dass das Teilen eines Accounts grundsätzlich erlaubt sei. Dies gilt allerdings nur für Personen, die im gleichen Haushalt leben. Das Basic-Abo (7,99 Euro pro Monat) ist in der Hinsicht für Alleinstehende bestimmt, während das Standard-Abo für Zwei-Personen-Haushalte ausgelegt und das Premium-Abo für Familien mit bis zu vier Nutzern gedacht ist.

Beim Basis-Abonnement können Serien und Filmen auf nur einem Endgerät abgerufen werden. Wohingegen beim Standard-Abo auf zwei Endgeräten gleichzeitig gestreamt werden kann. Besitzer des Premium-Abonnements kommen gar in den Genuss auf vier Geräten gleichzeitig gucken zu können.

Passend zum Thema: Ist es strafbar, wenn ich meinen Account teile?

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Wann Netflix Account-Sharing untersagt

Dass viele Netflix-Abonnenten ihr Passwort teilen, ist nicht nur eine Vermutung. Unter Netflix-Kunden ist das Verhalten derart populär, es gehöre fast schon zum guten Ton. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des TV-Senders CNBC. Mehr als 35 Prozent der Befragten erklärten, regelmäßig Account-Sharing mit Netflix zu betreiben. Im Schnitt war es jeder Zehnte, der den Streaming-Dienst auf diese Weise nutzt, ohne dafür zu bezahlen.

Gedacht ist das Basis-Abo eigentlich für Single-Haushalte, während das Standard und das Premium-Abo für Familien, deren Mitglieder alle unter einem Dach leben, entworfen wurden. Doch verwenden viele Freunde oder Kollegen einen gemeinsamen Premium-Account, um die monatlichen Kosten zu senken. Dies ist Netflix natürlich ein Dorn im Auge.

Dem Anbieter sollen durch diese Handhabung monatliche Einnahmen von mehr als hundert Millionen Dollar entgehen. Eine weitere Konsequenz der Weitergabe der Account-Daten ist die Stagnation der Nutzerzahlen, was für das Unternehmen nicht weniger problematisch ist als die finanziellen Einbußen.

Im Fokus steht allerdings nicht nur die Weitergabe der Passwörter von Einzel-Accounts, auch Familien-Accounts sollen in Kürze nicht mehr von unterschiedlichen IP-Adressen aus benutzbar sein.

Netflix-Produktchef Greg Peters drohte bereits bei der Verkündung der Geschäftszahlen im dritten Quartal 2019 an, dass das Unternehmen der Weitergabe von Passwörtern zeitnah den Kampf ansagen wolle. Man verfolge das Geschehen genauestens, erklärte er und versprach: „Wir werden eine verbraucherfreundliche Lösung für dieses Problem finden.“

Netflix war nicht immer gegen Account-Sharing

Account-Sharing war Netflix ursprünglich kein Dorn im Auge. Immerhin hat das Unternehmen selbst die Geister gerufen, welche es jetzt nicht mehr los wird. 2017 propagierte das Streaming-Portal die eigene Generosität und schickte einen Tweet mit der Botschaft „Love is sharing a password“ um die Welt. Schon damals reagierten die User irritiert und fragten, ob dies nicht illegal sei. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Büchse der Pandora geöffnet.

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