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Huawei Mate 50 Pro: Eines der besten Kamera-Handys, nur ohne Google

Meinung

Huawei Mate 50 Pro – das beste Smartphone, das kaum jemand kaufen wird

Das Highlight des Huawei Mate 50 Pro ist die Kamera mit ihrer symmetrischen Anordnung.
Das Highlight des Huawei Mate 50 Pro ist die Kamera mit ihrer symmetrischen Anordnung. Foto: TECHBOOK

Mit dem Mate 50 Pro bringt Huawei ein weiteres Modell seiner Mate-Reihe nach Deutschland. Früher gehörten die Smartphones zu den besten in Deutschland. Doch heute kann selbst die Top-Ausstattung den Verkauf nicht ankurbeln.

Huawei steht seit jeher für Smartphones, die eine unglaublich gute Kamera bieten. Nicht umsonst tauchen die Modelle in bekannten Kamera-Tests oft weit oben in der Liste auf. Ich selbst war früher absoluter Fan von Huawei-Smartphones, besaß sowohl Modelle der P- als auch der Mate-Reihe. Auch das neue Huawei Mate 50 Pro lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich auf die Ausstattung schaue. Kaufen werde ich das Gerät, wie viele andere Kunden in Deutschland, aber nicht – aus einem Grund.

Huawei und das Google-Problem

Seit 2019 berichtet TECHBOOK immer mal wieder über die Folgen, die das US-Embargo für Huawei hatte. Seither darf das Unternehmen keine Smartphones mit Google-Apps mehr verkaufen. Auch 5G gibt es für die Top-Geräte in Europa nicht. Das hat Folgen. Belegte Huawei 2019 noch den stolzen 2. Platz in der Liste der weltweit beliebtesten Smartphone-Hersteller (hinter Samsung, aber vor Apple), spielt der Hersteller 2022 laut Statista kaum noch eine Rolle im Ranking.

Dennoch ziehe ich den Hut vor Huawei, die sich seit dem Embargo um diverse Lösungen bemüht haben, ihre Geräte in Europa dennoch weiter verkaufen zu können. Mit HarmonyOS entstand beispielsweise ein eigenes Betriebssystem, das zwar auf Basis von Android läuft, aber auf Alternativen zu den bekannten Google-Apps setzt. Im Laufe der Zeit ist die Auswahl an Partnern, die ihre Apps im Huawei-eigenen App Store anbieten, stetig gewachsen. Dennoch ist das System immer noch keine wirkliche Alternative zum klassischen Android mit Google. Bestimmte Prozesse funktionieren dafür noch nicht reibungslos.

Das Huawei Mate 50 Pro.
Das Huawei Mate 50 Pro.Foto: TECHBOOK

Huawei Mate 50 Pro – „was für ein tolles Smartphone“

Trotz aller Schwierigkeiten fertigt Huawei weiterhin eindrucksvolle Smartphones – und feiert mit ihnen große Erfolge im Heimatland China, wo Google ohnehin nie eine Rolle spielte. Die Geräte bringt das Unternehmen aber auch nach Deutschland, wo die Absatzzahlen leider niedrig bleiben. Das ist schade, denn die Hardware hat es meist in sich, wie auch das frisch vorgestellte Huawei Mate 50 Pro beweist.

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Ich durfte es auf einer Veranstaltung von Huawei bereits in den Händen halten und ausprobieren. Mein erster Eindruck: Was für ein tolles Smartphone, wenn da nicht das System wäre. Das Huawei Mate 50 Pro bietet ein exzellentes Kamera-System und leistungsfähige Hardware. Das Design ist typisch für die Mate-Reihe sehr symmetrisch, das Smartphone mit einer Displaydiagonale von 6,74 Zoll eher groß. Beim Mate 50 Pro legt Huawei wieder den Fokus auf die Kamera, die vom sogenannten Space Ring umrahmt mittig auf der Rückseite thront. In Deutschland ist das Gerät entweder in Silber oder in Schwarz mit goldenen Akzenten zu haben.

Die Ausstattung des Huawei Mate 50 Pro

In Sachen Hardware lässt Huawei beim Mate 50 Pro kaum Wünsche offen. Das OLED-Display verfügt über eine Bildwiederholungsrate von 120 Hz, löst 2616 x 1212 Pixel (Full-HD+) auf und reagierte beim ersten Ausprobieren ausgesprochen flott. Der Screen ist nahezu rahmenlos, da er sich leicht um die Ränder biegt. Oben gibt es eine Notch, in die Huawei einen nach vorne gerichteten Lautsprecher gepackt hat (dieser fehlte beim Vorgänger Mate 40 Pro). Zum anderen befindet sich dort auch die Frontkamera, die 13 Megapixel sowie einen variablen Winkel zwischen 78 und 100 Grad bietet und die von einem 3D-ToF-Sensor (Time of Flight) unterstützt wird. Letzterer misst die Distanz zwischen Kamera und Motiv und kann Einstellungen wie Belichtung, Fokus etc. entsprechend vornehmen.

Angetrieben wird das Huawei Mate 50 Pro vom Snapdragon 8+ Gen1, einem Octa-Core-Prozessor mit hoher Leistung. Er setzt sich aus einem Leistungskern Cortex-X2 mit 3,2 GHz, drei ebenfalls starken Kernen vom Typ Cortex-A710 mit 2,75 GHz sowie vier energiesparenden Kernen vom Typ Cortex-A510 mit bis zu 2,0 GHz zusammen. Dazu gibt es 8 GB Arbeitsspeicher sowie 256 GB internen Speicher. Die in China erhältliche 512-GB-Version wird es in Deutschland nicht geben. Ebenso muss der Prozessor aufgrund des US-Banns auf 5G verzichten. Nutzer in Deutschland können somit maximal über LTE/4G funken.

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Der Akku hat eine Kapazität von 4700 mAh, was in Anbetracht der Displaygröße in Ordnung, aber nicht überragend ist. Laden lässt sich die Batterie mit 66 Watt per Kabel sowie kabellos und mit kompatiblem Wireless Charger mit bis zu 50 Watt. Auch Reverse Wireless Charging unterstützt das Huawei Mate 50 Pro und kann somit beispielsweise Kopfhörer wie eine Ladematte mit bis zu 7 Watt aufladen.

Neu ist der Notfallmodus für die Batterie, den Huawei eingeführt hat. Ist der Ladestand auf nur noch 1 Prozent gesunken, bleibt das Smartphone in diesem Modus noch etwa drei Stunden im Stand-by oder erlaubt alternativ 12 Minuten Telefonieren oder SMS-Schreiben. Damit soll gewährleistet werden, dass Nutzer auch mit nahezu leerem Akku im Notfall noch Hilfe holen können. Die Funktionen in diesem Modus sind jedoch auf die genannten Elemente begrenzt.

Lesen Sie auch: Gibt es bald wieder Google-Apps auf Huawei-Smartphones? 

Die Kamera als Highlight

Das Highlight des Huawei Mate 50 Pro ist jedoch die Kamera. Drei Sensoren bietet diese, die folgende Eigenschaften haben:

  • 50-Megapixel-Weitwinkel mit der bislang größten Blende, die es in einem Smartphone gegeben hat. Sie lässt sich variabel in zehn Öffnungsstufen zwischen f/1.4 bis f/4.0 öffnen. Bisherige Modelle boten lediglich zwei Stopps innerhalb der Blende. Stabilisiert wird optisch (OIS).
  • 13-Megapixel-Ultra-Weitwinkel mit fixer f/2.2-Blende.
  • Teleobjektiv mit 64 Megapixel, f/3.5-Blende, 3,5-fachem optischem Zoom sowie 90 mm Brennweite und OIS.

Die Kameraausstattung ist bereits beeindruckend, wirklich gut werden die Fotoergebnisse aber erst durch die Software und die schnelle Reaktion des Smartphones. Im Test reichte ein leichter Klick auf den Auslöser und das Foto war gemacht. Verzögerung beim Auslösen? Fehlanzeige! Auch beim Zoomen wechselt das Huawei Mate 50 Pro nahezu butterweich zwischen den verschiedenen Stufen. Dabei schafft es der Bildstabilisator, das Bild selbst bei hoher Zoomstufe einigermaßen ruhig zu halten. Empfehlenswert ist dennoch ein Stativ. Umgekehrt wiederum agiert der Makromodus, mit dem sich sehr nah an ein Motiv zoomen lässt. Auch hier wird für eine bessere Bildqualität und Schärfe stabilisiert.

Fotobeispiel: Huawei Mate 50 Pro
Fotobeispiel: Aufgenommen ohne Zoom-Stufe.Foto: TECHBOOK
Fotobeispiel Zoom: Huawei Mate 50 Pro
Und jeweils etwas und sehr nah herangezoomt. Ohne Stativ und aus dem Handgelenk heraus. Foto: TECHBOOK

Dank der großen Blende von f/1.4 kann die Kamera sehr viel Licht aufnehmen, auch das Bokeh wird dadurch nochmals besser. Oftmals ist bei einer solchen Blende aber auch Bildrauschen bemerkbar, das auch Huawei nicht gänzlich ausmerzen, durch eine gute Software aber deutlich reduzieren kann. Vor allem Portrait- und Nachtaufnahmen gelingen dadurch in sehr guter Qualität. Passend dazu setzt Huawei auch weiterhin auf den RYYB-Sensor. Im Gegensatz zum klassischen RGB- oder RGGB-Sensor wird hier das grüne Pixel durch ein gelbes Pixel ersetzt, der rotes und grünes Licht aufnimmt und so die Lichtdurchlässigkeit erhöht.

Nachtaufnahme mit dem Huawei Mate 50 Pro
Aufnahme in komplett dunklem Raum mit stark gedimmter Lichtquelle. Foto: TECHBOOK

Was die Software angeht, holt Huawei mit dem Mate 50 Pro sowohl Foto-Profis sowie Gelegenheitsknipser ab. Wer sich mit der Fotografie auskennt, kann viele Einstellungen wie ISO, Blende oder Weißabgleich selbst vornehmen und somit auf jede Licht- und Umgebungssituation passend reagieren. Diejenigen, die hier weniger Kenntnisse haben, können sich aber auch auf den Automatikmodus sowie spezialisierte Modi für Bokeh, Portrait oder Nacht verlassen. Insgesamt machte die Kamera des Huawei Mate 50 Pro beim ersten Ausprobieren einen sehr guten Eindruck.

Auch das Bokeh gelingt mit dem Huawei Mate 50 Pro sehr gut.
Auch das Bokeh gelingt mit dem Huawei Mate 50 Pro sehr gut. Foto: TECHBOOK

Der Preis des Huawei Mate 50 Pro hat es in sich

Insgesamt bietet das Huawei Mate 50 Pro eine ausgesprochen gute Ausstattung, die beim ersten Ausprobieren bereits überzeugen konnte. Zudem verspricht das Unternehmen mindestens zwei Jahre OS-Updates und drei Jahre Sicherheitsupdates. Da ist es klar, dass ein solches Smartphone nicht für 500 Euro verkauft werden kann. Dennoch: Der Preis, den Huawei für das Mate 50 Pro aufruft, hat es in sich.

Satte 1199 Euro kostet das Smartphone in Deutschland. Das ist meiner Meinung nach viel zu viel, wenn man bedenkt, dass das System einfach noch nicht so läuft, wie man es von Android mit Google gewohnt ist. Sicher, einige werden die Herausforderung angehen und HarmonyOS ausprobieren. Für den regulären Nutzer, der nicht auf APK-Installationen aus App Stores von Drittanbietern setzen möchte, ist HarmonyOS aber schwerlich die richtige Wahl. Besser wäre es gewesen, Huawei hätte den Preis dreistellig gelassen und die magische 1000-Euro-Grenze nicht überschritten. Denn in diesem Segment bekommen Kunden eben auch ein iPhone 14 Pro, ein Samsung Galaxy S22 Ultra oder ein anderes Highend-Smartphone mit etabliertem System und 5G-Support.

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