Der KI-Boom hat offenbar unerwartete Folgen für den Smartphone-Markt. Wegen knapper Speicherchips sollen chinesische Hersteller bei günstigen Handys zunehmend auf gebrauchte Bauteile zurückgreifen.
KI-Rechenzentren verschärfen den Engpass
Arbeitsspeicher (RAM) für Smartphones wird knapper und damit teurer. Ein Grund dafür ist die wachsende Nachfrage nach Hardware für KI-Rechenzentren. Große Speicherproduzenten wie Samsung und SK Hynix setzen verstärkt auf den lukrativen Hochleistungsspeicher für KI-Systeme. Für die Produktion von günstigerem Speicher, wie er in Smartphones steckt, stehen dadurch weniger Kapazitäten zur Verfügung.
Das treibt die Kosten: Laut WCCFTECH macht RAM mittlerweile 30 bis 40 Prozent der gesamten Komponentenkosten eines Smartphones aus. Zuvor sollen es lediglich 10 bis 15 Prozent gewesen sein. Pro Gerät könnten dadurch Mehrkosten von umgerechnet rund 45 Euro entstehen. Besonders Hersteller günstiger Smartphones müssen deshalb nach Alternativen suchen.
Eine Lösung ist offenbar das Recycling alter Speicherbausteine. Counterpoint Research zufolge nutzen chinesische Hersteller verstärkt gebrauchte Chips. Selbst DDR4-Speicher aus ausrangierten US-Rechenzentren soll wiederverwendet werden. Ein wichtiges Zentrum dafür ist Huaqiangbei in Shenzhen. Dort werden Chips von alten oder defekten Platinen entfernt, gereinigt und getestet.
Anschließend können die Bauteile auf neue Platinen gelötet werden. Einige Hersteller sollen dadurch ihre zuvor reduzierten Produktionsziele wieder angehoben haben. Allerdings altern auch Chips. Nach jahrelangem Einsatz kann ihre Zuverlässigkeit sinken. Damit wächst das Risiko für Speicherfehler, Systemabstürze und andere Fehlfunktionen. Einige der recycelten Chips sollen bereits fünf bis sechs Jahre gelaufen sein.
Was Käufer jetzt beachten sollten
Nach bisherigen Erkenntnissen betrifft die Entwicklung vor allem günstige Einstiegsgeräte, nicht jedoch hochpreisige Topmodelle. Welche Smartphone-Marken konkret Recycling-RAM verwenden, ist bislang offen. Xiaomi, Huawei, Honor, Oppo oder Vivo werden in den vorliegenden Berichten nicht ausdrücklich als Nutzer solcher Komponenten genannt.
Eine weitere offene Frage ist, ob Hersteller ihre Kunden über gebrauchte Chips informieren. Counterpoint zufolge könnten fünf bis sechs Jahre alte Speicherbausteine zwar noch einmal ähnlich lange funktionieren, allerdings mit einer höheren Fehlerrate. Gerade bei sehr günstigen China-Importen kann daher ein geprüftes Refurbished-Gerät von einem seriösen Händler eine Alternative sein. Solange die Speicherbranche einen Schwerpunkt auf lukrative KI-Hardware legt, dürfte der Druck auf den Smartphone-Markt bestehen bleiben.
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