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Gigant aus China

Was Sie über den Smartphone-Hersteller Xiaomi wissen sollten

Xiaomi-Zentrale
Xiaomi startete im August 2019 offiziell in DeutschlandFoto: Getty Images

Xiaomi erfreut sich hierzulande bereits seit Längerem großer Beliebtheit aufgrund fairer Preise und guter Hardware. Seit August 2019 ist das Unternehmen in Deutschland vertreten. TECHBOOK erklärt, worauf Verbraucher bei Xiaomi achten sollten.

Xiaomi spielt ganz vorne mit

Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und hat 2011 sein erstes Smartphone vorgestellt. Seitdem hat Xiaomi sein Portfolio erfolgreich ausgebaut. Der Hersteller bietet nicht nur Smartphones, sondern auch allerlei andere Technik wie Fernseher, Laptops und Wearables an.

Marktanteil Smartphones

Im Jahr 2019 schaffte es Xiaomi im Heimatland China zeitweise zur Marktführerschaft. Weltweit zählt Xiaomi laut Statista mit Apple und Samsung zu den Top 3 (sofern BKK, zu dem Oppo, Vivo und OnePlus gehören, nicht als einzelner Hersteller gezählt wird). Je nach Quartal und vor allem auch im Fall von Apple, der Veröffentlichung eines neuen iPhones, tauscht man hier die Plätze. Zu Xiaomis Smartphone-Marken gehörten einst Mi und Redmi. Mi war der Name für Xiaomis High-End-Smartphones, während Redmi kostengünstige Einsteiger- und Mittelklasse-Geräte umfasst. Mi schaffte man ersatzlos ab, so dass neue Flaggschiffmodelle nur noch „Xiaomi 12“ heißen. Die Bezeichnung Redmi ist aber noch in Gebrauch.

Marktanteil Wearables

Bei Wearables ist das Unternehmen mit relativ großem Abstand hinter Apple (Apple Watch) auf Platz 2. Gefolgt von Samsung und Huawei. Besonders großen Erfolg feiert das Unternehmen mit den vergleichsweise günstigen Fitnesstrackern, den Mi-Bands.

Portfolio von Xiaomi

Zum Portfolio von Xiaomi gehören neben Smartphones auch zahlreiche andere Geräte, Gadgets und Software, darunter Apps, Laptops, Kopfhörer, Fitness-Armbänder, TVs, Smart-Home- sowie IoT-Produkte (Internet of Things), aber auch Rasierer, Taschen und Schuhe. In den „Fortune Global 500“ für 2021, einer Liste der Unternehmen mit den höchsten Erlösen weltweit rangiert Xiaomi auf Platz 338. In 2019 war man noch auf Platz 468. Den Börsengang hat der Konzern im Juli 2018 an der Börse von Hongkong vollzogen. Gegenüber TECHBOOK bezeichnete sich Xiaomi selbst als „ein offenes, transparentes, börsennotiertes, unabhängig geführtes und betriebenes Unternehmen, das an der HKEx notiert ist.“ Bei der HKEx handelt es sich um das Holdingunternehmen der Hongkonger Aktienbörse.

Global aufgestellt

Mittlerweile ist das Unternehmen in mehr als 80 Ländern weltweit aktiv. Auf Nachfrage von TECHBOOK teilte Xiaomi mit, dass es in fast allen Schlüsselmärkten Europas vertreten sei, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich. Die Smartphones werden online, im Geschäft und auch bei Telekommunikationsanbietern vertrieben. Seit August 2019 sind die offiziell Geräte auch auf Amazon.de, bei Media Markt, Saturn und in den Shops von Anbietern wie O2 zu finden.

Was bedeutet „Xiaomi“ und wie spricht man es aus?

Der Name „Xiaomi“ bedeutet wörtlich übersetzt Hirse und steht für den kleinen Anfang des Unternehmens und das Auge für Details. Laut Lei Jun, Gründer und CEO von Xiaomi, steht Hirse mit einer buddhistischen Weisheit in Zusammenhang, wonach sinngemäß ein kleines Korn so bedeutsam wie ein Berg sein könne. Auch die Markenbezeichnung „Mi“ hat eine Bedeutung: Die Abkürzung steht für „Mobile Internet“. Xiaomi selbst sagt aber auch, dass es zusätzlich „Mission Impossible“ bedeute, angeblich aufgrund der schwierigen Anfangszeit des Unternehmens.

Bei der Aussprache von Xiaomi wollen wir uns nicht in Erklärungen verlieren. Stattdessen hören Sie sich einfach den Clip an. Vor allem die Betonung auf die letzte Silbe findet in Deutschland meist nicht statt.

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Lesen Sie auch: Kennen Sie schon den Handy-Hersteller Oppo?

Das sind die wichtigsten Xiaomi-Smartphones 2022

Zu Xiaomis wichtigsten Smartphones gehört vor allem die 12er Serie, bestehend aus dem Xiaomi 12, 12X und 12 Pro. Alle drei Modelle haben wir in einem ausführlichen Artikel miteinander verglichen:

Xiaomi 12 ist da und setzt die Smartphone-Konkurrenz unter Druck 

Günstiger als die genannten Smartphones ist die Redmi-Reihe, die 2022 beispielsweise mit dem Redmi Note 11 Zuwachs bekommen hat. Auch hier erhalten Sie weitere Informationen im Artikel.

Ist Datenschutz ein Problem?

Auf Android-Smartphones von Xiaomi läuft die eigene Benutzeroberfläche MIUI, die seit 2010 entwickelt wird und an der es auch schon größere Kritik gab. 2014 wurde darüber berichtet, dass Xiaomi Nutzerdaten, Protokolle und Kontaktinformationen über seinen Cloud-Messaging-Dienst an seine Server in China geschickt hat. Mit einem Update gab das Unternehmen den Nutzern die Option, den Service auszustellen, wodurch auch die Datenweitergabe unterbunden wurde. 2016 wurde zudem publik, dass Xiaomi-Smartphones nicht nur persönliche Daten nach China senden, sondern auch eine Hintertür haben, die es dem Unternehmen erlaubt, ohne Erlaubnis des Nutzers Apps auf dem Smartphone zu installieren.

Laut eigenen Aussagen „legen Xiaomi-Geräte Dateien für interne Einstellungen und einige Anwendungen an, sammeln aber keine persönlichen Nutzerdaten“. Auf TECHBOOK-Nachfrage versicherte uns Xiaomi, dass Daten, die von Nutzern in der EU erhoben werden auch in der EU verbleiben. Diese Strategie verfolge das Unternehmen schon, bevor es die DSGVO gab. Je nach Standort werden die Daten von den Cloud-Servern von Amazon, Microsoft und Alibaba Cloud verarbeitet.

Um die Aussage zu festigen, verweist Xiaomi auf eine Prüfung seiner Smartphones beim BSI, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Deutschland. Sie wurde Mitte Januar 2022 abgeschlossen. Dem Bericht zufolge fand die Behörde keinerlei Anomalien bezüglich der Sicherheit, die weitere Untersuchungen oder andere Maßnahmen erfordern würden. Insbesondere konnte das BSI keine im ursprünglichen Bericht beschriebene Weitergabe von Filterlisten feststellen. Als Antwort darauf sagte ein Xiaomi-Sprecher: „Unsere Kunden haben oberste Priorität. Es hat sich gezeigt, dass wir alle EU- und nationalen Datenschutz- und Sicherheitsgesetze sowie alle geltenden EU-Standards für Geräte einhalten. Wir begrüßen den Austausch mit Nutzern, Regulierungsbehörden und anderen Interessengruppen wie dem BSI, da wir uns zu ständiger Verbesserung und Innovation verpflichten.“

Wie sieht es mit der Garantie aus?

Geräte, die man seit August 2019 in Deutschland gekauft hat, haben After-Sales-Services und Garantie durch Xiaomi, wie uns das Unternehmen mitteilte. Die After-Sales-Services werden in Partnerschaft mit Drittanbietern wie Ingram Micro angeboten. Wer woanders kauft, muss Dienstleistungen wie Reparaturen vom jeweiligen Händler durchführen lassen. Geräte, die in der EU gekauft werden, würden laut dem Xiaomi-Sprecher nicht nach China zur Reparatur geschickt, sondern vor Ort bearbeitet.

Xiaomi gibt keine internationale Garantie und keine Garantie auf physische und Wasserschäden. Auch für Geräte, die Kunden nicht über das Unternehmen direkt, sondern über andere Seiten und Händler gekauft haben, bietet das Unternehmen keine Garantie an.

Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas?

Das Unternehmen wurde von Lei Jun gegründet, der heute auch CEO ist. Mit einem Vermögen von circa 12 Milliarden US-Dollar ist Lei Jun einer der reichsten Männer Chinas. 2014 hat Forbes ihn zum Businessman des Jahres gewählt. Seit 2013 ist Lei Jun jedoch auch Abgeordneter des chinesischen Nationalen Volkskongresses. Damals noch als angeblich parteilos. Ob er mittlerweile Mitglied der Kommunistischen Partei (KP) ist, ist unklar – es ist aber wahrscheinlich. Dafür spricht zum Beispiel dass er 2019 als „Herausragender Erbauer des Sozialismus chinesischer Prägung“ vom chinesischen Regime anerkannt wurde.

Außerdem haben die meisten großen chinesischen Unternehmen Verbindungen zur KP. Dazu werden in den Unternehmen oft Komitees aus Mitgliedern der Partei eingerichtet, um deren Einfluss zu gewährleisten. Chinesische Unternehmen sind aufgrund ihrer Beziehung zur KP in vielen Ländern zurecht unter besonderer Beobachtung. Die KP ist eine Einheitspartei und führt das Land autoritär, Oppositionsparteien werden unterdrückt und haben keinerlei Machtteilhabe. Zu den zahlreichen Gräueltaten, für die die Kommunistische Partei verantwortlich ist, gehören Massaker an friedlichen Protestierenden, Todesstrafe gegen Minderjährige und Folter.

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