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Schluss mit Account-Sharing bei Netflix?

Nutzern von Netflix werden Serien und Filme vorgeschlagen, die dem Nutzer gefallen könnten. Nicht immer trifft diese Auswahl aber den Geschmack.
Nutzern von Netflix werden Serien und Filme vorgeschlagen, die dem Nutzer gefallen könnten. Nicht immer trifft diese Auswahl aber den Geschmack.
Foto: Getty Images

Der Streaming-Provider macht die Rolle rückwärts und arbeitet an Maßnahmen gegen Nutzer, die Login-Daten ihres Accounts unerlaubt mit Freunden oder Familie teilen.

Bislang wurde noch nicht genauer erläutert, was das in Konsequenz für die Benutzer bedeutet. Eine Folge könnte möglicherweise sein, dass Nutzern, die sie sich die Einwahl-Daten von jemandem „ausleihen“,  die Kosten für ein eigenes Konto in Rechnung gestellt werden.

Erlaubte Konto-Teilung

Grundsätzlich bietet Netflix einige Funktionen zur Kontoaufteilung an, die darauf abzielen, dass mehrere Personen denselben Login verwenden können. Dies ist sogar in den AGB des Unternehmens verankert.

Beim Basis-Abonnement können Serien und Filmen auf nur einem Endgerät abgerufen werden. Wohingegen beim Standard-Abo auf zwei Endgeräten gleichzeitig gestreamt werden kann. Besitzer des Premium-Abonnements kommen gar in den Genuss auf vier Geräten gleichzeitig gucken zu können.

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Nicht erlaubte Konto-Teilung

Netflix teilte vor längerem mit, dass einige der Nutzer diese Freizügigkeit missbrauchen und ihre Logins zwischen verschiedenen Haushalten teilen. Genauer gesagt scheint es weit mehr als nur eine Befürchtung seitens des Unternehmens zu sein. Unter Netflix-Kunden ist das Verhalten derart populär, es gehöre fast schon zum guten Ton. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des TV-Senders CNBC. Mehr als 35 Prozent der Befragten erklärten, regelmäßig ihren Netflix-Account zu teilen. Im Schnitt war es jeder Zehnte, der den Streamingdienst auf diese Weise nutzt, ohne dafür zu bezahlen.

Gedacht ist das Basis-Abo eigentlich für Single-Haushalte, während das Standard und das Premium-Abo für Familien, deren Mitglieder alle unter einem Dach leben, entworfen wurden. Doch verwenden viele Freunde oder Kollegen einen gemeinsamen Premium-Account, um die monatlichen Kosten zu senken. Dies ist Netflix natürlich ein Dorn im Auge.

Dem Anbieter sollen durch diese Handhabung monatliche Einnahmen von mehr als hundert Millionen Dollar entgehen. Eine weitere Konsequenz der Weitergabe der Account-Daten ist die Stagnation der Nutzerzahlen, was für das Unternehmen nicht weniger problematisch ist als die finanziellen Einbußen.

Im Fokus steht allerdings nicht nur die Weitergabe der Passwörter von Einzel-Accounts, auch Familien-Accounts sollen in Kürze nicht mehr von unterschiedlichen IP-Adressen aus benutzbar sein.

Netflix-Produktchef Greg Peters drohte bereits bei der Verkündung der Geschäftszahlen im dritten Quartal 2019 an, dass das Unternehmen der Weitergabe von Passwörtern zeitnah den Kampf ansagen wolle. Man verfolge das Geschehen genauestens, erklärte er und versprach: „Wir werden eine verbraucherfreundliche Lösung für dieses Problem finden.“ Offen ließ Peters dabei bis heute, wie das im Detail genau aussehen soll.

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„Love is sharing a password“

Im übrigen ist das Vorhaben des Unternehmens, dieses Schlupfloch so schnell es geht zu schliessen, überaus pikant. Immerhin hatte Netflix selbst die Geister gerufen, welche sie jetzt nicht mehr los werden. Noch vor zwei Jahren propagierte das Streaming-Portal die eigene Generosität und schickte einen Tweet mit der Botschaft „Love is sharing a password“ um die Welt. Schon damals reagierten die User irritiert und fragten, ob dies nicht illegal sei. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Büchse der Pandora geöffnet.

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Analyse-Methoden

Bislang ist nicht bekannt, mit welcher Methode künftig überprüft werden soll, ob die Nutzer tatsächlich zusammen wohnen. Dabei gibt es verschiedene Herangehensweisen. Der Musik-Streamingdienst Spotify etwa versucht mittels Stichproben (Einsendung von Dokumenten/Adressnachweisen) sicherzustellen, dass sämtliche Nutzer eines Family-Pakets auch unter derselben Adresse gemeldet sind. Die Ankündigung des schwedischen Musik-Portals, den Standort der Nutzerinnen und Nutzer stichprobenartig per Google Maps zu überprüfen, verlief aus Gründen des Datenschutzes im Sand.

Künstliche Intelligenz für die Überprüfung?

Daher könnte auch eine künstliche Intelligenz helfen, die schwarzen Schafen auf frischer Tat zu ertappen. In den USA stellte die Firma Synamedia bereits Anfang vergangenen Jahres eine Software vor, welche dabei helfen soll, nichtzahlende Nutzer zu identifizieren. Für die Auswertung nützt das Tool Nutzungsdaten wie Anmeldedaten, Ort und Uhrzeit.

Diese Art von Software könnte abgesehen von diesem Einsatzzweck auch dafür genutzt werden, um Benutzer zu zwingen, auf einen Premium-Service umzusteigen oder ihr Netflix-Konto zu schließen.

Experten für Datensicherheit schlagen bereits Alarm: „Sie überwachen dies bereits, indem sie das Aktivieren eines dritten Bildschirms blockieren, wenn bereits zwei andere Monitore zeitgleich in Betrieb sind“, rät Michael Pachter, IT-Experte bei Wedbush Securities. „Das führt zu Problemen, wenn sich die Nutzer in verschiedenen Zeitzonen befinden. So wie es bei vielen Haushalten mit Kindern im College der Fall ist.“