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Nachgefragt bei Amazon Video, Sky und Co.

Wie entscheiden Streaming-Anbieter, welche Filme und Serien sie zeigen?

Streaming Anbieter Angebot: Fernseher mit Streaming-Logos
Wer sich für einen Streaming-Anbieter entscheidet, guckt in erster Linie auf die Inhalte.Foto: Getty Images, Sky, Amazon Prime Video, RTL+, Joyn / Montage: TECHBOOK

Immer mehr Deutsche streamen lieber online als dass sie klassisches lineares TV gucken. Dabei ist die Auswahl bei den einzelnen Diensten das entscheidende Argument für oder gegen ihn. Doch wie bestimmen die Streaming-Anbieter eigentlich, welche Inhalte in ihrer Mediathek zu sehen sind?

Streaming löst das herkömmliche lineare Fernsehen zusehends ab. Gerade während der Corona-Pandemie wurde so viel gestreamt wie noch nie – aber auch davor war die Streaming-Konkurrenz bereits hart. Es gibt immer mehr namhafte Anbieter auf dem Markt. In Zeiten also, in denen das Gesamtpaket stimmen muss und in denen es nicht mehr ausreicht, einfach möglichst viele Inhalte zu bieten, wird zunehmend wichtiger, was für Inhalte Abonnenten eigentlich geboten werden.

Wer streamt was, gibt es das auch noch bei einer anderen Plattform zu sehen, welchen Film und welche Serie muss man unbedingt gesehen haben? TECHBOOK hat bei den Streaming-Anbietern nachgefragt, nach welchen Kriterien sie ihr Angebot zusammenstellen und was ihnen dabei besonders wichtig ist. Amazon Prime Video, Joyn, RTL+ und Sky WOW haben geantwortet.

Streaming-Anbieter setzen zunehmend auf Originals

Die meisten Streaming-Dienste setzen inzwischen auf drei Säulen: Eigenproduktionen – sogenannte Originals –, exklusive eingekaufte Titel und nicht-exklusive eingekaufte Titel. Dabei wird die Säule der Originals immer wichtiger, da dieser originäre Content dauerhaft exklusiv beim entsprechenden Anbieter zu sehen und in hohem Maße markenbildend ist. Die Prozesse zur Gestaltung dieser drei Säulen sind bei allen Diensten recht ähnlich.

Joyn und RTL+ arbeiten dafür eng mit den Verantwortlichen für das Fernsehprogramm zusammen, da die Inhalte dann meistens auch im linearen Fernsehen bei den Sendern der eigenen Gruppe laufen. Für die Akquise von Lizenzen kooperiere man auch mit anderen Sendern. Dabei bestehe für die Streaming-Dienste deutlich weniger Druck als für die Programmgestaltung im TV. Über die Einschaltquoten im Fernsehen bestehe eine über Jahre aufgebaute Rivalität um die jeweiligen Zielgruppen; bei Joyn und RTL+ sei man diesbezüglich noch deutlich freier.

Das eröffne auch bei den Originals völlig neue, kreative Möglichkeiten. So könne man gerade die Gratis-Bereiche gezielt mit neuen, teilweise experimentellen Inhalten für eine jüngere Zielgruppe füllen und auch andere Medien wie die sozialen Netzwerke miteinbeziehen.

Marktspezifische Inhalte

Bei Sky und Amazon hingegen, die generell internationaler agieren, gibt es nationale Kreativ-Teams. Den Streaming-Anbietern sei es dabei wichtig, für den deutschen Markt auch vermehrt deutsche Formate zu entwickeln. Diese Entwicklung konnten wir in den vergangenen Jahren bereits mit Serien wie „Dark“ bei Netflix oder „Das Boot“ bei Sky beobachten. Dabei würden höchste Qualitätsansprüche gelten; die deutschen Produktionen sollen den großen amerikanischen in nichts nachstehen.

Vor allem Sky und auch Amazon gaben außerdem Sport, sowohl live als auch in der Mediathek, als weiteren wichtigen Pfeiler an. Dass auch Joyn und RTL+ inzwischen einzelne Sport-Events zeigen, beweist das Interesse an dieser Herangehensweise. Auch hier wird genau auf die Nachfrage des Marktes und der Zielgruppen geschaut, sodass in Deutschland etwa besonders viel Fußball, der Volkssport Nummer 1, läuft.

Die Zielgruppe ist König

Alle von TECHBOOK befragten Streaming-Dienste betonten, dass das Feedback der Kunden bei der Auswahl neuer Serien und Filme fürs Programm sehr ernst genommen werde. Dabei gibt es ganz verschiedene Systeme. Bei Amazon etwa entscheide die konkrete Sterne-Bewertung der Nutzer, ob eine Serie fortgesetzt wird oder nicht. Andere Dienste bieten zwar kein vergleichbares Bewertungssystem, Joyn beispielsweise etabliert aber gerade interaktive Formate wie „Knossis Kingdom“. In dieser Game-Show können die Zuschauer durch Abstimmungen Einfluss auf die Show-Gestaltung nehmen.

Generell fokussieren sich die Streaming-Anbieter deutlich auf eine eher jüngere Zielgruppe. Das liegt in der Natur des Mediums, nutzen doch vor allem 14- bis 34-Jährige die Angebote von Video-Streaming-Diensten. Junge Zuschauer können so außerdem direkt einen Markenbezug aufbauen.

Serien werden höher gewichtet als Filme

Dem Medium und auch der jüngeren Zielgruppe entsprechend geht dann auch die generelle Gewichtung der Streaming-Anbieter bei der Programmauswahl mehr Richtung Serie. Diese haben eine längere Halbwertszeit als Filme und sind in der Produktion einzelner Folgen meist weniger aufwändig als ein Film. Außerdem dauert dieser im Schnitt zwei Stunden, eine Serie läuft hingegen auch bei nur einer Staffel deutlich länger. Nutzer kommen häufiger zum Streaming-Dienst zurück, um die einzelnen Folgen einer Staffel zu sehen. Bei den als am wichtigsten genannten Originals setzen dementsprechend alle befragten Streaming-Anbieter deutlich auf serielle Erzählungen.

So hat etwa Amazon Prime Video 2013 mit der Produktion eigener Serien begonnen, aber erst 2015 folgte der erste Film. Das erste deutsche Film-Original „One Night Off“ erschien sogar erst im vergangenen Jahr. Ähnlich sieht es auch bei den anderen aus. Joyn setzte bei seinen Originals bisher ausschließlich auf Serien, Shows und mehrteilige Dokumentationen. Bei RTL+ steht einer 2021 erschienen Doku-Fiction ein deutlich größeres Angebot an Serien wie zuletzt etwa „Sisi“ oder „Der König von Palma“ gegenüber. Und auch bei Sky ist die Liste der selbstproduzierten Serien deutlich länger als die der Filme.

Bekommen wir mehr gebündelte Streaming-Angebote?

Neuere Umfragen wie etwa vom Marktforschungsinstitut Nielsen zeichnen alle ein deutliches Bild. Bei aller positiven Entwicklung auf dem Streaming-Markt fühlen sich Nutzer zunehmend vom wachsenden Angebot verschiedener Streaming-Dienste überfordert. Daraus resultiert der Wunsch auf gebündelte Angebote, bei denen man mehrere Dienste nutzen kann.

Darauf reagieren die Streaming-Anbieter zusehends. Sky etwa bietet inzwischen unter anderem ein Bundle mit Netflix an. Diese Richtung könnten zukünftig auch weitere Dienste einschlagen.

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