20. Juli 2026, 17:40 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Künstliche Intelligenz gehört inzwischen für viele Unternehmen zum Arbeitsalltag. Mitarbeitende erstellen Texte, analysieren Daten oder automatisieren Prozesse mithilfe von KI-Systemen. Dabei geben sie den Anwendungen häufig interne Informationen, geschäftliche Abläufe oder andere Unternehmensdaten preis. Genau darin sieht Microsoft-Chef Satya Nadella ein Problem.
In einem aktuellen Blogbeitrag warnt er davor, dass Unternehmen durch die intensive Nutzung von KI-Systemen nicht nur für deren Einsatz bezahlen, sondern gleichzeitig wertvolles Wissen an deren Anbieter weitergeben könnten.
KI lernt aus der täglichen Nutzung
Nach Ansicht von Nadella entsteht die eigentliche Gefahr nicht allein durch die Verwendung von KI, sondern durch die Daten, die dabei kontinuierlich in die Systeme einfließen. Je häufiger Unternehmen mit einem Modell arbeiten, desto mehr Wissen wird laut ihm in die jeweilige KI eingebracht.
Dabei spielen nicht nur die Eingaben der Nutzerinnen und Nutzer eine Rolle. Auch Korrekturen sowie Rückmeldungen tragen dazu bei, dass die Systeme dazulernen. Nadella beschreibt diesen Zusammenhang so: „Modelle lernen aus ‚Abfallprodukten‘ – den Prompts, die Menschen verfassen, den Werkzeugen, die Agenten nutzen, und vor allem den Korrekturen, die Menschen vornehmen, wenn das Modell falsch liegt. Jede Korrektur fließt in das institutionelle Know-how ein.“
Damit würden Unternehmen Informationen preisgeben, die sich für Wettbewerber nur schwer auf anderem Weg beschaffen ließen. Kritisch bewertet Nadella insbesondere Vertragsbedingungen, die es Anbietern erlauben, aus Nutzungsdaten und Interaktionen zu lernen.
Mehr Kontrolle über Daten und Systeme
Aus diesem Grund fordert der Microsoft-Chef einen anderen Umgang mit KI-Anwendungen. Unternehmen sollten nach seiner Ansicht die Kontrolle über ihre Daten behalten und sich nicht dauerhaft von einem einzelnen Anbieter abhängig machen.
Als möglichen Ansatz nennt Nadella sogenannte Orchestrierungsebenen. Diese sollen es ermöglichen, flexibel zwischen verschiedenen KI-Modellen zu wechseln. Dadurch ließe sich vermeiden, dass Unternehmen langfristig an eine einzelne Plattform gebunden bleiben.
Darüber hinaus spricht sich Nadella für eigene Lernumgebungen in der Cloud aus. Dort könnten Firmen ihre Daten, Eingaben und Rückmeldungen selbst verwalten und kontrollieren. Sein Ziel ist eine stärkere Datenhoheit der Unternehmen.
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Offene Modelle werden für Firmen interessanter
Dass viele Unternehmen inzwischen nach Alternativen zu proprietären KI-Modellen suchen, berichtet auch Solo.io. Das US-Unternehmen entwickelt Netzwerk- und Sicherheitssoftware für das Management von KI-Systemen in Unternehmen.
Laut Gründerin und CEO Idit Levine interessieren sich viele Kunden nach ersten Erfahrungen mit proprietären Modellen verstärkt für andere Lösungen. Statt externe KI-Dienste zu verwenden, setzen sie demnach zunehmend auf offene Modelle, die lokal betrieben werden können. Dadurch behalten Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten und können gleichzeitig Kosten reduzieren.
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Nach Angaben des Unternehmens steigt die Nachfrage nach solchen Modellen. Für viele Firmen wird die Kontrolle über eigene Daten zunehmend ebenso wichtig wie die Leistungsfähigkeit der eingesetzten KI.
Nadellas Appell erhält besonderes Gewicht
Besonders bemerkenswert erscheint Nadellas Warnung vor dem Hintergrund von Microsofts Investitionen. Das Unternehmen hat Milliarden sowohl in OpenAI als auch in Anthropic investiert. Trotzdem fordert der Konzernchef Unternehmen dazu auf, Daten und Wissen nicht leichtfertig aus der Hand zu geben.
Seine zentrale Botschaft fasst Nadella selbst in zwei Sätzen zusammen: „Indem Sie Intelligenz nutzen, erschaffen Sie Intelligenz. Und das, was Sie erschaffen, sollte Ihnen gehören.“