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Geleakte Dokumente zeigen

Neue Microsoft-KI soll Nutzer süchtig machen

Smartphone mit Dem Microsoft Scout-Logo und Schriftzug.
Geleakte Unterlagen zu Microsoft Scout werfen Fragen zu Vermarktung, Datenschutz und Unternehmensstrategie auf Foto: Getty Images
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Mats Pache

11. Juni 2026, 17:33 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Microsoft hat auf seiner Entwicklerkonferenz Build Anfang Juni 2026 mit Scout einen neuen KI-Assistenten vorgestellt. Das Werkzeug soll direkt in Microsoft 365 eingebunden werden und verschiedene Büroaufgaben selbstständig erledigen. Noch vor dem geplanten Marktstart sorgt das Projekt jedoch für Diskussionen. Hintergrund sind geleakte interne Dokumente, die Einblicke in die Strategie rund um das neue KI-Produkt geben.

Scout wird intern bereits intensiv genutzt

Laut einem Bericht des Online-Magazins „404Media“ entsteht Scout unter der Leitung von Omar Shahine, Corporate Vice President von Scout bei Microsoft. Das Unternehmen testet die Software seit März 2026 intern. Mehr als 1000 Mitarbeiter sollen den Assistenten täglich verwenden. Zu den Nutzern gehört demnach auch Microsoft-Chef Satya Nadella.

Den Unterlagen zufolge stößt Scout innerhalb des Konzerns auf großes Interesse und verbreitet sich intern weitgehend ohne zusätzliche Werbemaßnahmen.

Umstrittene Strategie und Datenschutzfragen

Besonders kritisch wird ein Abschnitt aus den geleakten Dokumenten bewertet. Dort trägt die erste von insgesamt drei Phasen zur Einführung des Produkts die Überschrift „Make people addicted“. Übersetzt bedeutet das „Menschen süchtig machen“.

Die Formulierung hat intern offenbar für Unmut gesorgt. Mehrere Mitarbeiter äußerten laut 404Media Bedenken gegen ein solches Ziel. Ihrer Ansicht nach dürfe Abhängigkeit kein Bestandteil der Produktentwicklung sein. Kritiker vergleichen die beschriebenen Mechanismen mit Methoden sozialer Netzwerke, die Nutzer möglichst lange an ihre Plattformen binden sollen.

Für Aufgaben wie Spesenabrechnungen oder Flugbuchungen benötigt Scout weitreichende Zugriffe auf sensible Informationen. Den geleakten Papieren zufolge werden Sicherheits- und Compliance-Fragen jedoch nicht vorrangig behandelt. Gerade dieser Punkt könnte für zusätzliche Kritik sorgen. Schließlich soll das System tief in Arbeitsabläufe eingebunden werden und eigenständig handeln können.

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Microsoft-Chef geht auf Distanz

Wie das Online-Magazin „The Information“ berichtet, reagierte Satya Nadella inzwischen auf die Berichterstattung. In einer internen Mitteilung erklärte der Microsoft-Chef, er wisse weder, um welches Dokument es sich handle, noch wer „diesen Unsinn“ verfasst und weitergegeben habe. Microsoft verfolge nach seinen Angaben das Gegenteil der beschriebenen Strategie. Ziel sei es, Menschen und Unternehmen mit KI zu unterstützen. Nadella schlug dem Verfasser des Strategiepapiers sowie dem Leaker sogar einen Arbeitgeberwechsel vor.

404Media hält die öffentliche Überraschung innerhalb des Unternehmens jedoch für fraglich. Das betreffende Dokument stammt dem Bericht zufolge von hochrangigen Microsoft-Managern. Verfasst wurde es von Omar Shahine und Manager Jakob Werner gemeinsam mit einem KI-Tool. Laut dem Papier wurde jedoch jeder einzelne Satz von Menschen überprüft.

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Hinzu kommt, dass Microsoft Scout auf der Build-Konferenz prominent präsentiert wurde. Deshalb erscheint es nach Ansicht der Kritiker unwahrscheinlich, dass Inhalte einer Markteinführungsstrategie ohne Kenntnis weiterer Entscheidungsträger entstanden sind.

Droht Scout ein ähnlicher Verlauf wie Recall?

Eine öffentliche Stellungnahme von Microsoft zu den Leaks gibt es bislang nicht. Dennoch könnte der Vorfall die Einführung von Scout erschweren. Bereits das KI-Projekt Recall hatte nach seiner Vorstellung auf der Build-Konferenz 2024 mit Kritik zu kämpfen.

Damals standen vor allem Datenschutzbedenken im Mittelpunkt. Microsoft musste das Produkt vor der Einführung auf Copilot+-Geräten mehrfach überarbeiten. Auch Behörden beschäftigten sich mit dem Werkzeug. Heute gilt Recall als gescheitert.

Mit Scout könnte Microsoft nun erneut vor einer schwierigen Situation stehen. Das Tool soll tief in die Arbeitsabläufe seiner Nutzer eingreifen und sieht sich nun zusätzlich mit Kritik an den geleakten Strategiepapieren konfrontiert.

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