Warum Myspace plötzlich wieder relevant werden könnte
Kommt das Social-Media-Urgestein MySpace zurück? Foto: Getty Images
Artikel teilen
Mats Pache
3. August 2026, 8:13 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Lange galt Myspace als Relikt aus den Anfangstagen sozialer Netzwerke. Doch ausgerechnet jetzt, in einer Zeit, in der viele Nutzer von Algorithmen, endlosen Feeds und KI-generierten Inhalten genervt sind, könnte die Kultplattform vor einer Rückkehr stehen. Die Verantwortlichen hinter der Marke schließen einen Neustart von Myspace.com jedenfalls nicht aus.
Nostalgie trifft Social-Media-Müdigkeit
Wer in den frühen 2000er-Jahren online war, erinnert sich vermutlich noch an Myspace. Die Plattform gehörte einst zu den größten sozialen Netzwerken der Welt und bot Nutzern viele Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung ihrer Profile. Für viele Millennials steht Myspace bis heute für eine Zeit, in der soziale Netzwerke weniger von Algorithmen und Reichweitenlogik geprägt waren.
Diese nostalgische Wahrnehmung könnte der Marke nun zugutekommen. Denn die Unzufriedenheit mit modernen Social-Media-Plattformen wächst. Begriffe wie Doomscrolling, Content-Flut und digitale Erschöpfung prägen inzwischen die Diskussion rund um Facebook, Instagram und TikTok.
Gründer kritisiert heutige Plattformen
In einem Interview zu einer kommenden Dokumentation über Myspace äußerte sich Mitgründer Aber Whitcomb kritisch über die Entwicklung sozialer Netzwerke. Plattformen wie Facebook seien zunehmend darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange zu beschäftigen, ohne dabei zwingend einen Mehrwert zu bieten.
Auch die aktuellen Eigentümer Tim und Chris Vanderhook sehen offenbar weiter Potenzial in der Marke. Sie erklärten, dass ein Neustart von Myspace.com grundsätzlich geplant sei. Man warte lediglich auf den richtigen Zeitpunkt für eine Rückkehr.
Kommt Myspace als entschleunigte Alternative?
Gerade der aktuelle Zustand sozialer Medien könnte für ein Comeback sprechen. Viele Nutzer wünschen sich wieder übersichtlichere Plattformen mit weniger algorithmischer Beeinflussung und stärkerem Fokus auf Community-Inhalte.
Ob Myspace genau diese Lücke füllen könnte, bleibt allerdings offen. Die Verantwortlichen nannten bislang keine konkreten Details dazu, wie ein neues Myspace aussehen würde. Denkbar wäre ein Konzept, das bewusst auf Entschleunigung und Nutzerkontrolle setzt.
Die Vergangenheit spricht gegen zu große Erwartungen
Gleichzeitig gibt es gute Gründe für Skepsis. Seit dem Ende seiner Hochphase zwischen 2005 und 2009 hat Myspace mehrere Neuanläufe unternommen. Nach der Übernahme durch die Vanderhooks und mit Unterstützung von Justin Timberlake sollte die Plattform stärker auf Musik und Künstler ausgerichtet werden.
Der große Erfolg blieb jedoch aus. Hackerangriffe, Eigentümerwechsel und umfangreiche Umstrukturierungen belasteten das Projekt zusätzlich. Seit 2024 spielt Myspace im Social-Media-Markt praktisch keine Rolle mehr.
Nach eigenen Angaben investierten die Eigentümer rund 150 Millionen US-Dollar in verschiedene Versuche, die Marke neu zu positionieren. Ob ein weiterer Neustart gelingt, ist deshalb vollkommen offen.
Für viele jüngere Nutzer ist Myspace heute kaum mehr als eine historische Randnotiz des Internets. Wenn die Marke noch einmal relevant werden möchte, könnte der größte Erfolgsfaktor ausgerechnet in ihrer Vergangenheit liegen. Denn die Idee eines weniger hektischen sozialen Netzwerks wirkt heute aktueller als noch vor einigen Jahren.
Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen.
Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den
Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit
Tracking und Cookies entscheiden.
Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige
Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an
datenschutz@axelspringer.de.