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Cat Content

Warum funktionieren Katzenvideos auf Social Media so gut?

Katze schaut auf ein Smartphone
Cat Content ist bei Social Media besonders erfolgreich Foto: Getty Images
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Lars Lubienetzki
Freier Redakteur

12. April 2026, 17:15 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Auf Social Media finden Tiere ein Zuhause. Zumindest bildermäßig gleichen soziale Medien einem großen Zoo. Der absolute Liebling unter den geposteten Tieren ist die Katze. Cat Content lässt Menschen beim Betrachten innerlich miauen. Warum ausgerechnet Katzen im Netz so beliebt sind, versucht eine Ausstellung in Hamburg zu ergründen. TECHBOOK hat sich bei den Machern einmal umgehört.

Das Museum am Rothenbaum (MARKK) in Hamburg fungiert noch bis Ende November 2026 als Anlaufstation für alle Katzenfans. In der Ausstellung „Katzen!“ dreht sich nämlich alles um das absolute Lieblingstier im Internet.

Auf Social Media werden jeden Tag unzählige Katzenbilder gepostet, also Cat Content. Und nicht nur das. Grumpy Cat, Nala Cat, Lil Bub oder Smoothie the Cat haben sogar Millionen Follower auf TikTok, Instagram oder YouTube, selbst über ihren Tod hinaus.

Die Kuratorin der Ausstellung und Kulturwissenschaftlerin Lotte Warnsholdt wundert das nicht: „Katzen entsprechen dem sogenannten Kindchenschema. Dadurch lösen sie beim Betrachten Fürsorgeinstinkte im Menschen aus. Oder anders ausgedrückt: Sie werden als besonders niedlich empfunden.“

Katzen waren schon immer beliebt

Der Siegeszug von Cat Content beginnt schon weit vor Social Media und sogar noch weiter vor dem Internet. Schon in den Anfängen der Fotografie im 19. Jahrhundert dienten Katzen als beliebte Motive. Ein Brite gilt sogar als eine Art Urvater der im Internet beliebten Meme-Kultur. „Als früher Vorläufer dieses Phänomens können die Carte-de-Visite-Aufnahmen des britischen Fotografen Henry Pointer gelten. Bereits in den 1860er-Jahren stellte er Katzen in vermenschlichten Posen dar und versah die Bilder mit humorvollen Texten“, erläutert die Kulturwissenschaftlerin.

Mehr Hintergründe über die Bilderserie „The Brighton Cats“ von Henry Pointer sowie die ersten Katzenvideos, „Boxing Cats“ von Henry Welton und „Falling Cat“ von Étienne-Jules Marey, erfahren die Besucher in der Hamburger Ausstellung.

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Mit dem Aufkommen des Internets sind es wiederum Katzen, die über lustige Memes das Netz ein bisschen niedlicher machen. In Deutschland sorgt der Katzentrend für eine Wortneuschöpfung: Cat Content. „Dabei handelt es sich um ein deutsches Kunstwort. Die Bezeichnung dient als Schlüsselbegriff für lustige Inhalte im Netz“, weiß Lotte Warnsholdt.

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Katzen als Spiegelbild menschlicher Gefühle

Doch Menschen benutzen Katzen nicht nur als putziges Motiv. Oft geht es bei den Darstellungen auch um andere, weniger positive Dinge. „In Europa gibt es beispielsweise eine lange Tradition der Katzenquälerei, die bis zur mittelalterlichen Hexen- und Katzenverfolgung zurückreicht“, berichtet die Kulturwissenschaftlerin.

Nach Ansicht von Lotte Warnsholdt zeigt sich das teilweise auch heute in Katzenvideos. „Sie bedienen mitunter Schadenfreude oder sogar leicht sadistische Impulse, etwa wenn Katzen vor Gurken erschrecken, die sie für gefährliche Schlangen halten, oder wenn ihnen Toastscheiben um den Kopf gelegt werden. So können eine Vielzahl von menschlichen Gefühlen und Affekte auf Katzen übertragen werden, von zärtlicher Zuneigung bis hin zu gemeiner Schadenfreude.“

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Liebe geht eben manchmal seltsame Wege. Doch was sagt die Liebe für Katzenbilder über uns Menschen aus? „Ich würde infrage stellen, ob es sich um Liebe oder doch eher um eine Faszination für Katzenbilder handelt“, meint Warnsholdt. „Es gibt eine Diskussion darüber, ob der so häufig aufgerufene ‚Cat Content‘ reiner Eskapismus ist, also eine Flucht vor der Realität, oder sogar in Richtung ‚brainrot‘ geht und es sich daher eher um inhaltsleeres digitales Material handelt, das auch aufgrund bestimmter Algorithmen so häufig konsumiert wird.“

Hunde chancenlos gegenüber Katzen

Vertiefend kann über dieses Thema vor Ort mit den Ausstellungsmachern diskutiert werden. Denn eine endgültige Antwort gibt es noch nicht. Auch nicht auf die Frage, warum es nicht Hunde gewesen sind, die das Netz mit niedlichen Bildern geflutet haben. Dabei gilt doch gerade Deutschland als besonders hundefreundlich.

Allerdings sind Katzen in Sachen Niedlichkeit haushoch überlegen. „Hunde sind im europäischen Kontext historisch betrachtet eher herrschaftliche Tiere und wurden in der Jagd eingesetzt. Das Verhältnis des Menschen zum Hund ist daher ein anderes“, liefert die Kulturwissenschaftlerin eine Erklärung, warum schnurrende Katzen beliebter sind als kläffende Hunde.

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Zudem umweht Katzen eine geheimnisvolle Aura. „Sie bleibt dem Menschen stets etwas unbekannt und damit rätselhafter. Diese Rätselhaftigkeit ist für den Menschen faszinierend und bietet viel Raum für Projektionen.“ Mag sich die digitale Welt und Social Media noch so ständig verändern, für Cat Content wird immer noch genügend Platz sein.

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