So umgehen Jugendliche in Australien das Social-Media-Verbot
Einer von fünf Teenagern in Australien umgeht die Sperre der Sozialen Netzwerke Foto: Getty Images
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Charlotte Ziesing
25. Juni 2026, 16:33 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Eigentlich sollte Schluss sein mit Instagram, TikTok und Co. für alle unter 16 Jahren. Australien hat Ende 2025 eines der weltweit strengsten Gesetze für soziale Netzwerke eingeführt. Plattformen müssen verhindern, dass Minderjährige Konten anlegen – andernfalls drohen ihnen hohe Geldstrafen. Doch nur wenige Monate später zeigt sich: Viele Jugendliche haben längst Wege gefunden, die Alterskontrollen auszutricksen. Manche Methoden sind dabei erstaunlich simpel, andere wirken fast schon absurd.
Der Klassiker ist gleichzeitig der einfachste Trick: Statt des echten Geburtstags wird bei der Anmeldung einfach ein anderes Jahr eingetragen. Wer sich plötzlich ein paar Jahre älter macht, kommt bei vielen Plattformen oft problemlos weiter. Wirklich überraschend ist das nicht – schließlich setzen manche Dienste nach wie vor auf die Selbstauskunft der Nutzer.
Wenn Make-up und falsche Bärte helfen
Spannender wird es dort, wo Plattformen das Alter per Gesichtserkennung oder KI schätzen lassen. Dafür müssen Nutzer ein Selfie aufnehmen, das anschließend analysiert wird. Doch auch diese Technik ist kein unüberwindbares Hindernis. Australische Jugendliche berichten, dass sie mit Make-up, falschen Bärten oder anderen Verkleidungen experimentieren, um älter zu wirken.
Laut der „Tagesschau“ zeigte ein Schüler dem australischen Fernsehsender ABC sogar, dass er die Altersprüfung mit einem Foto von Michael Jackson überlisten konnte. Das System akzeptierte das Bild offenbar als ausreichend erwachsenes Gesicht. Andere Minderjährige sollen laut Medienberichten Fotos ihrer Eltern oder älterer Geschwister verwendet haben, um die KI zu täuschen.
VPNs werden zwar ebenfalls genutzt, spielen laut aktuellen Untersuchungen bei der Umgehung der Alterskontrollen aber eine deutlich kleinere Rolle als falsche Altersangaben oder manipulierte Gesichtsscans.
Nicht jeder Trick funktioniert immer und nicht jede Plattform setzt dieselben Prüfverfahren ein. Genau das macht das Problem aber so groß. Während einige Anbieter mittlerweile strengere Kontrollen eingeführt haben, reichen bei anderen offenbar weiterhin vergleichsweise einfache Methoden aus.
Dass das Gesetz bislang nur begrenzte Wirkung zeigt, bestätigt auch eine aktuelle Studie der University of Newcastle. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass mehr als 80 Prozent der unter 16-Jährigen trotz des Verbots weiterhin soziale Netzwerke nutzen. Von einem deutlichen Rückgang könne bisher keine Rede sein.
Australien als Testlabor
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass das Gesetz gescheitert ist. Vielmehr zeigt sich ein grundsätzliches Problem digitaler Alterskontrollen: Solange Plattformen keine wirklich zuverlässige Möglichkeit haben, das Alter ihrer Nutzer festzustellen, bleiben viele Sperren angreifbar. Je kreativer die Kontrollen werden, desto kreativer werden auch die Jugendlichen.
Für Australien ist das besonders brisant. Das Land gilt als Versuchskaninchen für strengere Regeln im Internet. Viele Regierungen beobachten genau, ob das Modell funktioniert. Die ersten Monate liefern jedoch vor allem eine Erkenntnis: Jugendliche sind oft deutlich einfallsreicher, als Gesetzgeber und Tech-Konzerne erwartet haben.
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