Apple droht Millionenstrafe wegen getarnter Glücksspiel-Apps
Einige Apps für iOS beschäftigen jetzt die Gerichte Foto: Getty Images
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Przemyslaw Szymanski
5. August 2026, 15:55 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Eine Wetter-App, ein Tier als Icon oder ein scheinbar gewöhnliches Spiel. Hinter einigen Apps im Apple App Store soll in Brasilien jedoch etwas ganz anderes gesteckt haben. Kinderschutzorganisationen werfen Apple vor, Minderjährige nicht ausreichend vor Glücksspielangeboten geschützt zu haben. Jetzt fordert eine Klage mehr als 50 Millionen Euro Schadenersatz.
Im Fokus stehen Apps, die ihre eigentliche Funktion offenbar gezielt versteckten. Nutzer sahen zunächst harmlose Anwendungen. Tatsächlich konnten sich dahinter laut den Vorwürfen aber Casino- und Wettplattformen verbergen.
Alterskontrollen offenbar leicht zu umgehen
Besonders häufig wird die App „Casino Roulette: Roulettist“ genannt. Sie war zwar nur für Erwachsene freigegeben, ließ sich laut Klage aber ohne aufwendige Identitätsprüfung starten. Nach dem Einstieg konnten virtuelle Spielchips gekauft werden.
Für die Kläger zeigt der Fall ein grundsätzliches Problem. Sie fordern, dass Apple jede Glücksspiel-App unter iOS deutlich strenger kontrolliert und neue Angebote erst nach einer wirksamen Altersprüfung zulässt.
Die Apps verhielten sich je nach Land unterschiedlich
Für Aufsehen sorgt vor allem die Vorgehensweise der Entwickler. Eine Untersuchung von „9to5Mac“ fand 62 Anwendungen, die außerhalb Brasiliens unauffällig arbeiteten. Erst bei einer brasilianischen Internetverbindung sollen die versteckten Glücksspielfunktionen sichtbar geworden sein.
Dadurch konnten die Apps offenbar lange Zeit unentdeckt bleiben. Einige von ihnen hatten sogar eine Altersfreigabe für alle Nutzer. Das machte die Situation aus Sicht von Jugendschützern besonders problematisch.
Viele der verdächtigen Apps wirkten auf den ersten Blick nahezu identisch. Statt auffälliger Casino-Grafiken setzten die Entwickler oft auf Tiermotive oder andere neutrale Symbole. Auch die Entwicklerkonten fielen auf, weil dort häufig nur eine einzige Anwendung veröffentlicht wurde.
Zusätzlich tauchten Hinweise auf, dass KI beim Erstellen solcher Apps genutzt worden sein könnte. In einem öffentlichen GitHub-Verzeichnis fanden sich laut Recherche Anleitungen, wie sich Anwendungen mit versteckten Funktionen erstellen und durch Prüfverfahren bringen lassen.
Apple entfernt Apps und arbeitet an neuen Prüfungen
Apple hat die zuerst identifizierten Apps inzwischen aus dem Store entfernt. Nach Angaben des Unternehmens wurden außerdem weitere Anwendungen und Entwicklerkonten gesperrt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, ähnliche Tarnversuche künftig schneller zu erkennen.
Gleichzeitig testet Apple neue Verfahren zur Altersprüfung in Brasilien. Wie genau diese funktionieren werden, ist bislang nicht bekannt. Damit dürfte das Thema Jugendschutz im App Store allerdings noch lange nicht erledigt sein. Die endgültige Entscheidung trifft nun ein Gericht.
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