Apple arbeitet an einer Funktion, die Kopieren und Einfügen zwischen iPhones und Windows-PCs ermöglichen soll. Grundlage ist eine Anfrage von Microsoft über Apples System für Interoperabilität in der EU, das der Konzern infolge des Digital Markets Act einführen musste. Die Lösung soll bis Herbst 2027 fertig sein.
Microsoft fordert Zugriff auf Systemschnittstellen
Microsoft hatte die Anfrage bereits im März 2026 bei Apple eingereicht, wie „MacRumors“ entdeckt hat. Der Konzern gab darin an, dass „geräteübergreifendes Kopieren und Einfügen […] eine häufig nachgefragte Produktivitätsfunktion“ sei. Apple-Geräte verfügen über die sogenannte allgemeine Zwischenablage, die Copy and Paste zwischen iOS, macOS, iPadOS und visionOS erlaubt. Das funktioniert sowohl mit Text als auch mit einer Reihe von Dateiformaten.
In seiner Anfrage bemängelt Microsoft den aktuellen Zustand: „Drittanbieter-Plattformen können aufgrund von Einschränkungen für den Zugang zur Zwischenablage in iOS kein vergleichbares Erlebnis mit ihren Geräten bieten.“ Anders als bei Apples allgemeiner Zwischenablage müssten PC-Nutzer bei jedem Kopiervorgang erneut aktiv zustimmen. Laut Microsoft ist für die Umsetzung einer nahtlosen Copy-and-Paste-Funktion Apples Unterstützung erforderlich, da nicht die notwendigen Systemschnittstellen zur Verfügung stehen.
Apple hat Microsofts Anliegen nach einer Prüfung auf die Umsetzbarkeit in die nächste Phase seines Interoperabilitätsprozesses verschoben. In einem Update am 26. Juni hat der Konzern angekündigt, wie die Lösung zukünftig aussehen soll. Die geplante Umsetzung ähnelt der Mitteilungsweiterleitung, die Apple in der EU mit iOS 26.5 für Drittanbieter-Wearables eingeführt hatte.
Microsoft muss dafür Apples Entwickler-Framework AccessorySetupKit übernehmen. Das Framework „erlaubt eine nahtlose, datenschutzfreundliche Nutzerzustimmung sowie die Kontrolle über Berechtigungen für Bluetooth, WLAN und das lokale Netzwerk.“ Auf dieser Basis kann Microsoft eine Erweiterung entwickeln, „mit der sich Zwischenablageinhalte mit gekoppeltem Zubehör austauschen und importieren lassen“.
Diese Lösung erfordert lediglich die einmalige Zustimmung des Nutzers, um die Zwischenablage mit einem gekoppelten Zubehör zu teilen. Apple erwartet jedoch einen hohen Entwicklungsaufwand für die Umsetzung. Der Konzern plant die Implementierung deshalb für Herbst 2027, zuerst als Beta für Entwickler. Je nachdem, wann die Beta fertig ist, könnte sie noch zusammen mit iOS 28 frühestens Ende 2027 oder erst mit iOS 29 im Herbst 2028 erscheinen.
Warum muss Apple für Microsoft arbeiten?
Apple muss sein iPhone- und iPad-Ökosystem in der EU teilweise für Drittanbieter öffnen, weil das Unternehmen nach dem Digital Markets Act (DMA) als „Gatekeeper“ gilt. Ziel des Gesetzes ist es, fairen Wettbewerb zu fördern und zu verhindern, dass Apple eigene Dienste und Produkte gegenüber Konkurrenten bevorzugt.
Die Interoperabilitätsvorgaben des DMA verpflichten Apple, Drittanbietern Zugang zu bestimmten Funktionen von iOS und iPadOS zu gewähren, die bislang vor allem Apple-Produkten vorbehalten waren. So sollen Geräte und Apps anderer Hersteller genauso nahtlos mit iPhones und iPads zusammenarbeiten können wie Apples eigene Produkte. Wie im aktuellen Fall können Drittanbieter Anfragen zur Öffnung der Systeme an Apple stellen, die das Unternehmen – sofern technisch möglich – umsetzen muss.
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