23. November 2025, 16:18 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Es klingt völlig absurd, ist aber wahr: Die zwei wichtigsten mobilen Betriebssysteme der Welt haben bislang keine Möglichkeit, ohne Umwege miteinander zu kommunizieren. Ein grober Schnitzer im Cloud-Zeitalter, in dem gefühlt alles irgendwie vernetzt ist. Doch jetzt ist Schluss mit dem Mauern! Denn Google hat eine Lösung entwickelt, mit der Android und iOS ohne Umwege über Messenger, Cloud-Links oder USB-Kabel Dateien miteinander teilen können.
Android-Nutzer dürfen auf der AirDrop-Wolke mitfliegen
Während iPhone-Nutzer unter sich einfach schnell „AirDroppen“ können, gibt es keine einfache Methode, sobald ein Android-Smartphone mit von der Partie ist. Dann ist ein Messenger wie WhatsApp oder ein Cloud-Transfer oft die einzige Lösung. Der simple Grund: AirDrop gehört zu Apples Kerntechnologien, die einen Anreiz zum Kauf eines iPhones setzen sollen. Google hat lange versucht, eine vergleichbare Methode zu entwickeln, und konnte dabei lange nicht die Einfachheit von Apples Kronjuwel erreichen. Denn wie jeder Apple-User weiß: Wenn AirDrop funktioniert, ist es schon fast magisch.
Die einzelnen Smartphone-Hersteller haben lange an eigenen Lösungen gearbeitet, die allesamt aber nicht das Niveau von AirDrop erreichen konnten. Der Durchbruch war erst Quick Share, das aus einer Kooperation von Samsung und Google entstanden ist.
Diese Technologie hat Google nun weiterentwickelt und anscheinend einen Weg gefunden, Apples Lösung durch Reverse-Engineering zu rekonstruieren und darin einzubinden. Laut Bloomberg soll Google das „durch eine eigene Implementierung“ geschafft haben – also ohne Unterstützung von Apple.
AirDrop funktioniert jetzt auch mit Android-Smartphones
Google bringt AirDrop auf weitere Android-Geräte
Google spielt 4D-Schach
Dass Google nun AirDrop-Kompatibilität in Quick Share integriert, ist mehr als nur ein PR-Coup. Es ist eine strategische Entscheidung zugunsten der Nutzer, die sich nun nicht mehr für ein iPhone entscheiden müssen, um Zugriff auf AirDrop zu erhalten.
Für Google ist das ein kluger Schachzug. Quick Share wird zur universellen Austauschplattform, unabhängig vom Hersteller. Und für Apple entsteht subtiler Druck, offener zu werden, statt weiter auf Exklusivität zu setzen.
Hoffen wir, dass Apple sich den Schritt gefallen lässt. Bevor es RCS gab, hat das Unternehmen diverse Angriffe auf iMessage in der Vergangenheit rigoros abgeschmettert. 2023 hatte Beeper eine Lösung entwickelt, um die iMessage-Kommunikation mit Android zu ermöglichen. Sogar der Hersteller Nothing sprang mit auf und kündigte eine übergreifende Nachrichten-App an. Doch Apple spielte einfach ein Update für iMessage aus, das dieser Methode einen Riegel vorschob. Aus gutem Grund, wie sich herausstellte. Denn Beeper leitete Nachrichten unverschlüsselt auf externe Server um.
Dieses Problem scheint es mit Googles AirDrop-Einbindung zumindest nicht zu geben. Das Unternehmen versichert, dass keine Daten auf irgendwelchen Servern landen. Angeblich sollen das sogar „unabhängige Sicherheitsexperten“ bestätigt haben.
Interoperabilität statt Silos
Die EU hat mit dem Digital Markets Act (DMA) bereits deutlich gemacht, dass geschlossene Ökosysteme der Vergangenheit angehören. Wie TECHBOOK bereits umfangreich berichtete, steht AirDrop bereits auf der Abschussliste. Apple muss die Technologie über die nächsten Jahre in der EU für Drittunternehmen öffnen.
In diese Kerbe schlägt Google, allerdings mit einem entscheidenden Vorteil: Es öffnet AirDrop nicht nur in der EU, sondern für alle Nutzer. Weltweit. Für Nutzer ist das mehr als nur ein Komfort-Upgrade. Es geht um digitale Selbstbestimmung. Technologien wie AirDrop sollten nicht an Markengrenzen scheitern. Dass Google die Initiative ergreift, zeigt, dass offene Standards auch im Konkurrenzkampf entstehen können – wenn der Druck von Nutzern und Regulierern groß genug ist.
Am Ende profitieren wir alle: Weniger Frust, mehr Freiheit – und vielleicht ein kleiner Schritt hin zu einer wirklich vernetzten, herstellerübergreifenden Zukunft.