2. März 2026, 16:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Immer mehr Dienste, immer höhere Preise und trotzdem nie alles an einem Ort. Wer regelmäßig streamt, kennt das Problem. Serien und Filme verteilen sich auf zahlreiche Plattformen, dazu kommen unterschiedliche Tarifmodelle. Viele Nutzer verlieren langsam die Lust.
Der Begriff dafür lautet „Streaming-Fatigue“. Gemeint ist die Müdigkeit, die entsteht, wenn Inhalte zwar im Überfluss vorhanden sind, aber stark fragmentiert. Laut dem Marktforschungsinstitut „CivicScience“ geben 62 Prozent der Befragten an, dass sie Streaming- oder Abo-Müdigkeit verspüren und über Kündigungen nachdenken.
Streaming-Müdigkeit durch zu viele Einzelabos
Exklusive Inhalte treiben die Entwicklung voran. „White Lotus“ läuft bei Sky, eine Taylor-Swift-Doku bei Disney+, Originals bei Netflix, Amazon Prime oder Apple TV bleiben jeweils auf der eigenen Plattform. Wer alles sehen will, braucht mehrere Abos.
Hinzu kommen Aufpreise für Werbefreiheit, 4K-Auflösung oder mehrere Nutzerprofile. Eine Umfrage des US-Podcasts „Motley Fool Money“ zeigt, dass 42 Prozent der unter 29-Jährigen zwischen sechs und zehn Abos bezahlen. 42 Prozent der 14- bis 45-Jährigen kommen inklusive Sport und Gaming auf über 100 US-Dollar im Monat. In Deutschland liegen die Ausgaben laut „Bango“ bei durchschnittlich 57 Euro monatlich.
Dabei bietet Bango selbst Technik zur Bündelung von Abonnements an, was das Ergebnis in einem bestimmten Licht erscheinen lässt. Dennoch passt das Bild zu einer Untersuchung der Beratungsfirma „Deloitte“. Dort sagen 41 Prozent, dass Preis und Leistung nicht mehr zusammenpassen. 62 Prozent sprechen ausdrücklich von Abo-Müdigkeit.
Das Zeitalter der Streaming-Konsolidierung
Der Markt reagiert. Das Wachstum verlangsamt sich, viele Nutzer wechseln in günstigere Werbetarife. Kleinere Anbieter geraten unter Druck, größere Unternehmen prüfen Übernahmen. Selbst Konzerne wie Warner Bros. Discovery stehen im Fokus möglicher Zusammenschlüsse.
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In den USA zeichnet sich bereits ein deutlicher Trend zu Sammelabos ab. Große Anbieter bündeln mehrere Streaming-Dienste in gemeinsamen Paketen, um Kunden im System zu halten. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in Deutschland. Hier bündeln etwa Waipu.TV oder die Telekom mit ihrem Magenta-Angebot verschiedene Plattformen. Auch Amazon Prime setzt zunehmend auf zubuchbare Kanäle mit Netflix, DAZN, WOW, Disney oder HBO. Entscheidend bleibt am Ende jedoch der Inhalt. Große Anbieter wie Netflix, Amazon, Apple oder Disney haben dabei klare Vorteile.
Stecken die Streaming-Dienste in der Krise?
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Piraterie nimmt wieder zu
Parallel erlebt die illegale Nutzung ein Comeback. Ein fast sieben Jahre altes Meme sagte diese Entwicklung bereits voraus. Weltweit verzeichnen illegale Streaming-Seiten inzwischen über 200 Milliarden Besuche. Der wirtschaftliche Schaden liegt laut Schätzungen bei rund 75 Milliarden US-Dollar und soll bis 2028 auf umgerechnet 106 Milliarden Euro steigen. Besonders stark wächst der Markt für illegales Streaming in Asien.
Ein anderer Trend wirkt harmloser. 4K-Blu-ray-Player gewinnen wieder an Beliebtheit. Sie spielen physische Datenträger in sehr hoher Bildqualität ab. Beim Verkauf von Blu-rays zeigt sich dieser Trend bislang jedoch kaum.
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Wie Nutzer Kosten senken können
Wer nicht dauerhaft mehrere Abos parallel bezahlen möchte, kann flexibel bleiben. Die meisten Streaming-Dienste sind monatlich kündbar. Statt alles gleichzeitig zu abonnieren, lohnt es sich, Dienste im Wechsel zu nutzen. Einen Monat Netflix, danach Disney+, anschließend ein anderer Anbieter.
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Hilfreich sind Plattformen wie „JustWatch“ oder „werstreamt.es“. Sie zeigen, wo Serien und Filme aktuell verfügbar sind. So lassen sich Abos gezielt planen. Laut Daten der Zahlungsplattform „Monetize360“ wachsen Dienste mit Einzelabruf-Modellen, also Pay-per-View, 38 Prozent schneller als reine Flatrate-Angebote. Pay-per-View bedeutet, dass Nutzer nur für einzelne Inhalte zahlen statt für ein komplettes Monatsabo. Möglich, dass digitale Videotheken damit vor einer neuen Phase stehen.