Im Wettrennen um die Hoheit im Bereich der Künstlichen Intelligenz mischt seit einiger Zeit auch Amazon mit eigenen Ideen und Entwicklungen mit. In puncto Relevanz zieht man noch den Kürzeren im Vergleich zu Anbietern wie Anthropic oder OpenAI. Das soll Firmengründer Jeff Bezos sauer aufstoßen. Er hat offenbar angeordnet, bei Amazon Prime Video KI stärker in den Fokus zu rücken.
Prime Video soll mehr KI-Funktionen erhalten
Das geht jetzt aus einem neuen Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ hervor. Vier Personen mit Insiderwissen hätten demnach behauptet, dass Bezos selbst Prime-Video-Chef Mike Hopkins dazu gebracht haben soll, beim Streaming-Dienst mehr KI einzubauen. Vorausgegangen sei eine interne Präsentation über die weiteren Pläne für Prime Video, in denen KI offenbar keine ausreichend große Rolle spielte. Das habe für hitzige Diskussionen gesorgt.
Als Resultat entsteht das Projekt Lighthouse (Leuchtturm). Ziel ist es, bei Prime Video mit KI-Unterstützung etwa Film- und Serienempfehlungen zu verbessern.
Hierfür will man mehr über die Vorlieben der mehr als 200 Millionen Prime-Video-Nutzer lernen und dabei auch die Möglichkeit implementieren, auf gesprochene Anfragen direkt zu reagieren. Zu diesem Zweck überlegt man bereits die Integration der Sprachassistenz Alexa in die Suche der Streaming-Plattform.
Im Zuge dessen soll auch die Homepage von Amazon Prime Video ein neues Design erhalten. Wie das am Ende aussehen wird, steht nicht fest. Eine Idee sollen aber KI-erstellte Streaming-Kacheln sein, in denen zum Beispiel „Actionfilme der 80er“ oder „Romantische Komödien zu Weihnachten“ empfohlen werden sollen. Auch könnten textlastige Vorschaukacheln verschwinden.
Die traditionelle Suchfunktion soll aber ebenso erhalten bleiben wie der Platz oben bei Prime Video, um bestimmte Highlights prominent sichtbar zu bewerben. Erste Tests mit einer kleinen Anzahl an Nutzern würden bereits laufen. Je nach Feedback könnten sich Amazons Pläne für mehr KI in Prime Video aber noch ändern.
Nicht ganz ohne Risiken
Dass Jeff Bezos selbst im Projekt involviert ist, ist ungewöhnlich, da er sich größtenteils aus Amazons Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Seine Involvierung unterstreicht die Bedeutung, die man beim Konzern dem Thema KI beimisst.
Ein neues Design der Startseite ist derweil kein risikoloses Unterfangen. Der Marktforscher Michael Goodman sagt, dass Streaming-Dienste darauf angewiesen seien, dass Film- und TV-Studios bezahlte Platzierungen buchen, und dass Algorithmen bestimmen, wann welche Inhalte auf der Homepage erscheinen. Jedwede Änderungen könnten dieses System stören.
Die Homepage gilt als äußerst wertvolle „Immobilie“ für Studios. Jeder Platz, den man ihnen dort wegnähme, etwa zugunsten hauseigener Entwicklungen, wäre eine große Veränderung, so der Experte.
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