3. September 2026, 12:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die ING will ihre Girokonten in allen Märkten neu strukturieren und künftig jeweils vier Modelle anbieten. Für Deutschland hat Konzernchef Steven van Rijswijk zugesagt, dass eine kostenlose Variante erhalten bleibt. Welche Voraussetzungen dafür gelten und welche Leistungen sie umfasst, ist noch offen. Die Einführung der neuen Kontostruktur ist derzeit für Mitte 2027 geplant.
Die neuen ING-Abo-Modelle wurden bereits in den Niederlanden und kurz darauf in Belgien, Polen und Rumänien vorgestellt. Sie sollen aber auch auf weitere Länder Europas ausgeweitet werden. Deutschland-Chef Lars Stoy hatte Anfang August erklärt, dass die genaue Gestaltung der einzelnen Abos noch nicht abgeschlossen sei. Nach dem aktuellen Zeitplan sollen die neuen Angebote Mitte 2027 in Deutschland starten.
Im Zuge der Bekanntgabe stellten sich viele Kunden die Frage, was mit dem bestehenden Gratis-Konto der ING ist. Konzernchef Steven van Rijswijk erklärte beim Handelsblatt-Bankengipfel in Frankfurt, dass man dieses auch weiterhin anbieten wolle.
Bedingungen für kostenlose Variante noch offen
Die Zusage des Konzernchefs bedeutet jedoch nicht, dass die heutigen Voraussetzungen und Leistungen unverändert bleiben. Bestätigt ist bislang lediglich, dass eine kostenlose Variante Bestandteil der neuen Kontostruktur sein soll. Auch die Zuordnung der Kunden zu den vier Modellen steht noch nicht fest.
Unklar bleibt zudem, wie sich die Angebote bei Karten, Bargeldversorgung, Zusatzleistungen und Gebühren unterscheiden werden. Bis zur Einführung sind Änderungen an den derzeitigen Konditionen möglich.
Die ING Deutschland zählt mehr als zehn Millionen Kunden und bezeichnet sich als drittgrößte Bank Deutschlands. Ende 2025 hatte sie 2,9 Millionen sogenannte Mobile Primary Customers. Dazu zählen Kunden, die das Girokonto intensiv nutzen, mindestens ein weiteres Produkt besitzen und regelmäßig über die App zugreifen.
Aktuell ist das ING-Girokonto kostenlos, wenn innerhalb eines Kalendermonats Gutschriften von insgesamt mindestens 1000 Euro eingehen. Für Kontoinhaber unter 28 Jahren entfällt die Kontoführungsgebühr ebenfalls. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, verlangt die Direktbank monatlich 4,90 Euro.
Der Mindestgeldeingang kann sich aus mehreren Zahlungen zusammensetzen. Angerechnet werden etwa Gehalt, Rente, Pension, Kindergeld und andere Überweisungen. Nicht berücksichtigt werden Überträge zwischen eigenen ING-Konten mit identischen Kontoinhabern, Wertpapierumsätze und Gutschriften aus Rücklastschriften.
Consorsbank verbessert kostenloses Girokonto
ING schenkt Bankkunden 200 Euro – unter diesen Bedingungen
Visa-Debitkarte ist im Konto enthalten
Zum derzeitigen Kontomodell gehört eine Visa-Debitkarte. Eine zusätzliche Girocard kostet 1,49 Euro pro Monat. Bei Abhebungen von mindestens 50 Euro verlangt die ING in Deutschland und im Euroraum kein Entgelt. Fremde Automatenbetreiber können jedoch eigene Gebühren berechnen.
Ende 2024 erhöhte die ING den erforderlichen monatlichen Geldeingang für die kostenlose Kontoführung von 700 auf 1000 Euro. Zugleich verteuerte sich die optionale Girocard von 0,99 auf 1,49 Euro. Die Bank verwies auf gestiegene Kosten und das Ziel, das Girokonto stärker als Hauptkonto zu etablieren.
Das Girokonto ist für die Bank auch ein Zugang zu Tagesgeld, Wertpapierdepots, Krediten und Baufinanzierungen. Wie sich die vier Modelle bei Leistungen, Gebühren und Voraussetzungen unterscheiden werden, steht noch nicht fest. Für Bestandskunden gelten zunächst die aktuell veröffentlichten Konditionen.
Auch interessant: Auf diesen Smartphones funktioniert die ING-App nicht mehr
ING im Vergleich mit DKB, Comdirect und N26
Auch DKB und Comdirect knüpfen die Gebührenfreiheit an Voraussetzungen. Bei der DKB reichen 700 Euro monatlicher Geldeingang oder ein Alter unter 28 Jahren. Ansonsten kostet das Erstkonto 4,50 Euro. Für ältere Bestandskonten können andere Regeln gelten. Der Geldeingang beeinflusst zudem den Aktivstatus.
Beim Girokonto Aktiv der Comdirect reicht unter anderem ein monatlicher Geldeingang von 700 Euro. Alternativ können regelmäßige mobile Zahlungen oder Wertpapieraktivitäten die Gebührenfreiheit ermöglichen. Ohne erfüllte Voraussetzung werden 4,90 Euro pro Monat fällig.
N26 bietet sein Standardkonto ohne monatliche Kontoführungsgebühr und ohne vorgeschriebenen Mindestgeldeingang an. Enthalten ist allerdings nur eine virtuelle Mastercard. Eine physische Karte kann zusätzliche Kosten verursachen, zudem ist die Zahl kostenloser Bargeldabhebungen begrenzt. Die C24 Bank bewirbt ihr Smartkonto als bedingungslos kostenlos.