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Deutsche Post stellt historischen Dienst für immer ein

Zum Jahresende

Deutsche Post stellt historischen Dienst für immer ein

Deutsche Post
Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es das Telegramm. Nun wird das Angebot von der Deutschen Post eingestellt. Foto: Getty Images

2022 gab es bei der Deutschen Post einige Umstellungen. Zum Jahresende verabschiedet sich das Unternehmen nun von einem Dienst, den es schon seit dem 19. Jahrhundert gegeben hat.

Die Rede ist vom Telegramm. Früher sehr beliebt und für die Übermittlung schneller Nachrichten unverzichtbar, hat es durch die Digitalisierung heute stark an Relevanz verloren. Die Nachfrage nach dem Service ist so gering, dass die Deutsche Post das Telegramm zum Stichtag 31. Dezember 2022 einstellt.

In Deutschland wurde das erste Telegramm bereits Mitte des 19. Jahrhunderts versandt. In Zeiten, in denen nur wenige Haushalte überhaupt ein privates Telefon besaßen, ließen sich so Nachrichten in sehr kurzer Zeit an den Empfänger weiterleiten. Doch auch mit der Verbreitung des Telefons blieb das Telegramm beliebt. Laut der Deutschen Bundespost wurden im Jahr 1978 sogar noch 13 Millionen Telegramme innerhalb der BRD versendet.

Telegramm – unbeliebt, veraltet und viel zu teuer

Wer jedoch heute Nachrichten schnell übermitteln möchte, nutzt andere Wege. Die SMS, Messenger, E-Mails und andere digitale Möglichkeiten haben das altbekannte Telegramm längst abgelöst. Viele kennen das Angebot nur noch aus Filmen. Das Telegramm ist auch aufgrund der hohen Kosten für viele Nutzer nicht attraktiv. Wer aktuell noch ein Telegramm versenden möchte, zahlt bei der Deutschen Post laut Webseite 12,57 Euro für die Mini-Version mit 160 Zeichen bzw. 17,89 Euro für die Maxi-Version mit 480 Zeichen. Die hübschere Ausführung mit Schmuckblatt kostet sogar noch mehr – 16,67 Euro bzw. 21,98 Euro müssen Absender hierfür zahlen.

Die Kosten sind immens, wenn man bedenkt, dass 160 Zeichen der Länge einer SMS entsprechen. Auch gibt es mittlerweile kaum noch Situationen, in denen die persönliche Zustellung einer so kurzen Mitteilung per Postbote relevant sein dürfte. Dementsprechend niedrig war die Nachfrage nach einem Telegramm in den vergangenen Jahren. Gegenüber dem Portal „Paketda“ bestätigte Alexander Edenhofer von der Deutschen Post, dass man das Produkt Telegramm zum Ende des Jahres einstellen werde. Wer jetzt noch ein Telegramm aufgibt, kann als Zustelldatum nur noch den 29., 30. oder 31. Dezember 2022 wählen.

Weitere Umstellungen bei der Deutschen Post

In diesem Jahr hat sich bei der Deutschen Post einiges geändert – nicht nur zum Guten. So wurde Ende November beispielsweise der E-Post-Brief eingestellt. In den vergangenen Monaten gab es zudem zunehmend Kritik wegen zu langer Zustellzeiten. Vielerorts liefern die Briefträger nicht mehr täglich die Post, zum Teil kommen die Briefe sogar über die Paketzusteller. Diese sogenannte Verbundzustellung verringert den Personalaufwand und ist vor allem in Großstädten praktisch, wo Paketboten regelmäßig ihre Touren fahren. Grund für die Umstellung im Zustellsystem der Deutschen Post ist der Rückgang der Briefsendungen. Für Empfänger bedeutet sie aber, dass sie oftmals länger auf ihre Post warten. Auch könnten zahlreiche Postboten durch den Ausbau der Verbundzustellung ihre Jobs verlieren; TECHBOOK berichtete.

Als Alternative plant die Post mittlerweile auch die Briefzustellung an Packstationen, dies ist bereits jetzt für großformatige Briefsendungen möglich. Diese Art der Zustellung spart für die Boten Zeit, da sie nicht mehr an jeden einzelnen Briefkasten müssen. Gleichzeitig möchte die Deutsche Post aber auch digitaler werden und ihren Kunden neue Services anbieten. Sie können beispielsweise ihre Post online und ohne Briefmarke frankieren, sich über Briefe informieren, die auf dem Weg sind, und diese sogar vorab als PDF lesen.

All diese Änderungen zeigen, dass die Deutsche Post im Umbruch ist. Die Zustellung von Briefen ist längst nicht mehr lukrativ, stattdessen werden digitale Angebote immer wichtiger. Das Aus für das über 170 Jahre alte Telegramm scheint somit ein logischer und zu erwartender Schritt zu sein.

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