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Kritik an KI-Übersichten

Warum Publisher gegen Google aufbegehren

Die KI-Übersichten sorgen nicht nur bei den Usern für Kopfzerbrechen.
Die KI-Übersichten sorgen nicht nur bei den Usern für Kopfzerbrechen Foto: Getty Images
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Mats Pache
Mats Pache

2. August 2026, 16:35 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Lange Zeit galt die Beziehung zwischen Google und den Medienhäusern als Win-win-Situation. Verlage lieferten Inhalte, Google sorgte für Reichweite und Besucherströme. Mit dem Siegeszug der KI-Suche verändert sich dieses Gleichgewicht jedoch grundlegend. Immer mehr Publisher stellen sich inzwischen die Frage, ob der Traffic aus der Google-Suche den Wert ihrer Inhalte überhaupt noch rechtfertigt.

Besonders seit der Einführung der KI-Übersichten hat sich die Diskussion verschärft. Nutzer erhalten Antworten bereits direkt in den Suchergebnissen, oft ohne eine Website überhaupt noch besuchen zu müssen. Für viele Verlage ist das ein Problem, denn ihre Inhalte bilden die Grundlage dieser Zusammenfassungen, während die wichtigen Klicks zunehmend ausbleiben.

KI-Antworten verändern das Suchverhalten

Seit Frühjahr 2025 blendet Google bei vielen Suchanfragen KI-generierte Zusammenfassungen oberhalb der klassischen Suchergebnisse ein. Die Funktion soll Informationen schnell und übersichtlich aufbereiten. Quellen sind zwar verlinkt, doch in der Praxis klicken viele Nutzer gar nicht mehr auf die ursprünglichen Artikel.

Das verändert die Art, wie Menschen Informationen konsumieren. Wer bereits direkt auf der Suchseite eine kompakte Antwort erhält, sieht oft keinen Anlass mehr, eine Nachrichtenseite oder ein Fachportal zu öffnen. Für Google bedeutet das eine komfortablere Suche. Für Verlage sinken dadurch jedoch häufig Reichweite, Werbeeinnahmen und Sichtbarkeit.

Reddit zweifelt am Nutzen der Partnerschaft

Wie die Online-Ausgabe des „Wall Street Journal“ (WSJ) berichtet, gehört zu den Unternehmen, die ihre Beziehung zu Google neu bewerten, auch Reddit. Das Online-Forum hatte Google erlaubt, Inhalte für das Training von KI-Modellen zu nutzen, und erhält dafür Berichten zufolge jährlich rund 60 Millionen US-Dollar.

Trotz dieser Einnahmen scheint die Unsicherheit zu wachsen. Denn wenn KI-Zusammenfassungen Antworten direkt liefern, gelangen weniger Nutzer auf die eigentlichen Plattformen. Medienberichten zufolge wird intern diskutiert, ob die Zusammenarbeit langfristig noch genügend Vorteile bietet. Die auslaufende Vereinbarung könnte daher zum Prüfstein für künftige KI-Partnerschaften werden.

Massive Einbrüche beim Such-Traffic

Die Sorgen der Branche kommen nicht von ungefähr. Mehrere große Medienmarken berichten über deutliche Rückgänge bei den Zugriffen über die Google-Suche. Besonders betroffen sind Nachrichtenseiten, deren Geschäftsmodell stark auf organische Reichweite angewiesen ist.

Demnach verlor die US-Ausgabe von „USA Today“ innerhalb eines Jahres einen zweistelligen Prozentsatz ihres Such-Traffics. Auch Politico, Business Insider und CNN verzeichneten deutliche Rückgänge. Einige Unternehmen prüfen deshalb inzwischen Maßnahmen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar erschienen wären. Dazu gehört sogar die mögliche Blockade von Googles Crawlern.

Der radikale Schritt gegen Google

Wer den Google-Bot aussperrt, verschwindet nicht nur aus KI-Zusammenfassungen, sondern riskiert gleichzeitig Sichtbarkeit in der klassischen Suche. Genau dieses Dilemma beschäftigt derzeit viele Verlage.

Einige Medienunternehmen hoffen deshalb auf technische Lösungen, die eine Trennung ermöglichen. Sie möchten verhindern, dass Inhalte für KI-Antworten genutzt werden, ohne dabei auf ihre Platzierungen in den Suchergebnissen verzichten zu müssen. Entsprechende Modelle werden bereits diskutiert und teilweise getestet.

Verlage suchen nach neuen Geschäftsmodellen

Während einige Verlage auf Konfrontationskurs gehen, wählen andere einen pragmatischeren Ansatz. Viele investieren stärker in Apps, Veranstaltungen, Abonnements oder soziale Netzwerke, um unabhängiger von Suchmaschinen zu werden.

Gleichzeitig entstehen neue Strategien rund um KI. Manche Anbieter experimentieren bereits mit speziell auf KI-Crawler zugeschnittenen Inhalten. Dahinter steckt die Idee, künftig sowohl menschliche Leser als auch Maschinen als eigenständige Zielgruppen zu betrachten.

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Google weist die Kritik zurück

Google selbst betont, dass die neuen KI-Funktionen weiterhin Milliarden von Klicks auf externe Webseiten vermitteln. Außerdem stünden Werkzeuge zur Verfügung, mit denen Betreiber die Nutzung ihrer Inhalte steuern könnten.

Dennoch wächst der regulatorische Druck. In Großbritannien wurden bereits Rahmenbedingungen geschaffen, die Verlagen mehr Kontrolle über die Verwendung ihrer Inhalte in KI-Anwendungen ermöglichen sollen. Ob sich ähnliche Modelle international durchsetzen, bleibt allerdings offen.

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Steht die Suche vor einem Wendepunkt?

Für Google wäre ein massenhafter Rückzug großer Publisher keine Kleinigkeit. Suchmaschinen leben von hochwertigen Inhalten, die von Nachrichtenportalen, Fachmedien und Communitys bereitgestellt werden. Sollte dieser Strom versiegen, könnte das langfristig auch die Qualität der Suchergebnisse beeinträchtigen.

Die aktuelle Debatte zeigt vor allem eines: Der Konflikt zwischen KI-Anbietern und Inhalteproduzenten erreicht inzwischen die größten Player der Branche. Während kleine Verlage die Folgen des KI-Booms bereits seit Monaten spüren, melden sich nun auch große Medienkonzerne zu Wort. Die kommenden Jahre dürften entscheidend dafür sein, ob ein neues Gleichgewicht zwischen Suchmaschinen, KI und Verlagen gefunden wird.

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