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Studie zeigt

Immer weniger Menschen surfen im Netz – aber wer dann?

Person tippt auf eine Laptop-Tastatur
Immer weniger Menschen sind noch im Internet unterwegs Foto: Getty Images
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Nele Wegner
Werkstudentin

7. Oktober 2025, 8:34 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Eine Auswertung des Paywall-Dienstleisters Tollbit zeichnet ein klares Bild: Der menschliche Anteil am Web-Traffic nimmt ab, während automatisierte Zugriffe stark zulegen. Immer häufiger übernehmen KI-gesteuerte Bots das Abrufen von Inhalten, oft ohne dass Seitenbetreiber den Unterschied zu echten Nutzern erkennen können. Diese Entwicklung bedroht zunehmend die wirtschaftliche Grundlage vieler Online-Angebote.

Immer weniger echte Besucher

Laut Tollbit sank die Zahl menschlicher Besucher im zweiten Quartal 2025 um rund neun Prozent. Parallel dazu vervierfachte sich der Anteil der KI-Bots im Vergleich zum Jahresbeginn. Während früher noch 200 Menschen auf einen KI-Bot kamen, steht das Verhältnis mittlerweile bei 50 zu eins. Offenbar greifen viele Nutzer lieber auf KI-basierte Anwendungen zurück, um sich Informationen zusammenstellen zu lassen, statt klassische Webseiten direkt zu öffnen.

KI tarnt sich als Mensch

Besonders herausfordernd sind Bots, die sich als echte Nutzer tarnen. Mithilfe sogenannter „Headless Browser“, Browser ohne sichtbare Oberfläche, agieren KI-Agenten wie Menschen und das täuschend ähnlich: Sie laden komplette Seiten, lösen Sicherheitsabfragen wie CAPTCHAs und geben sich als bekannte Browser wie Google Chrome aus. Dies nennt man „Faux Human Traffic“ und es führt dazu, dass Betreiber in ihren Statistiken vermeintlich steigende Zugriffszahlen sehen, die jedoch keine realen Besucher widerspiegeln.

Google, KI-Overviews und die Folgen

Auch Google trägt zur Verschiebung im Traffic-Verhalten bei. Seit der weltweiten Einführung der KI-basierten „AI Overviews“ im Oktober 2024 ist die Aktivität des sogenannten Crawlers, also des automatisierten Programms, das Inhalte im Web durchsucht, deutlich gestiegen. Tollbit verzeichnet einen Anstieg der sogenannten Crawls, also der einzelnen Aufrufe von Webseiten durch diese Systeme, um 34,8 Prozent.

Auch interessant: Wenn die Nutzung von KI-Chatbots gefährlich werden kann

Gleichzeitig erhalten viele Seiten weniger echte Weiterleitungen über Google. Während ein Jahr zuvor noch etwa 450 Nutzer pro 100 Crawls auf eine Website geleitet wurden, sind es inzwischen nur noch rund 300. Der Anteil von Google an den gesamten externen Weiterleitungen fiel von über 90 auf rund 84 Prozent.

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Klassische Schutzmaßnahmen greifen kaum noch

Zwar versuchen Betreiber, Bots durch Sperrlisten oder Regeln in der robots.txt, einer Text-Datei, auszuschließen, doch viele dieser Mechanismen verlieren an Wirkung. Tollbit zufolge ignorierten im zweiten Quartal 2025 mehr als 13 Prozent aller KI-Crawler die entsprechenden Vorgaben – viermal so viele wie Ende 2024. Besonders auffällig sind Zugriffe von bekannten Unternehmen wie OpenAI, Meta, ByteDance und Perplexity, die trotz Verbots wiederholt auf Inhalte zugreifen.

Ein Web im Wandel

KI verändert das Internet grundlegend. Immer mehr Datenverkehr stammt von Maschinen, die weder Inhalte konsumieren noch Umsätze generieren. Für Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel Verlage, welche von Reichweite, Werbung und Abos abhängig sind, stellt das eine reale Gefahr dar.

Laut „t3n“ fordern Fachleute deshalb neue Regeln für den Umgang mit automatisierten Zugriffen. KI-Agenten sollten eindeutig erkennbar sein und eine faire Beteiligung für die Nutzung fremder Inhalte leisten. Solange es solche Standards jedoch nicht gibt, wird menschlicher Traffic weiter sinken – und Bots langsam das Internet übernehmen.

Nele Wegner
Werkstudentin

Klingt wie „Dead-Internet-Theory…“

„Lange galt es als Verschwörungstheorie, dass das Internet längst überwiegend von Bots bevölkert wird, die menschliches Verhalten nur nachahmen. Mit dem wachsenden Anteil nachweisbarer KI-Aktivität wirkt diese Vorstellung heute nicht mehr abwegig. Auch in sozialen Netzwerken verschwimmt die Grenze zwischen realem und künstlich erzeugtem Content zunehmend. Vielleicht erleben wir gerade den Moment, in dem das Netz tatsächlich beginnt, sich selbst zu übernehmen.“

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