EU-Kommission bereitet strengere Regeln für soziale Netzwerke vor
Kinder sollen soziale Netzwerke künftig nur schrittweise nutzen dürfen Foto: TECHBOOK
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Rainer Schuldt
14. Juli 2026, 9:36 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Kinder sollen soziale Netzwerke künftig nur schrittweise nutzen dürfen. Ein neuer Expertenbericht für die EU-Kommission empfiehlt strengere Vorgaben für Plattformen – und könnte den Weg für neue EU-Regeln ebnen. Ein generelles Social-Media-Verbot soll aber nicht kommen.
Kein generelles Verbot, aber deutlich strengere Vorgaben
Kinder unter 13 Jahren sollten nach Auffassung von Experten der EU-Kommission keinen uneingeschränkten Zugang zu sozialen Netzwerken erhalten. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Fachleute im Auftrag von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erstellt haben. Anders als häufig gefordert, sprechen sie sich jedoch bewusst nicht für ein pauschales Social-Media-Verbot aus.
Stattdessen empfehlen die Experten einen schrittweisen Einstieg in die digitale Welt. Bis zum 13. Lebensjahr soll die Nutzung sozialer Netzwerke und anderer potenziell schädlicher Online-Dienste nur unter Aufsicht der Eltern oder im schulischen Umfeld sowie zeitlich begrenzt erfolgen. Ziel sei es, Kinder an digitale Medien heranzuführen, ohne sie den Risiken ungeschützt auszusetzen. Für Kinder bis zwei Jahre raten die Autoren sogar vollständig von entsprechenden digitalen Angeboten ab. Gleichzeitig sollen die EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit behalten, strengere Altersgrenzen festzulegen. Frankreich plant beispielsweise derzeit eine Grenze von 15 Jahren.
Ab dem 13. Lebensjahr sollen Jugendliche soziale Netzwerke grundsätzlich eigenständig nutzen dürfen. Voraussetzung ist nach Ansicht der Experten allerdings, dass die Plattformen standardmäßig umfassende Schutzmechanismen aktivieren und Risiken für Minderjährige deutlich reduzieren.
Dabei fordern die Wissenschaftler einen grundlegenden Perspektivwechsel. Nicht Kinder und Eltern sollen allein in der Verantwortung stehen, sondern die Betreiber der Plattformen. Diese müssten künftig nachweisen, dass ihre Dienste keine erheblichen Gefahren für junge Nutzer darstellen. Kritisiert werden unter anderem Funktionen wie das endlose Scrollen oder algorithmisch gesteuerte Empfehlungsmechanismen, die problematische Nutzungsgewohnheiten fördern können. Die Altersgrenze von 13 Jahren existiert bei vielen Plattformen bereits in den Nutzungsbedingungen. Nach Ansicht der Experten mangelt es jedoch vor allem an einer konsequenten Durchsetzung.
Neue EU-Regeln könnten schon bald folgen
Die Empfehlungen dürften nun erheblichen Einfluss auf die weitere Gesetzgebung in Brüssel haben. Ursula von der Leyen kündigte bereits an, nach der Sommerpause einen Vorschlag für neue EU-Regeln vorzulegen. Sie betonte, dass altersgerechte Beschränkungen für Online-Plattformen notwendig seien und es einen schrittweisen Zugang für verschiedene Altersgruppen geben müsse.
Für die technische Umsetzung könnte künftig die europäische Digital-Brieftasche EUDI-Wallet eine zentrale Rolle spielen. Sie soll Anfang 2027 auch in Deutschland eingeführt werden und eine datenschutzfreundliche Altersverifikation ermöglichen. Nutzer könnten damit lediglich nachweisen, ein bestimmtes Mindestalter erreicht zu haben, ohne Namen oder Geburtsdatum an Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat zu übermitteln. Zwar könnten einzelne Mitgliedstaaten eigene Altersgrenzen beschließen, verpflichtende Alterskontrollen für große Online-Plattformen lassen sich jedoch nur auf EU-Ebene einführen. Damit dürfte die Debatte um den Jugendschutz in sozialen Netzwerken in den kommenden Monaten weiter an Fahrt aufnehmen.
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