12. Februar 2026, 8:03 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat Cybermobbing den Kampf angesagt. Mit dem neuen Aktionsplan will die EU vor allem Kinder und Jugendliche besser schützen und setzt dafür unter anderem auf eine eigene App, die Betroffenen schnelle und unkomplizierte Unterstützung bieten soll.
Wie „heise“ berichtet, soll die Anwendung es ermöglichen, Vorfälle direkt zu melden, Beweise zu sichern und passende Hilfsangebote zu finden. Als Vorlage dient die französische App „3018“, die bereits Unterstützung bei digitaler Gewalt bietet. Die EU will dieses Modell an die Mitgliedsstaaten weitergeben, die es anschließend anpassen, übersetzen und an ihre Hilfsangebote anbinden.
App gegen Online-Mobbing
Die neue App soll auch in große Online-Dienste eingebunden werden. Ziel ist es, Betroffenen den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern, ohne lange nach Ansprechpartnern suchen zu müssen. EU-Kommissar Glenn Micallef machte deutlich, dass das Melden von Mobbing einfacher sein müsse als das Mobben selbst.
Nach Angaben der EU ist etwa jedes sechste Kind zwischen 11 und 15 Jahren in Europa bereits Opfer von Cybermobbing geworden. Besonders betroffen sind Mädchen, junge Frauen, Angehörige von Minderheiten sowie Kinder aus einkommensschwachen Haushalten.
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KI verschärft das Problem
Künstliche Intelligenz nimmt auch eine zunehmende Rolle. Mit KI lassen sich manipulierte Bilder oder Videos erstellen – darunter sogenannte sexualisierte Deepfakes. Dabei handelt es sich um täuschend echt wirkende, KI-generierte Inhalte, zum Beispiel gefälschte Nacktbilder. Solche Bilder und Videos verbreiten sich schnell im Netz und können erheblichen Schaden anrichten. Das europäische KI-Gesetz soll im dritten Quartal 2026 gezielt gegen diese Formen des Missbrauchs vorgehen.
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Mehr Prävention und strengere Regeln
Neben der App plant die EU weitere Maßnahmen. Noch in diesem Jahr sollen neue Leitlinien für Schulen veröffentlicht werden, die Cybermobbing stärker in die Medienbildung integrieren. Rechtliche Grundlage bleibt der Digital Services Act (DSA). Er verpflichtet große Plattformen, ihre Dienste sicherer für Minderjährige zu gestalten. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob die bestehenden Vorgaben weiter verschärft werden müssen.
Parallel dazu diskutieren mehrere EU-Länder strengere Altersgrenzen für soziale Netzwerke. In Großbritannien etwa gilt seit Inkrafttreten des Online Safety Act eine deutlich verschärfte Regulierung. Social-Media-Plattformen müssen stärkere Schutzmechanismen für Minderjährige einführen, Inhalte altersgerecht filtern und wirksame Altersprüfungen vornehmen. Anbieter, die diese Vorgaben nicht erfüllen, riskieren hohe Geldstrafen.
Wann genau die neue App erscheint, ist noch nicht bekannt. Mit dem Maßnahmenpaket nimmt die EU Plattformen stärker in die Verantwortung und sorgt gleichzeitig dafür, dass Betroffene schneller und direkter Unterstützung erhalten.