Seit Monaten berichtet TECHBOOK immer wieder über die „RAMpokalypse“ und massiv steigende Kosten für PC-Komponenten. Das macht sich mittlerweile nicht nur in höheren Anschaffungspreisen bemerkbar. Immer häufiger verweigern Hersteller und Händler den Austausch von defekten Teilen und erstatten nur noch den Kaufpreis. Dieser ist jedoch nur noch einen Bruchteil davon wert, was die gleichen Komponenten mittlerweile kosten.
Einzelhändler schickt defekten RAM einfach zurück
Aktuell sorgt ein Fall rund um einen Gaming-Laptop von Lenovo für Diskussionen. Ein Reddit-Nutzer hatte das Gerät ursprünglich mit 64 GB DDR5-Arbeitsspeicher gekauft. Nach acht Monaten trat ein Defekt auf und der Käufer schickte das Gerät für eine Reparatur unter Garantie an Best Buy.
Der US-amerikanische Riesen-Retailer sendete den Laptop mit nur noch 32 GB RAM zurück. Die Begründung: Das Gerät unterstütze maximal 32 GB. Dabei verkauft der Einzelhändler den Laptop auf seiner Website weiterhin mit 64-GB-Konfiguration. Das zweite, aller Wahrscheinlichkeit nach defekte 32-GB-Modul ging einfach an den Käufer zurück. Eigentlich hätte Best Buy den RAM ersetzen müssen, sofern der Defekt unter die Garantie fällt.
In den vergangenen Wochen häufen sich Berichte von ähnlichen Fällen. Aufgrund der stark gestiegenen Preise für RAM und SSDs verzichten Hersteller auf direkten Ersatz von defekten Teilen und erstatten lediglich den Kaufpreis. Das ist zwar rechtens, doch Kunden kritisieren, dass sie mit dem Geld heute kein vergleichbares Produkt mehr erwerben können.
Auf Reddit berichten mehrere Nutzer, dass ihnen bei defekten RAM-Sticks der Marke Crucial lediglich eine Rückerstattung angeboten wurde. In einem Fall mit einem 2×24-GB-Kit beläuft sich der ursprüngliche Kaufpreis auf knapp 208 Euro. Heute kostet ein vergleichbares Kit rund 600 Euro. Immerhin konnte der betroffene Nutzer ein Gegenangebot aushandeln und bekam ein vergleichbares 3×16-GB-Kit als Ersatz. Andere Käufer waren jedoch nicht so erfolgreich.
Das Problem ist, dass Micron – einer der drei großen RAM-Hersteller der Welt – sich mit seiner Marke Crucial Ende 2025 vom Verbrauchermarkt zurückgezogen hat. Seitdem stellt das Unternehmen nur noch RAM für KI-Serverfarmen her. Jedweder Ersatz für defekten Speicher stammt daher nur noch aus Restbeständen.
Auch SSDs betroffen
Auch SK hynix steht in der Kritik, da das Unternehmen eine defekte SSD im Rahmen der Garantie nicht ersetzen wollte. Da laut eigenen Angaben keine Austauschgeräte verfügbar seien, habe der Hersteller lediglich eine Rückerstattung angeboten.
In Deutschland sind Nutzer ebenfalls betroffen. Hier hat sich ein Shop bei einem laufenden Reklamationsfall auf §439 Abs. 4 des BGB berufen und damit die Nacherfüllung aufgrund von „unverhältnismäßigen Kosten“ abgelehnt. Bei dem betroffenen Gerät handelt es sich um eine 2-TB-SSD, die der Kunde für 140 Euro gekauft hatte. Heute hat sie einen Marktwert von rund 270 Euro.
Ein weiteres prominentes Beispiel betrifft Samsung, das dem bekannten YouTuber und Recht-auf-Reparatur-Verfechter Louis Rossmann nur den ursprünglichen Kaufpreis für eine Highend-SSD zurückzahlen wollte. Erst nachdem sich Rossmann öffentlich beschwert hatte, erstattete Samsung letztlich den aktuellen Marktwert.
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