Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für digitalen Lifestyle und Entertainment
Computer News Alle Themen
Bis zu 500 Prozent teurer

Speicherpreise explodieren – PC-Branche schlägt Alarm

Bald schon ein Luxusgut: PC-Speicher
Bald schon ein Luxusgut: PC-Speicher Foto: Getty Images
Artikel teilen
Adrian Mühlroth
Redakteur

28. November 2025, 14:21 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Die Welt hangelt sich von einer Hardware-Krise zur nächsten. Während der COVID-Pandemie waren Grafikkarten kaum oder nur zu horrenden Preisen verfügbar. In den darauffolgenden Jahren führten Ausfälle bei der Fertigung von Mikroprozessoren zu Engpässen für die Smartphone- und sogar die Autoindustrie. Aktuell sind es jedoch die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs, die explodieren. Der Grund: Der unersättliche Hunger von KI nach immer mehr Speicher. Diese Entwicklung trifft inzwischen auch große PC-Hersteller, die ihre Systeme neu kalkulieren müssen.

KI-Hunger frisst den Markt leer

Der Auslöser für diesen Preisschock liegt im rasanten Wachstum der KI-Industrie. Unternehmen wie OpenAI, Google oder große Cloud-Betreiber bauen weltweit neue Rechenzentren, die enorme Mengen an Speicher benötigen. Im Zentrum steht dabei vor allem High Bandwidth Memory (HBM), der für KI-Beschleuniger unverzichtbar ist.

Die Speicherhersteller verlagern ihre Kapazitäten zunehmend auf diesen besonders profitablen Speicher und vernachlässigen dadurch die Fertigung klassischer DDR4- und DDR5-Module für den PC-Markt. Da die Nachfrage nach normalen RAM-Modulen gleichzeitig stabil bleibt oder sogar steigt, entsteht ein massiver Engpass. Die Folgen sind unmittelbar spürbar: Die Preise für DRAM ziehen weiter an, während gleichzeitig immer weniger Einheiten produziert werden.

PC-Hersteller geraten unter Druck

Die Auswirkungen in der Branche sind für Kunden bereits deutlich erkennbar. Der Preis für einen DDR5-Speicherstick des Herstellers Crucial ist seit November 2024 von knapp 40 Euro auf mittlerweile fast 150 Euro gestiegen – ein Plus von 275 Prozent.

Die Kurve bie idealo (gehört wie TECHBOOK zur Axel Springer SE) zeigt, wie stark der Preis für einen 16-GB-RAM-Stick von Crucial seit September gestiegen ist
Die Kurve bei idealo zeigt, wie stark der Preis für einen 16-GB-RAM-Stick von Crucial seit September gestiegen ist Foto: idealo

Nun kündigen auch die ersten PC-Bauer höhere Preise für ihre vorgefertigten PC-Systeme an. In den USA hat CyberPowerPC auf X (ehemals Twitter) gepostet, dass ab dem 7. Dezember die Preise für alle Systeme steigen. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass die globalen RAM-Preise seit dem 1. Oktober um 500 Prozent und die SSD-Kosten um 100 Prozent gestiegen seien.

X Corp. Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Gegenüber „Wccftech“ warnt Wallace Santos, CEO des ebenfalls bedeutenden US-PC-Bauers Maingear, dass zunehmende Kosten und knappe Kontingente unweigerlich zu längeren Lieferzeiten und höheren Endpreisen führen dürften. Santos rät Kunden, ihre PC-Upgrades nicht auf die lange Bank zu schieben. Händler in den USA reagieren bereits mit täglichen Preisupdates für Arbeitsspeicher – ähnlich wie Fischrestaurants, die Hummer nach tagesaktuellen Marktpreisen berechnen.

Mehr zum Thema

Auch SSDs und möglicherweise bald Grafikkarten teurer

Nicht nur Arbeitsspeicher ist betroffen. Auch die Preise für NAND-Flash – und damit für SSDs und SD-Karten – befinden sich im Aufwärtstrend. Samsung hat für seine Server-Chips bereits eine Preissteigerung von bis zu 60 Prozent angekündigt, wie Reuters berichtet.

Grafikkarten sind das nächste Item auf der Liste, das teurer werden könnte. Während die Chip-Hersteller die HBM-Produktion für KI-fokussierte Grafikkarten wie die Blackwell-Modelle von Nvidia hochfahren, könnten auch beim klassischen GDDR6-Videospeicher Engpässe entstehen.

Viele Unternehmen müssen nun entscheiden, ob sie größere Mengen an Speicher auf Vorrat kaufen sollen, um weiteren Engpässen vorzubeugen. Gleichzeitig besteht das Risiko, später auf teurer eingekaufter Ware sitzenzubleiben – etwa im Fall eines abrupten KI-Crashes. Sollte die KI-Blase platzen, könnten die Speicherpreise drastisch fallen.

Auch interessant: Warum heißt das erste Laufwerk auf einem Computer C und nicht A?

Was Verbraucher jetzt wissen müssen

Für Endkunden bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: Hardware-Upgrades werden auf kurze Sicht nur teurer. RAM- und SSD-Erweiterungen zählen zu den Komponenten mit dem höchsten Preisdruck, und auch Komplettsysteme werden die steigenden Einkaufspreise nach und nach an die Kunden weitergeben müssen.

Einige Hersteller wie Maingear betonen zwar, Preiserhöhungen so lange wie möglich abfedern zu wollen, doch angesichts der globalen Marktbedingungen rücken stabile Preise zunehmend in weite Ferne. Klar ist: Der Speicherhunger der KI-Industrie verändert den PC-Markt tiefergreifend und schneller als jede andere Entwicklung der vergangenen zehn Jahre.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.