28. November 2025, 14:21 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Welt hangelt sich von einer Hardware-Krise zur nächsten. Während der COVID-Pandemie waren Grafikkarten kaum oder nur zu horrenden Preisen verfügbar. In den darauffolgenden Jahren führten Ausfälle bei der Fertigung von Mikroprozessoren zu Engpässen für die Smartphone- und sogar die Autoindustrie. Aktuell sind es jedoch die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs, die explodieren. Der Grund: Der unersättliche Hunger von KI nach immer mehr Speicher. Diese Entwicklung trifft inzwischen auch große PC-Hersteller, die ihre Systeme neu kalkulieren müssen.
Übersicht
KI-Hunger frisst den Markt leer
Der Auslöser für diesen Preisschock liegt im rasanten Wachstum der KI-Industrie. Unternehmen wie OpenAI, Google oder große Cloud-Betreiber bauen weltweit neue Rechenzentren, die enorme Mengen an Speicher benötigen. Im Zentrum steht dabei vor allem High Bandwidth Memory (HBM), der für KI-Beschleuniger unverzichtbar ist.
Die Speicherhersteller verlagern ihre Kapazitäten zunehmend auf diesen besonders profitablen Speicher und vernachlässigen dadurch die Fertigung klassischer DDR4- und DDR5-Module für den PC-Markt. Da die Nachfrage nach normalen RAM-Modulen gleichzeitig stabil bleibt oder sogar steigt, entsteht ein massiver Engpass. Die Folgen sind unmittelbar spürbar: Die Preise für DRAM ziehen weiter an, während gleichzeitig immer weniger Einheiten produziert werden.
PC-Hersteller geraten unter Druck
Die Auswirkungen in der Branche sind für Kunden bereits deutlich erkennbar. Der Preis für einen DDR5-Speicherstick des Herstellers Crucial ist seit November 2024 von knapp 40 Euro auf mittlerweile fast 150 Euro gestiegen – ein Plus von 275 Prozent.
Nun kündigen auch die ersten PC-Bauer höhere Preise für ihre vorgefertigten PC-Systeme an. In den USA hat CyberPowerPC auf X (ehemals Twitter) gepostet, dass ab dem 7. Dezember die Preise für alle Systeme steigen. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass die globalen RAM-Preise seit dem 1. Oktober um 500 Prozent und die SSD-Kosten um 100 Prozent gestiegen seien.
Gegenüber „Wccftech“ warnt Wallace Santos, CEO des ebenfalls bedeutenden US-PC-Bauers Maingear, dass zunehmende Kosten und knappe Kontingente unweigerlich zu längeren Lieferzeiten und höheren Endpreisen führen dürften. Santos rät Kunden, ihre PC-Upgrades nicht auf die lange Bank zu schieben. Händler in den USA reagieren bereits mit täglichen Preisupdates für Arbeitsspeicher – ähnlich wie Fischrestaurants, die Hummer nach tagesaktuellen Marktpreisen berechnen.
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Auch SSDs und möglicherweise bald Grafikkarten teurer
Nicht nur Arbeitsspeicher ist betroffen. Auch die Preise für NAND-Flash – und damit für SSDs und SD-Karten – befinden sich im Aufwärtstrend. Samsung hat für seine Server-Chips bereits eine Preissteigerung von bis zu 60 Prozent angekündigt, wie Reuters berichtet.
Grafikkarten sind das nächste Item auf der Liste, das teurer werden könnte. Während die Chip-Hersteller die HBM-Produktion für KI-fokussierte Grafikkarten wie die Blackwell-Modelle von Nvidia hochfahren, könnten auch beim klassischen GDDR6-Videospeicher Engpässe entstehen.
Viele Unternehmen müssen nun entscheiden, ob sie größere Mengen an Speicher auf Vorrat kaufen sollen, um weiteren Engpässen vorzubeugen. Gleichzeitig besteht das Risiko, später auf teurer eingekaufter Ware sitzenzubleiben – etwa im Fall eines abrupten KI-Crashes. Sollte die KI-Blase platzen, könnten die Speicherpreise drastisch fallen.
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Was Verbraucher jetzt wissen müssen
Für Endkunden bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: Hardware-Upgrades werden auf kurze Sicht nur teurer. RAM- und SSD-Erweiterungen zählen zu den Komponenten mit dem höchsten Preisdruck, und auch Komplettsysteme werden die steigenden Einkaufspreise nach und nach an die Kunden weitergeben müssen.
Einige Hersteller wie Maingear betonen zwar, Preiserhöhungen so lange wie möglich abfedern zu wollen, doch angesichts der globalen Marktbedingungen rücken stabile Preise zunehmend in weite Ferne. Klar ist: Der Speicherhunger der KI-Industrie verändert den PC-Markt tiefergreifend und schneller als jede andere Entwicklung der vergangenen zehn Jahre.