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Datenkrake

Vorsicht, Smart-TVs und Streaming-Sticks greifen Nutzerdaten ab

Änderung der Lautstärke
Ständiges Ändern der Lautstärke nervtFoto: Getty Images

Überwachung aus dem Fernseher - TV-Geräte der neuen Generation sind mit dem Internet verbunden und öffnen Spionen damit häufig Tür und Tor. Forscher der Princeton University und der University of Chicago haben die Smart-TV-Sticks von Amazon und Roku (Sky) genauer untersucht.

In deutschen Haushalten werden herkömmliche TV-Geräte mehr und mehr von vernetzten Fernsehern der neuen Generation abgelöst. Diese sogenannten Smart-TVs erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Da die Neulinge über eine Internetverbindung verfügen, lassen sich mit ihnen Filme und Serien über Online-Mediatheken streamen oder herunterladen. Sie machen sogar Videokonferenzen möglich oder geben dem Nutzer die Möglichkeit, sich in soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter einzuloggen – während zeitgleich das laufende TV-Programm weiterverfolgt werden kann.

Big Brother is watching you

Doch all der Komfort der internetfähigen Geräte hat auch seine Schattenseiten. Dank der in den smarten TV-Geräten eingebauten Kameras und Mikrofone sowie der zugehörigen Sprachsteuerung bekommen die Hersteller der Produkte Einblick in die Nutzungsgewohnheiten der Verbraucher.

Forscher der Princeton University und der University of Chicago haben die Smart-TV-Sticks von Amazon und Roku untersucht und herausgefunden: Sie fangen etliche Nutzerdaten ab. Für die Analyse programmierten die Forscher einen Bot, welcher sich auf den tausend beliebtesten Kanälen anmeldete und diese dann im Minutentakt durchzappte. Dabei wurde der Netzverkehr untersucht und protokolliert, wie häufig Werbenetzwerke kontaktiert wurden, zum Beispiel um an diese Nutzerdaten weiterzugeben.

Der Studie zufolge tracken 89 Prozent der Kanäle der Smart-TV-Box von Amazon sowie 69 Prozent der Kanäle der Box des US-Unternehmens Roku, auf der zum Beispiel auch der Sky-Ticket-TV-Stick basiert, das Verhalten ihrer Nutzer. Die Tracker nehmen bei jedem Vorgang des Anwenders, bei jedem angeschauten Film etwa, Kontakt zu einer ganzen Reihe von Netzwerken auf. Die bekanntesten unter ihnen sind Google und Facebook.

Zu den weitergeleiteten Daten der Trackingdienste gehörten unter anderem der Standort der Smart-TV-Sticks, die Gerätenummern und Mac-Adressen. Auch die Titel der gestreamten Videos und WLAN-Kennwörter wurden abgegriffen.

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Samsung warnt vor Datenweitergabe

Die südkoreanische Firma Samsung weist die Nutzer ihrer Geräte sogar explizit auf die Weitergabe privater Daten hin: „Sollten Ihre Äußerungen persönliche Informationen enthalten, seien Sie sich bitte bewusst, dass auch diese Informationen Teil der aufgezeichneten Daten sind, die an Dritte weitergeleitet werden.“ Mit „Dritte“ sind auch hier Unternehmen wie Google oder Microsoft gemeint.

Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen reichte im Juni 2016 beim Landgericht Frankfurt eine Klage gegen Smart-TV-Marktführer Samsung ein.

Verbraucherschutz rät zur Vorsicht

Wer bereits einen Fernseher mit Kamera und Mikrofon sein Eigen nennt, sollte diese Tracking-Funktionen über die Geräteeinstellungen deaktivieren können. Abgesehen von den Einstellungsmöglichkeiten des Gerätes an sich kann immerhin die Linse der Kamera ganz altmodisch von Hand abgeklebt werden.

Wer keine Datenauswertung via Hersteller zulassen möchte, darf den Zugangscode für das WLAN nicht hinterlegen. Eine weitere Option wäre, den Smart-TV nicht via Ethernet mit dem Internet zu verbinden. Dann allerdings entfallen auch die „smarten“ Funktionen des neuen Gerätes wie etwa das Streamen von Serien und Filmen.

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Gegenmaßnahmen können umgangen werden

Die Einschränkung des Trackings sowie der anschliessenden Weitergabe der Nutzerdaten ist nur bedingt möglich. In den beiden untersuchten Smart-TV-Sticks (von Amazon und Roku) gibt es die Möglichkeit eine „Privacy Option“ zu aktivieren. Ist diese eingeschaltet, wird die sogenannte „Ad-ID“ nicht an „Dritte“ weitergegeben. In Smart-TV-Apps können Werbeanbieter anhand dieser Werbe-Identifikationsnummer geschaltete Anzeigen dem Nutzer entsprechend personalisieren. Den Forschern der zugrunde liegenden Studie zufolge ist das Einschalten dieser „Privacy Option“ jedoch nur wenig effektiv.

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