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Apple hat es mit dem iPhone 12 vorgemacht

Jetzt liefert ein weiterer Hersteller ein Smartphone ohne Ladegerät

Nach iPhone nun auch Xiaomi ohne Ladegerät
Nach dem iPhone 12 kommt nun auch das Xiaomi Mi 11 ohne mitgeliefertes LadegerätFoto: Getty Images

Zum Start des iPhone 12 sorgte Apples Entscheidung, kein Ladegerät mehr mitzuliefern, für Diskussionen. Jetzt folgt ein weiterer Hersteller, noch mehr könnten nachziehen.

Die Causa Ladegerät hat eine – mehr oder weniger unerwartete – Wendung genommen. Als Apple im Herbst 2020 sein neues iPhone 12 vorstellte und bekannt gab, kein Ladegerät mehr mitzuliefern, gab es ein größeres Medienecho. Einige Unternehmen nutzten anschließend das fehlende Ladegerät beim iPhone 12 für eigene PR-Stunts. Sowohl Xiaomi als auch Samsung setzten Posts auf Social Media ab, in denen sie damit prahlten, dass ihre Smartphones mit allem Nötigen – darunter auch einem Netzteil – kommen würden.

Erst lustig machen – dann nachmachen

Es ist nicht das erste Mal, dass andere Unternehmen einem kontroversen Beispiel Apples folgen. Auch über den Verzicht auf den 3,5-mm-Audioanschluss im iPhone 7 2016 haben sich Unternehmen wie Samsung und LG damals lustig gemacht. Nur vier Jahre später gibt es praktisch kein einziges Flaggschiff-Smartphone mehr, das noch eine Klinkenbuchse hat.

Der erste Hersteller, der sich nun das Lachen verkneifen sollte, ist Xiaomi. Vor zwei Monaten versicherte das Unternehmen noch in einem Tweet, dass Käufer keine Angst zu haben bräuchten, da beim Mi 10T Pro auch ein Ladegerät in der Box beiliege.

Nun hat Xiaomi-CEO Jun angekündigt, dass das nächste Flaggschiff Mi 11 nur noch mit einem Kabel kommt, wie The Verge berichtet. Die Ankündigung wurde auf dem chinesischen Social-Media-Portal Weibo gepostet.

Auch interessant: Die besten Ladegeräte für das iPhone 12

Xiaomi: Kein Ladegerät für mehr Umweltschutz

Jun begründet die Entscheidung mit Umweltbedenken und folgt damit der gleichen Argumentationslinie wie Apple. Übersetzen lässt sich der Inhalt des Posts, wie folgt:

Das Xiaomi Mi 11 wird mit brandneuer Verpackung vorgestellt, die sehr leicht und flach ist. Der Grund für die Flachheit ist eine wichtige Entscheidung, die wir getroffen haben: Als Reaktion auf den Ruf nach Technologie und Umweltschutz kommt das Xiaomi Mi 11 ohne Ladegerät.

Heutzutage hat jeder eine Menge ungenutzter Ladegeräte, was sowohl ein Problem für Sie als auch die Umwelt ist. Wir sind uns bewusst, dass diese Entscheidung möglicherweise nicht verstanden oder sogar beanstandet wird. Gibt es eine bessere Lösung zwischen Industriepraxis und Umweltschutz? Lassen Sie uns nächsten Montag auf der Mi-11-Pressekonferenz darüber sprechen.

Ähnlich begründete auch Apple den Verzicht auf ein Netzteil. Apple liefert das iPhone 12 allerdings mit einem USB-C- auf Lightning-Kabel aus. Wer das nicht hat, muss bei Apple ein USB-C-Ladegerät für knapp 24 Euro kaufen oder auf Dritthersteller zurückgreifen. Das stellt Apples Absicht in Frage, ob der Verzicht auf ein Ladegerät wirklich dem Umweltschutz dient – oder doch eher eine zusätzliche Einkommensquelle ist. Es bleibt nun abzuwarten, was für ein Kabel Xiaomi dem Mi 11 beilegt. Denn die meisten haben nur Ladegeräte mit einem USB-A-Ausgang zuhause herumliegen.

Xiaomi und Apple bleiben nicht allein

Xiaomi wird kaum der einzige Hersteller sein, der Apple nachahmt. Auch Samsung hatte sich zuerst über Apple lustig gemacht und ein Bild seines Ladegeräts auf Social Media gepostet – mit der Unterschrift „Inkludiert mit Ihrem Galaxy“. Nun hat das Unternehmen die Posts wieder gelöscht. Kein Wunder, denn allem Anschein nach plant Samsung mit dem Galaxy S21 ebenfalls auf ein mitgeliefertes Netzteil zu verzichten. Das Smartphone soll angeblich im Januar 2021 auf den Markt kommen.

TECHBOOK meint

„Nur zwei Monate, nachdem sich die Smartphone-Hersteller kollektiv über Apple lustig gemacht haben, zieht schon der erste nach und liefert ein Smartphone ohne Ladegerät. Ich kann den Umweltaspekt verstehen und unterstütze ihn. Aber dann bitte ohne die hohle Kommentare zu PR-Zwecken, wenn am Ende doch wieder alles nachgemacht wird.“ – Adrian Mühlroth, Redakteur

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