21. September 2025, 8:52 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Der Fortschritt macht es uns immer leichter, smarte Technologien zu nutzen. Erst wurden sie ins Smartphone integriert, dann konnten wir sie in Smartwatches bequem am Handgelenk tragen. Seit einiger Zeit kommen sie nun direkt aufs Ohr. Von Earbuds, die Gesundheitsdaten erfassen, über Kopfhörer mit Übersetzungsfunktion bis hin zu Hörgeräten, die sich in Smart-Ökosysteme einbinden lassen: TECHBOOK stellt die spannendsten smarten Geräte fürs Ohr vor.
Eigentlich gibt es smarte Geräte fürs Ohr schon seit Jahren. Den Anfang machte die Entwicklung von Kopfhörern, die nicht mehr per Kabel verbunden werden mussten, sondern via Bluetooth kabellos mit Smartphones, Tablets oder Computern kommunizieren konnten.
Moderne Modelle gehen da noch viel weiter. Sie erkennen beispielsweise automatisch, in welcher Umgebung sich der Träger gerade befindet, und passen den Klang entsprechend an – etwa in einem ruhigen Büro, in der Bahn oder auf einer lauten Straße. Smart ist auch, dass sich viele Kopfhörer, In-Ears und Hörgeräte heute direkt mit Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Google Assistant verbinden lassen. Teilweise können sie sogar Benachrichtigungen vom Handy weitergeben oder bestimmte Befehle per Sprachsteuerung ausführen.
Übersicht
Gesundheitsfunktionen – das Ohr als Messstation
Ausgefeilte Gesundheitsmessungen gehören zu den neuen „Kernkompetenzen“ der smarten Wearables fürs Ohr. Das erscheint nur konsequent und technisch naheliegend. Denn das Ohr mit seinem gut durchbluteten Gewebe ist ein hervorragender Bereich, um Körperwerte zu messen, da es nah am Gehirn und an wichtigen Blutgefäßen liegt. Aus diesem Grund werden auch Fieberthermometer für das Ohr verwendet. Smarte Kopfhörer nutzen dieses Prinzip, allerdings mit speziell entwickelten Sensoren, die dauerhaft und unauffällig messen können. So lassen sich beispielsweise Körpertemperatur, Herzfrequenz oder sogar die Sauerstoffsättigung erfassen – oft noch genauer als bei Smartwatches.
Bedeutende Produktbeispiele
Apple baut nicht nur seine Smartwatch als Gesundheitsgerät aus, sondern zunehmend auch die AirPods. Die Funktionen umfassen etwa:
- Hörtests zur Früherkennung von Hörverlust
- Lautstärkewarnungen und Schutzmechanismen vor Gehörschäden
- OTC-Hörhilfe-Funktion (Over-the-Counter): eine rezeptfrei zugängliche Hörhilfe für leichte bis mittlere Hörprobleme
Die neuen AirPods Pro 3 bekommen ein zusätzliches Gesundheitsfeature: Herzfrequenzmessung direkt im Ohr. Das Feature ist bereits aus den Powerbeats Pro 2 bekannt, die ebenfalls aus dem Hause Apple stammen. Der Vorteil: Für Workouts ist nicht mehr das Tragen einer Smartwatch oder eines Fitness-Armbands erforderlich. Die AirPods Pro 3 können etwa 50 verschiedene Workout-Arten tracken.
Ein weiteres Beispiel für die Verbindung von Hightech und Gesundheit ist das Signia Active Pro. Dabei handelt es sich um ein vollwertiges Hörgerät, das zusätzlich Musik-Streaming und Telefonate über Bluetooth ermöglicht. Das Gerät unterstützt bei Hörverlust, passt sich automatisch an verschiedene Umgebungen an und integriert spezielle Tinnitus-Therapien. Zusätzlich verfügt es über eine Schrittzählung und Aktivitätsmessung, sodass Nutzer ihre tägliche Bewegung im Blick behalten können. Somit kommt der Fitness-Tracker diskret aufs Ohr.
Komfort und Gehörschutz
Gleichzeitig ist das Ohr ein empfindliches Sinnesorgan, das neben dem Hören auch für den Gleichgewichtssinn zuständig ist. Lärm kann es nachhaltig schädigen. Viele moderne Kopfhörer und In-Ears verfügen über Features, die dabei helfen können, diese Risiken zu reduzieren. Darunter sind Lautstärke-Begrenzung oder Warnfunktionen, wenn man zu laut hört.
Viele Kopfhörer verfügen mittlerweile über eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC), die Umgebungsgeräusche reduziert. Damit lassen sich Inhalte bei niedrigerer Lautstärke wiedergeben und das Gehör schonen.
Übersetzungen live ins Ohr
Haben Sie Simultanübersetzer auch immer beeindruckt? Bei Live-Sendungen bekamen Fremdsprachler das Gesprochene beispielsweise direkt über kleine Kopfhörer ins Ohr geflüstert. Das Ganze kommt neuerdings ohne Menschen aus. Streng genommen gibt es dafür erste Ansätze schon eine Weile. Nischenmarken wie Timekettle oder Mymanu haben spezielle Übersetzer-Earbuds entwickelt, die Gespräche zwischen zwei Sprachen ermöglichen sollen. Diese frühen Modelle hatten allerdings noch Schwächen. Die Übersetzungen kamen oft mit spürbarer Verzögerung und häufig musste manuell zwischen den Sprachen hin- und hergeschaltet werden. Die heutigen Übersetzungssysteme für Kopfhörer sind da deutlich ausgereifter.
Live-Übersetzung direkt aufs Ohr! Apple plant neue AirPods-Funktion für Reisende
Versteckte AirPods-Funktion kann zum Abhören missbraucht werden
Alleskönner Apple AirPods Pro 3
Die bereits erwähnten Apple AirPods Pro 3 integrieren die Live-Übersetzung direkt ins Apple-Ökosystem und kombinieren sie mit Noise Cancelling sowie Hörtests in einem einzigen Gerät. Mithilfe künstlicher Intelligenz erkennt die Funktion Gesprochenes, verarbeitet es in Echtzeit und übersetzt sie direkt in die gewünschte Sprache. Voraussetzung für die Nutzung ist ein kompatibles Gerät mit Apple Intelligence, beispielsweise iPhone 15 Pro oder neuer.
Unterstützt werden Deutsch und mehrere weitere europäische Sprachen. Derzeit ist die Übersetzungsfunktion in der EU jedoch noch nicht verfügbar, wie TECHBOOK hier näher erklärt. Sie kann aufgrund der Interoperabilitätsanforderungen des Digital Markets Act (DMA) nicht bereitgestellt werden, doch Apple arbeitet laut eigener Aussage daran, eine Lösung zu finden.
Zu den bereits verfügbaren smarten Geräten fürs Ohr mit Live-Übersetzungsfunktion zählt das Timekettle W4 Pro. Es ermöglicht eine nahezu verzögerungsfreie bidirektionale Übersetzung. Das macht es besonders für Reisen oder internationale Meetings praktisch. Andere Geräte wie die Google Pixel Buds und die Samsung Galaxy Buds funktionieren bereits wie ein mobiler Dolmetscher und übersetzen Gespräche in Echtzeit.
Smarte Geräte fürs Ohr sind erst am Anfang
Man darf davon ausgehen, dass sich smarte Geräte fürs Ohr immer weiterentwickeln werden. Künftig könnte ein Paar Earbuds die Funktionen von Hörgeräten, Fitness-Trackern, Übersetzern und Sprachassistenten in sich vereinen. Der zu erwartende Fortschritt macht die Gadgets für technikaffine Nutzer ähnlich interessant wie für Personen, die ihre Gesundheit im Blick behalten oder einfach nur mit freien Händen im Alltag kommunizieren möchten. Die kleinen Helfer könnten bald zum ständigen Begleiter werden, ähnlich wie es das Smartphone heute schon ist.

