10. September 2025, 16:05 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Auf dem iPhone-Event am Dienstagabend hat Apple auch die AirPods Pro 3 vorgestellt. Die größte Neuerung der Ohrstöpsel: Live-Übersetzung. In Echtzeit sollen die AirPods damit in der Lage sein, andere Sprachen direkt in den eigenen Gehörgang zu übersetzen. Wer aber jetzt auf der deutschen Apple-Seite vorbestellen möchte, findet das Feature dort mit keinem Wort erwähnt. Woran liegt das?
Erst ein Blick auf die Support-Seite, die bislang nur in englischer Sprache verfügbar ist, verrät: „Die Live-Übersetzung mit AirPods ist nicht verfügbar, wenn Sie sich in der EU befinden und das Land oder die Region Ihres Apple-Kontos ebenfalls in der EU liegt.“ EU-Bürger sind also außen vor. Komisch, denn eigentlich unterstützt Live-Übersetzung neben Englisch, Französisch und Spanisch sogar Deutsch.
„Interoperabilität“ ist das Stichwort
Warum das so ist, weiß freilich nur Apple selbst. Basierend auf früheren Beispielen habe ich aber eine ziemlich gute Vorstellung, was das Problem sein dürfte. 2023 hat die EU Apple als sogenannten Torwächter identifiziert, der mit seinen etablierten Plattformen eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Für das Unternehmen gelten daher besondere Ansprüche, vor allem bei der Interoperabilität seiner Systeme.
Damit ist gemeint, dass Apple seine Kerntechnologien für Dritte zugänglich machen muss. Im März 2025 hatte die EU Fristen für die Umsetzung dieser Vorgabe angekündigt. Apple war damals ganz und gar nicht erfreut über diese Entscheidung – „Das ist schlecht für unsere Produkte und für unsere europäischen Nutzer:innen.“ Man signalisierte aber, die Forderungen umsetzen zu wollen.
Auf TECHBOOK-Nachfrage hat Apple bestätigt, dass Live-Übersetzung nicht mit einem europäischen Apple-Account nutzbar ist. Zu den möglichen Gründen wollte sich das Unternehmen nicht offiziell äußern.
EU-Bürger bei Live-Übersetzung Apple-Kunden zweiter Klasse
Schon damals blieb ich mit der Frage zurück, ob wir in der EU zu Apple-Kunden zweiter Klasse werden. Denn Apple Intelligence war zu diesem Zeitpunkt bereits ein halbes Jahr auf dem Markt und noch nicht in der EU verfügbar. Die Spiegelung des iPhone-Bildschirms auf Macs ist damals wie heute nicht für Europa freigeschaltet und wird wahrscheinlich auch nicht mehr kommen. Live-Übersetzung dürfte das nächste Kapitel in dieser Geschichte sein. Stand jetzt ist das Feature weder verfügbar, noch gibt es Aussicht auf einen Start in der EU.
Es ist eine Warnung an die europäischen Machthaber, dass Apple sich den EU-Spielregeln nicht wehrlos unterwirft. Zumindest, wenn sie über ein vernünftiges Maß hinausgehen. Ich kann es dem Unternehmen nicht übel nehmen. Denn wozu Ressourcen in neue Technologien stecken, wenn diese ohnehin Dritten zugänglich gemacht werden müssen? Live-Übersetzung ist DAS neue Feature für AirPods. Wenn Verfügbarkeit in der EU bedeutet, dass die Konkurrenz es auch benutzen kann, würde ich mich an Apples Stelle ebenfalls zurückhalten.
Als Kunde in der EU ist das für mich allerdings maximal unerfreulich. Schließlich zahlen wir hier den gleichen Preis wie alle anderen – bekommen aber weniger.

