In Datteln warten derzeit mehr als 600 Schülerinnen und Schüler auf neue Tablets für den Unterricht an ihren Schulen Foto: Getty Images
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Przemyslaw Szymanski
3. Juli 2026, 13:33 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
An vielen Schulen gehören Tablets inzwischen fest zum Unterricht. Sie werden für Aufgaben, Unterrichtsmaterialien und die zentrale Verwaltung der Geräte genutzt. Welche Tablets eine Schule anschafft, ist deshalb nicht nur eine technische Entscheidung. In Datteln ist genau diese Frage jetzt vor Gericht gelandet. Samsung geht gegen die Stadt vor, weil sie bei neuen Geräten erneut auf iPads setzen möchte.
Nachkauf sorgt für juristischen Streit
Auslöser des Verfahrens ist eine geplante Nachbeschaffung von Tablets. In Datteln müssen mehrere Hundert Geräte ersetzt oder zusätzlich gekauft werden, damit die digitale Ausstattung der Schulen erhalten bleibt. Aktuell sind dort mehr als 2700 iPads im Einsatz. Viele stammen noch aus der Corona-Zeit. Die Stadt möchte bei diesem System bleiben, weil Unterricht, Apps, Verwaltung und das Gerätemanagement bereits darauf abgestimmt sind. Nach ihrer Einschätzung wäre ein Wechsel auf Android-Geräte nur möglich, wenn die gesamte digitale Schulumgebung neu aufgebaut würde.
Samsung hält das Vorgehen für problematisch. Das Unternehmen möchte erreichen, dass öffentliche Aufträge nicht automatisch an Apple gehen. Die Stadt verweist dagegen auf ihre bestehende Infrastruktur mit iPads. Vor der Vergabekammer Westfalen bekam zunächst Datteln recht. Samsung legte anschließend Beschwerde ein. Jetzt befasst sich das Oberlandesgericht Düsseldorf mit dem Fall. Eine Entscheidung wird für September erwartet.
Wie der WDR berichtet, hält Rechtsanwalt Arndt Kempgens es für möglich, dass der Rechtsstreit später auch den Europäischen Gerichtshof erreicht. Nach seiner Einschätzung spricht das deutsche Recht eher dafür, dass Städte weiterhin Apple-Tablets nutzen dürfen. Da es zugleich um neue öffentliche Aufträge geht, könnte daraus aber eine Grundsatzentscheidung für den EuGH entstehen.
Schulen warten auf neue Geräte
Für die Schulen hat das Verfahren bereits konkrete Folgen. Nach den vorliegenden Informationen werden in Datteln vorerst keine neuen Tablets angeschafft. Dadurch warten mehr als 600 Schülerinnen und Schüler auf Geräte. Die Stadt kann die Beschaffung auch nicht einfach auf eigenes Risiko durchführen. Sollte sie den Rechtsstreit verlieren, müsste der Auftrag möglicherweise rückabgewickelt werden. Anschließend wäre eine neue Klärung der Beschaffung nötig. Das würde den Einkauf weiter verzögern und die Wartezeit für die Schulen verlängern.
Der Rechtsstreit ist nicht nur für Datteln von Bedeutung. Laut WDR sind in Duisburg mehr als 54.000 iPads im Einsatz, in Essen rund 74.000 und in Dortmund sogar 86.000. Deshalb verfolgen auch andere Kommunen das Verfahren aufmerksam. Für sie geht es um die Frage, ob eine bereits aufgebaute digitale Schulumgebung bei einer Nachbeschaffung stärker berücksichtigt werden darf als der offene Wettbewerb. Davon hängt ab, ob bestehende Tablet-Bestände künftig weiterhin vergleichsweise unkompliziert ergänzt werden können oder ob jede neue Beschaffung umfangreicher begründet werden muss.
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