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Apple verrät, warum so viele neue Funktionen nicht in die EU kommen

In der EU müssen Apple-Nutzer seit längerer Zeit Abstriche machen
In der EU müssen Apple-Nutzer seit längerer Zeit Einschränkungen hinnehmen Foto: picture alliance / Anadolu | Osmancan Gurdogan
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Adrian Mühlroth
Redakteur

26. September 2025, 8:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

„Wir können nicht alle Herausforderungen lösen, die der DMA mit sich bringt.“ Selten hört man von Apple die Aussage, dass man etwas nicht kann. Doch wenn es um die vielen Funktionen – Live-Übersetzung, iPhone-Synchronisierung, AirPods als Video-Mikrofon – geht, die nicht in der EU verfügbar sind, ist genau das die Begründung: Die Anforderungen sind zu hoch und nicht fair. Hat das Unternehmen recht oder will es sich einfach nur nicht in die Karten schauen lassen? TECHBOOK klärt auf.

Was der DMA in der EU für Apple bedeutet

2022 hat die EU eine Verordnung eingeführt, um digitale Dienste und Plattformen strenger zu regulieren. Der sogenannte Digital Markets Act (dt. Gesetz über digitale Märkte) verpflichtet große Technologieunternehmen wie Apple, bestimmte Funktionen auch für Drittanbieter zugänglich zu machen und alternative App-Marktplätze sowie Zahlungssysteme zuzulassen. Im Rahmen des DMA hat die EU 2023 zudem das Unternehmen als Torwächter identifiziert, der mit seinen etablierten Plattformen eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Die Europäische Kommission hat deshalb eine Reihe von besonderen Anforderungen formuliert, die Apple dazu zwingen, seine Kerntechnologien für Drittunternehmen zugänglich zu machen.

In einem Presse-Statement kommuniziert der Konzern nun unerwartet offen, welche Einschränkungen diese Anforderungen für Nutzer bedeuten:

„Der DMA verpflichtet Apple dazu, dass bestimmte Features auch auf Nicht-Apple-Produkten und -Apps funktionieren, bevor wir sie unseren Nutzer:innen zur Verfügung stellen dürfen. Leider ist dafür erheblicher Entwicklungsaufwand erforderlich, was dazu geführt hat, dass einige neue Features in der EU verzögert eingeführt werden.“

Ich hatte bereits Anfang 2025 davor gewarnt, dass Apple seinen „Walled Garden“-Ansatz – also den Schutz seiner innovativen und exklusiven Technologien – nicht einfach aufgeben wird. Die Idee der EU ist zwar richtig, da Dritte aufgrund der Abschottung nach außen keine Möglichkeit haben, mit Apples Features zu konkurrieren. Nun zeigt sich aber, dass der Ansatz, das Unternehmen zur Öffnung dieser Kerntechnologien zu zwingen, nicht zum gewünschten Ergebnis führt.

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Die Liste der fehlenden Funktion wächst immer weiter

Neue Funktionen können Apple zufolge nur in der EU erscheinen, wenn sie direkt zum Start auch für Dritte zugänglich sind. Führt das Unternehmen eine Neuheit ein, ohne sich an diese Vorgabe zu halten, drohen eine Geldstrafe und sogar ein Vertriebsverbot.

Keine iPhone-Synchronisierung

Als erste Technologie war die iPhone-Synchronisierung mit dem Mac davon betroffen, die 2024 mit iOS 18 erschienen ist. Das Feature ermöglicht, den iPhone-Bildschirm in einem Fenster auf dem Mac anzuzeigen und das Smartphone so aus der Ferne zu benutzen, Nachrichten zu schreiben, Fotos und Dateien zu verschieben und auf Apps zuzugreifen. Laut Apple haben die Entwickler „bislang jedoch keine sichere Möglichkeit gefunden, diese Funktion auf Nicht-Apple-Geräte zu bringen, ohne sämtliche Nutzerdaten auf dem iPhone zu gefährden“. Auch die KI-Werkzeuge von Apple Intelligence, die 2024 ebenfalls mit iOS 18 erschienen sind, haben es erst Anfang 2025 nach Europa geschafft.

Keine Live-Übersetzung

Mit iOS 26 hat sich die Situation nur weiter verschlimmert. Erst kürzlich hat TECHBOOK entdeckt, dass die neue Funktion, die die Verwendung von AirPods Pro 3 als Mikrofon für Videoaufnahmen erlaubt, nicht in Deutschland verfügbar ist. Gleich mehrere groß angekündigte Funktionen von iOS 26 – Live-Übersetzung mit AirPods sowie Visited Places und Preferred Routes in Apple Maps – sind ebenfalls in der EU nicht verfügbar. Letztere speichern den Nutzerstandort lokal auf dem Gerät ab, sodass auch Apple selbst keinen Zugriff darauf hat. Dem Konzern zufolge ist es nicht möglich, die für die Funktionen benötigten Daten an Dritte weiterzugeben, ohne ihnen auch den Nutzerstandort mitzuteilen.

Bei Live-Übersetzung mit AirPods verhält es sich ähnlich. Die übersetzten Gespräche werden auf dem Gerät selbst verarbeitet und sind auch Apple nicht zugänglich. Hier arbeitet der Konzern aber zumindest an einer Lösung, Dritten Zugriff auf die Funktion zu geben, ohne die privaten Gespräche zu übermitteln.

Lesen Sie weiter: Apple bringt Live-Übersetzung auf AirPods – warum gehen wir leer aus?

Eigenen Angaben zufolge hat Apple „Änderungen an diesen Features vorgeschlagen, die den Schutz der Nutzerdaten gewährleisten würden“. Die Europäische Kommission habe diese aber abgelehnt.

Apple appelliert an EU

Offiziell soll der DMA mehr Wettbewerb und Auswahl schaffen. Apple sieht jedoch gegenteilige Entwicklungen, die sich negativ auf die Nutzer auswirken. Sie hätten weniger Auswahl, da neue Features später oder gar nicht erscheinen. Außerdem würden die Unterschiede zwischen verschiedenen Plattformen schwinden. Dadurch, dass iOS-exklusive Features auch von anderen nutzbar wären, fielen die Alleinstellungsmerkmale weg, die es etwa von Android unterscheiden. Zudem sieht sich Apple durch den Status als Torwächter unfair behandelt. Samsung etwa habe einen größeren Marktanteil in Europa, sei aber nicht als Torwächter identifiziert. Strengere Regeln gelten so nur für Apple, nicht aber für die starke Konkurrenz.

Apple zufolge schade der DMA den Nutzern der EU und schwäche die Innovationskraft. Das Unternehmen investiere zwar weiter tausende Stunden, um die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. Daher richtet Apple einen Appell an die Politik: Die Regulierungsbehörden sollten genau prüfen, welche Folgen das Gesetz für europäische Verbraucher hat. Apple betont: „Wir sind überzeugt: Unsere Nutzer:innen in der EU verdienen das beste Erlebnis mit unserer Technologie, und zwar auf dem gleichen Niveau, das wir auch im Rest der Welt bieten – und genau dafür werden wir auch weiterhin kämpfen.“

Adrian Mühlroth
Redakteur

Verbraucher gehen leer aus

„Ich halte die Anstrengungen der Europäischen Kommission, der Marktmacht von US-Giganten wie Apple Einhalt zu gebieten, durchaus für nobel. Das Ziel des DMA ist es, Nutzern mehr Auswahl zu ermöglichen. Aber das lässt sich mit der aktuellen Strategie, das Unternehmen zur Öffnung seiner Kerntechnologien zu zwingen, nicht erreichen.

Es ist mir durchaus klar, dass Apples Argumente bewusst so ausgelegt sind, dass sie die EU allein dafür verantwortlich machen, dass neuen Funktionen nicht hier erscheinen. Auch den Datenschutz als Grund für alle Punkte anzuführen, halte ich für übertrieben. Ich bin mir sicher, der Konzern hat Kapazitäten, zumindest einen Teil davon relativ schnell und einfach für Dritte zu öffnen – ohne den Datenschutz zu gefährden.

Ich ärgere mich jedes Mal erneut darüber, dass ich meine AirPods immer noch nicht als Mikrofon in Videos benutzen kann. Dass ich nicht meinen iPhone-Bildschirm auf meinem MacBook spiegeln kann. Dass ich immer das Gefühl haben muss, irgendwas fehlt wieder. Aber ich kann es Apple nicht verübeln, dass es keine Eile hat, proprietäre und teuer entwickelte Technologien einfach weiterzugeben. Die Schuld trifft mindestens zum gleichen Teil auch die Europäische Kommission, die uns diese Situation gebracht hat.“

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