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Fotografie

Reicht die Einzelkamera im neuen iPhone SE für gute Fotos aus?

Das neue iPhone SE
Das neue iPhone SEFoto: Apple

Die Kamera eines Smartphones ist heute eines der wichtigsten Verkaufsargumente. Doch während ein Gerät gleich bis zu fünf Kameras auf der Rückseite besitzt, kommen andere noch mit einer einzelnen Linse aus. So auch das neue iPhone SE. Wirkt sich das auf die Fotoqualität aus?

Seit Jahren experimentieren die Smartphone-Hersteller mit der Kameraausstattung ihrer Geräte. Vor einigen Jahren waren Lösungen mit nur einem Sensor noch Standard. 2011 kam es dann der Trend der 3D-Kameras auf, der aber schnell fallen gelassen worden ist. Die erste große Veränderung gab es 2014 schließlich mit der Einführung brauchbarer Dual-Kameras. Mittlerweile haben die meisten Smartphones sogar drei, vier oder bis zu fünf Objektive auf der Rückseite. Andere wiederum – wie das Google Pixel 3a oder das frisch vorgestellte neue iPhone SE – kommen mit einem einzelnen Objektiv aus. Da stellt sich die Frage: Wie viele Kameras braucht ein Smartphone für wirklich gute Fotos?

TECHBOOK hat mit den Experten für Smartphone-Fotografie Herbert und Alexander Mrosek von der Fotoschule Blende-16 in Nürnberg gesprochen und liefert Antworten.

Handy-Kameras werden zu Spezialisten

Der Platz in den engen Smartphone-Gehäusen ist begrenzt. Es gibt daher kaum Möglichkeiten, größere Sensoren unterzubringen. Seit einigen Jahren verbauen die Hersteller daher zusehends Objektive in ihren Smartphones, die sich auf bestimmte Szenarien spezialisiert haben. So helfen beispielsweise Tiefensensoren bei der Aufnahme besserer Porträts, Tele-/Periskop-Sensoren beim optischen Zoom, ultrabreite Sensoren bei der Aufnahme breiterer Bilder und ToF-Sensoren (Time of Flight) bei der Aufnahme noch besserer Porträts (mit Hilfe einer weiterentwickelten Tiefenkartierungstechnologie).

Im Grunde ist diese Aufteilung der Kamerafunktionen auf die speziellen Sensoren ein Vorteil. Denn dadurch ist ein einzelner Sensor nicht mehr gleichermaßen für Zoom, Bokeh und andere Funktionen zuständig. Zudem fangen mehrere Sensoren auch mehr Licht ein und sorgen so für bessere Aufnahmen. Das nun zwei, drei oder gar knapp ein halbes Dutzend Kameras für die Erstellung eines einzigen Fotos eingesetzt werden können, ist eine logische Folge in der Entwicklung der Smartphone-Fotografie.

Sind also mehrere Kameras notwendig, um gute Aufnahmen zu machen?

Ja und nein. Ja, denn es gibt einige Dinge, die man mit Software noch nicht erreichen kann. Zum Beispiel ist die Anpassung eines breiteren Rahmens in einer Nahaufnahme nur mit einem Weitwinkelobjektiv möglich. Auch ist ein verlustfreier Zoom nicht allein durch Software, sondern nur durch ein Teleobjektiv möglich.

Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass das Telefon über eine hervorragende Bildverarbeitung verfügt, um die Vorteile der gegebenen Hardware nutzen zu können. Denn ist die Kamera-Software schlecht, lassen sich auch mit einer Penta-Kamera keine guten Fotos machen. Gleichzeitig lässt sich mit guten Bildprozessoren und guter Software aus einer einzelnen Kamera wahnsinnig viel herausholen.

So ist beispielsweise das Google Pixel 3a, obwohl es nur eine einzige Kamera hat, immer noch eines der besten „Kamerahandys“ auf dem Markt. Seine Bildverarbeitungsalgorithmen und sein dedizierter Bildverarbeitungschip machen das Beste aus der begrenzten Hardware.

Nokia 9 PureView vs. iPhone SE
Penta-Kamera des Nokia 9 PureView vs. Einzel-Kamera des neuen iPhone SE
Foto: Nokia, Apple

iPhone SE: „Das beste Ein-Kamera-System in einem iPhone“

Ähnlich ist es auch bei Apple. Die iPhones des Herstellers sind seit jeher für ihre guten Fotoqualitäten bekannt, auch wenn Apple erst seit Kurzem mehrere Sensoren verwendet. Erst mit dem iPhone 7 Plus setzte das Unternehmen auf eine Dual-Kamera, eine Triple-Kamera gibt es sogar erst seit dem im September 2019 vorgestellten iPhone 11 Pro.

Hier finden Sie alle Informationen zum neuen, günstigen iPhone SE

Das neu vorgestellte iPhone SE bringt hingegen nur eine einzelne Kamera auf der Rückseite mit. Mit ihren 12 Megapixel Auflösung, dem Weitwinkel-Objektiv, der f/1.8-Blende sowie dem verbesserten Portraitmodus und der 4K-Videoaufnahme entspricht die Kameratechnik der des iPhone Xr. Und dieses schnitt in diversen Kameratests hervorragend ab. Wie das Google Pixel 3a belegte es im Test von DxOMark 101 Punkte. Zum Vergleich: Der aktuelle Spitzenreiter, das Huawei P40 Pro, erreichte im gleichen Kameratest 128 Punkte. Apple selbst nennt die Kamera des neuen iPhone SE „das beste Ein-Kamera-System in einem iPhone“.

An diesen Beispielen zeigt sich, dass Nutzer auch aus einer einzelnen Kamera sehr viel herausholen können, wenn die Technik dahinter und die Software passen. „Letztendlich dient die Anzahl der jeweils integrierten ‚Smartphone-Objektive‘ zum individualisieren der jeweiligen Motiv-Situation“, bestätigt auch Mrosek. Seiner Einschätzung nach könne man – technisch gesehen – schon heute aus einem einzigen Smartphone-Objektiv noch viel mehr herausholen, so dass ein einziges Objektiv eigentlich ausreichend ist.

Auf die Kenntnisse des Fotografen kommt es an

Doch die beste Ausstattung und Software nutzt nichts, wenn dahinter jemand steht, der sich nicht auskennt. Wie für viele Situationen gilt diese Weisheit auch für die Fotografie. „Gute Fotos sind kein Zufall“, so Herbert Mrosek. „Sie sind das Ergebnis aus Wissen, Technik und Intuition. Sie erfordern umfangreiche Kenntnisse über Fototechnik und Bildkomposition vom Fotografen.“

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Die Smartphone-Hersteller werben durch immer bessere Software und vor allem durch immer intelligentere Systeme damit, das nahezu jeder Nutzer mit einem Klick Bilder fast in Profi-Qualität aufnehmen kann. Doch die Foto-Experten sind skeptisch. Denn genau das essentielle Know-how, das es für gute Fotos nun mal brauche, würde durch verstärkten Einsatz von künstlicher-Intelligenz dem Fotografen Schritt für Schritt genommen. Man müsse schlichtweg immer weniger Mitdenken und verlerne dadurch leider auch, auf genau diese fotografisch essentiellen Dinge bewusst zu achten.

Möchten Smartphone-Besitzer mit ihrem Gerät gute Fotos machen, ist es daher sinnvoll, dass sie zumindest die Grundkenntnisse der Fotografie verstehen.

TECHBOOK meint

Die reine Anzahl der Kameras garantiert noch keine guten Fotos. Umgekehrt sind mehrere Kameras aber auch nicht hinderlich. Am Ende entscheiden oftmals die Software und der individuelle Geschmack. Wir raten, bei neuen Modellen die Anzahl der Kameras auszublenden und lieber testweise ein paar Bilder bei unterschiedlichen Lichtsituationen zu schießen. Am Ende kommt es darauf an, dass Ihnen die Bilder gefallen.

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