17. November 2025, 7:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Wer ein freies Zimmer hat oder die eigene Wohnung zeitweise nicht braucht, kann sie heute unkompliziert mit anderen teilen – und dabei sogar etwas verdienen. Genau aus diesem Gedanken entstand Airbnb, die inzwischen bekannteste Plattform für private Kurzzeitvermietungen. TECHBOOK geht näher auf die Entstehungsgeschichte und Funktionsweise von Airbnb ein.
Die Entstehungsgeschichte der Online-Plattform Airbnb
Für viele Reisende gehört es heute ganz selbstverständlich dazu, neben Hotels auch die Angebote auf Airbnb zu vergleichen. In der Regel sind die privat vermieteten Wohnungen oder Zimmer die günstigere Alternative. Und die sind vor allem denn eine gute Wahl, wenn man z. B. in einer Gruppe verreisen und gemeinsam unterkommen möchte. Airbnb eröffnet damit Möglichkeiten, die vor rund 20 Jahren noch undenkbar gewesen wären. Die Idee zu diesem Vermittlungsportal war 2007 entsprechend genial – und wie die Gründer darauf kamen, erzählen sie auf der Airbnb-Website selbst.
Besagte Gründer sind namentlich Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk. Chesky und Gebbia lebten damals zusammen in einer WG in San Francisco, wo im Jahr 2007 eine Designkonferenz stattfand. Die Folge: Hotels waren ausgebucht oder völlig überteuert. Also stellten die beiden eine Luftmatratze in ihrem Wohnzimmer auf und boten zudem Frühstück an. So erklärt sich auch der Name des Geschäftsmodells, das durchaus erfolgreich werden sollte: „Airbed & Breakfast“ (zu Deutsch: Luftmatratze und Frühstück), später abgekürzt zu „Airbnb“. Der später hinzugekommene Blecharczyk entwickelte die Website und das Unternehmen wurde 2008 offiziell gegründet.
So funktioniert es
Es funktioniert so, dass private oder gewerbliche Anbieter verfügbare Zimmer, Wohnungen oder ganze Häuser zur Vermietung inserieren. Sie selbst bestimmen die Preise für ihre Unterkünfte sowie die zeitliche Verfügbarkeit und Buchungsregeln. Reisende können die verschiedenen Angebote von Vermietern auf der Airbnb-Website bzw. in der App ansehen. Das Objekt der Wahl können sie direkt buchen oder zunächst eine Anfrage an den Gastgeber senden. Eine Buchung gilt als bestätigt, wenn die Zahlungsdaten (z. B. Kreditkarte, Debitkarte, PayPal oder Geschenkkarte) überprüft wurden.
Weil verschiedene Fixkosten (z. B. für Empfangspersonal, Reinigung und Gastronomie) und Gebühren entfallen, die Hotels erheben müssen oder können, sind Buchungen bei Airbnb preiswerter. Das müssen sie auch sein – sonst würde das Konzept nicht aufgehen. Reisende würden bei Hotels bleiben, die verschiedene Services bieten, die bei privat vermieteten Unterkünften meist nicht verfügbar sind.
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Vermieter müssen bei der Nutzung von Airbnb eine Reihe gesetzlicher Vorgaben beachten. So sind die über die Plattform erzielten Einnahmen grundsätzlich steuerpflichtig. In vielen deutschen Großstädten gelten zudem Zweckentfremdungsverbote und Genehmigungspflichten. In Berlin etwa dürfen Nebenwohnungen ohne Sondergenehmigung höchstens 90 Tage im Jahr kurzfristig vermietet werden, wie die Senatsverwaltung erläutert.
Auf EU-Ebene wurden 2024 mit der Verordnung (EU) 2024/1028 neue Regeln beschlossen: Plattformen müssen künftig Gastgeberdaten bereitstellen, und es soll eine Registrierungspflicht eingeführt werden. Verstöße gegen diese Vorschriften oder Meldepflichten können mit hohen Bußgeldern geahndet werden.
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Die Aufgaben und Leistungen von Airbnb
Airbnb stellt die komplette digitale Infrastruktur bereit – von der Zahlungsabwicklung bis zum für viele Nutzer entscheidenden Bewertungsbereich –, damit Gastgeber und Gäste unkompliziert miteinander in Kontakt treten können. Das Unternehmen moderiert die Community-Standards und bietet als Plattformbetreiber zusätzliche Versicherungs- und Garantie-Mechanismen an. Außerdem optimiert Airbnb Preise und Angebote regional, um Buchungen gezielt zu steuern, und passt sein flexibles Gebührenmodell regelmäßig an Marktbedingungen und Nutzerbedürfnisse an.
Auf seiner Website betont das Unternehmen, dass es bestimmte Regeln durchsetzt, „um die Integrität der Airbnb-Plattform zu schützen“. Das ist zunehmend notwendig: Wie bei vielen anderen großen Online-Plattformen kommt es auch bei Airbnb immer häufiger zu Betrugsversuchen. Kein Wunder – weltweit interagieren Millionen privater Nutzer direkt miteinander. Das bietet eine erhebliche Angriffsfläche für Missbrauch: von Fake-Inseraten über Phishing und Zahlungsbetrug bis hin zu Identitätsdiebstahl.
Eine gängige Masche ist zudem das Manipulieren von Fotos, um Unterkünfte attraktiver wirken zu lassen. Das Reisemagazin TRAVELBOOK erklärt hier, wie man sich vor Betrug auf Airbnb schützen und im Ernstfall richtig reagieren kann.
Zuletzt hat Airbnb sein Leistungsangebot erweitert. Im Mai dieses Jahres führte das Portal verschiedenste Alltagsdienste ein – von Massagen über Friseure bis hin zu Privatköchen – sowie Ausflüge und Events; TECHBOOK berichtete.
Airbnb bietet jetzt auch Ausflüge und Events
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Wie das Vermittlerportal verdient
Haupteinnahmequellen von Airbnb sind Service- und Vermittlungsgebühren, die bei jeder Buchung anfallen. Gäste zahlen in der Regel eine Servicegebühr, die je nach Buchung zwischen wenigen und zweistelligen Prozentpunkten der Gesamtsumme liegt. Gastgeber – also die privaten Eigentümer der Unterkünfte – entrichten eine Provision. Für gewerbliche Anbieter oder alternative Gebührenmodelle können die Sätze höher ausfallen.
Zusätzliche Einnahmen erzielt Airbnb über Angebote wie „Airbnb Experiences“, Reinigungsgebühren, das Geschäftsreiseprogramm „Airbnb for Work“ oder spezielle Tools für professionelle Gastgeber. Darüber hinaus nutzt das Unternehmen regionale Preis- und Angebotsoptimierungen, um Buchungen gezielt zu steuern.
Vor- und Nachteile des Modells
Mit Airbnb können Vermieter etwas dazuverdienen und Reisende Geld sparen. Durch die Möglichkeit der Kurzzeitvermietung können Nutzer authentische Erfahrungen an einem Reiseziel machen. Ebenso können die Orte selbst wirtschaftlich profitieren.
Doch es gibt auch Kritikpunkte. Dazu zählen negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt wie Wohnungsmangel und steigende Mieten. Vor allem in beliebten Städten kann die Verfügbarkeit von Airbnb-Unterkünften das Wohnungsangebot für Einheimische verknappen und die Miet- und Kaufpreise in die Höhe treiben.
Airbnb heute
Nach seiner Gründung erfuhr das Unternehmen ein rasantes Wachstum. Einen ersten Einbruch erlebte es hingegen während der Coronapandemie, die sich bekanntermaßen extrem auf das Reisen ausgewirkt hat. Die oben beschriebene Ausweitung des Leistungsangebots trug jedoch maßgeblich dazu bei, dass sich Airbnb rasch davon erholen konnte.
Heute zählt es zu den wertvollsten Plattformunternehmen der gesamten Reisebranche. Airbnb spielt in einer Liga mit klassischen Touristikriesen wie Booking Holdings oder Expedia – obwohl das Unternehmen keine eigenen Hotels oder Immobilien besitzt. Laut Zahlen von Market Cap Watch vom November 2025 ist das US-Unternehmen an der Börse rund 77 Milliarden US-Dollar wert. Dieser Wert kann schwanken, er belegt jedoch, dass Anleger Airbnb langfristig stabile Erträge zutrauen.
Die Airbnb-Gründer sind noch heute aktiv in das Unternehmen eingebunden und bestimmen maßgeblich die strategische Ausrichtung der Plattform mit. Wie es wirtschaftlich läuft, also wie viele Buchungen es gibt, welche Umsätze erzielt werden und wie sich die Nutzerzahlen verändern, veröffentlicht Airbnb in quartalsweise und jährlich erscheinenden Geschäftsberichten.