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Der unerwartete Aufstieg

Creme, Plastik, Fernseher – so wurde LG zum Weltkonzern

LG ist für seine guten Fernseher bekannt. Mit dem StanbyME Go gibt es nun ein ganz besonderes Modell
LG gehört neben Samsung zu den bekanntesten Herstellern aus Südkorea Foto: Getty Images
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20. August 2026, 12:20 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Fernseher, Kühlschränke, Waschmaschinen: LG gehört heute zu den bekanntesten Elektronikherstellern der Welt. Doch wie entsteht aus einer kleinen südkoreanischen Kosmetikfirma ein international tätiger Technologiekonzern? Wer steckt hinter dem Unternehmen, und wofür stehen die beiden Buchstaben LG?

Die Antwort führt zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Während Nokia seine frühen Erfolge mit Gummistiefeln und Fahrradreifen erzielt, beginnt die Geschichte von LG mit einer Gesichtscreme.

Heute verbindet der Konzern die Abkürzung LG mit dem Slogan „Life’s Good“. Ursprünglich stehen die beiden Buchstaben jedoch für „Lucky Goldstar“. Der Name Goldstar dürfte vor allem älteren Verbrauchern noch bekannt sein: Unter dieser Marke verkauft das Unternehmen über Jahrzehnte Fernseher, Videorekorder und andere Elektronikgeräte. Am Anfang der Unternehmensgeschichte steht allerdings weder ein Fernseher noch ein Haushaltsgerät, sondern die Gesichtscreme „Lucky Cream“.

LG startet als Kosmetikfirma

Um seine neu entwickelte Gesichtskosmetik zu vermarkten, gründet der südkoreanische Unternehmer Koo In-hwoi 1947 die „Lucky Chemical Industrial Co.“. Die unter dem Namen „Lucky Cream“ verkaufte Gesichtscreme entwickelt sich rasch zum Verkaufserfolg und legt den Grundstein für das Familienunternehmen.

Schon bald steht die junge Firma vor einem praktischen Problem: Für die Creme fehlt eine geeignete Verpackung. In den frühen 1950er-Jahren macht die Herstellung von Kunststoffen große Fortschritte. Lucky Chemical beginnt deshalb, die benötigten Kunststoffbehälter selbst zu produzieren.

Die Suche nach einem Cremetiegel eröffnet dem Unternehmen damit überraschend ein neues Geschäftsfeld. Aus der Verpackung für ein einzelnes Kosmetikprodukt entsteht ein wachsendes Sortiment an Kunststoffwaren. Lucky Chemical fertigt unter anderem Kämme, Seifenablagen, Zahnbürsten und weitere Alltagsgegenstände.

Die Produkte treffen auf eine wachsende Nachfrage. In den 1950er-Jahren entwickelt sich die kleine Kosmetikfirma deshalb zunehmend zu einem Hersteller unterschiedlicher Konsumgüter. Dieser Schritt erweist sich als entscheidend: Die Erfahrung mit Kunststoffen erleichtert Lucky Chemical später den Einstieg in einen Markt, der das Unternehmen grundlegend verändern wird.

Goldstar steigt in die Elektronikbranche ein

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steigt weltweit die Nachfrage nach technischen Geräten. Radios und Fernseher halten zunehmend Einzug in die Haushalte. Für ihre Produktion werden zahlreiche Kunststoffteile benötigt, ein Material, mit dem sich Lucky Chemical inzwischen gut auskennt.

Das Unternehmen erkennt früh das Potenzial des wachsenden Elektronikmarktes. Es begnügt sich jedoch nicht damit, Kunststoffkomponenten an andere Hersteller zu liefern. Stattdessen stellt Lucky Chemical eigene Ingenieure und Techniker ein und beginnt, Elektronikgeräte selbst zu entwickeln und zu produzieren.

Für das neue Geschäftsfeld gründet das Unternehmen die Tochtergesellschaft Goldstar. Zunächst konzentriert sich Goldstar auf Rundfunkempfänger. Später erweitert die Tochtergesellschaft ihr Sortiment um Fernseher, Videorekorder, Videokameras und weitere Produkte der Unterhaltungselektronik. Damit vollzieht der Konzern innerhalb weniger Jahre einen bemerkenswerten Wandel: Aus einem Hersteller von Kosmetik und Kunststoffwaren wird ein Elektronikunternehmen.

Der südkoreanische Heimatmarkt reicht mit der Zeit nicht mehr aus. In den 1970er-Jahren beginnt Goldstar deshalb, verstärkt ins Ausland zu expandieren. Die Geräte gelangen zunehmend nach Europa und Nordamerika. Der Name Goldstar wird dadurch auch außerhalb Südkoreas bekannt.

Auch interessant: TV-Hersteller mit eigenem Fernsehsender! Was bietet LG 1?

Aus Lucky und Goldstar wird LG

Während Goldstar sein Elektronikgeschäft ausbaut, produziert der Konzern weiterhin Kunststoff- und Konsumwaren. Die Elektroniksparte gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung. Unter dem Markennamen Goldstar erscheinen längst nicht mehr nur Radios und Fernseher. Das Unternehmen bietet nun auch Kühlschränke, Waschmaschinen, Staubsauger und weitere Haushaltsgeräte an.

Mit dem Wachstum des Konzerns wird dessen Markenstruktur zunehmend unübersichtlich. Lucky steht für Chemie- und Konsumprodukte, Goldstar für Elektronik und Haushaltsgeräte. 1995 bündelt das Unternehmen seine wichtigsten Aktivitäten deshalb unter einem gemeinsamen Namen.

Aus Lucky-Goldstar wird die LG Group. Das Elektronikgeschäft tritt fortan als LG Electronics auf. Die Buchstaben L und G leiten sich ursprünglich von den Namen Lucky und Goldstar ab. Damit erinnert die Abkürzung an die beiden Unternehmensbereiche, aus denen der heutige Konzern hervorgeht.

Später rückt LG jedoch eine andere Bedeutung in den Mittelpunkt seines internationalen Markenauftritts. Seit 2005 verbindet das Unternehmen die Buchstaben offiziell mit dem Slogan „Life’s Good“. Der Slogan ersetzt die historische Herkunft des Namens nicht vollständig. Wer wissen möchte, wofür LG ursprünglich steht, findet die Antwort weiterhin in der Unternehmensgeschichte: Lucky Goldstar.

Wie LG an die Domain LG.com gelangt

Bei seinem Internetauftritt kann der Konzern zunächst nicht die naheliegendste Adresse verwenden. LG nutzt zeitweise die Domain lg.net, während lg.com einem US-amerikanischen Architekturbüro gehört.

Als die begehrte Internetadresse 2008 den Besitzer wechselt, erwirbt sie der ehemalige englische Fußballprofi Andy Booth. Er verbindet die Buchstaben mit der Bezeichnung „Life Games“. Ob Booth bereits zu diesem Zeitpunkt einen späteren Verkauf an LG plant, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Fest steht lediglich, dass der Konzern die kurze und international verständliche Domain schließlich übernimmt.

Seit 2009 nutzt LG die Adresse lg.com für seinen internationalen Internetauftritt. Über den Kaufpreis machen die Beteiligten keine öffentlich bestätigten Angaben. Berichte über eine außergewöhnlich hohe Verkaufssumme bleiben daher unbestätigt.

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Warum LG sein Smartphone-Geschäft beendet

Neben Fernsehern und Haushaltsgeräten erweitert LG sein Angebot im Laufe der Jahre um zahlreiche weitere Elektronikprodukte. Dazu gehören Monitore, Notebooks, optische Laufwerke und Mobiltelefone.

Mitte der 2000er-Jahre verstärkt das Unternehmen sein Engagement im Mobilfunkmarkt. LG bringt verschiedene Handys und später auch Smartphones auf den Markt. Dabei tritt der Konzern unter anderem gegen Samsung an, einen weiteren großen Elektronikhersteller aus Südkorea.

Als Smartphones den Mobilfunkmarkt grundlegend verändern, versucht LG, mit der wachsenden Konkurrenz Schritt zu halten. Das Unternehmen experimentiert mit unterschiedlichen Formaten, Funktionen und Geräteklassen. Zeitweise zählt LG zu den bekannten Marken auf dem internationalen Mobiltelefonmarkt.

Der Wettbewerb verschärft sich jedoch. Samsung gewinnt weltweit Marktanteile, zugleich setzen weitere Hersteller LG zunehmend unter Druck. Dem Konzern gelingt es nicht, sein Smartphone-Geschäft dauerhaft profitabel und wettbewerbsfähig zu positionieren.

2021 zieht LG schließlich die Konsequenzen und stellt den Geschäftsbereich ein. Das Unternehmen entwickelt und verkauft seitdem keine neuen Smartphones mehr.

Damit endet ein bedeutendes Kapitel der Firmengeschichte. Vollständig verschwinden die Erfahrungen aus dem Mobilfunkbereich jedoch nicht. Technologien rund um Displays, Komponenten und vernetzte Geräte bleiben auch für andere Geschäftsbereiche des Konzerns relevant.

Weiterführend: Die Geschichte der Smartphone-Sparte von LG

Auf welche Zukunftsmärkte LG setzt

Heute zählt die LG Group zu den großen Mischkonzernen Südkoreas und gehört zum Kreis der sogenannten Jaebols. Der Begriff bezeichnet große, meist familiengeprägte Unternehmensgruppen, die in unterschiedlichen Branchen tätig sind.

Was 1947 mit einer Gesichtscreme beginnt, entwickelt sich über mehrere Jahrzehnte zu einem weltweiten Unternehmensnetzwerk. Dieses umfasst heute verschiedene Gesellschaften und Geschäftsbereiche. LG Electronics ist dabei jener Teil des Konzerns, den Verbraucher vor allem mit Fernsehern, Kühlschränken, Waschmaschinen und anderer Elektronik verbinden.

Die LG Group bleibt eng mit der Gründerfamilie verbunden. Mit Koo Gwang-mo steht heute ein Vertreter der vierten Generation an der Spitze des Konzerns. Gleichzeitig beschränkt sich LG längst nicht mehr auf klassische Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. Das Unternehmen richtet seinen Blick auf neue Märkte und Technologien. Dazu gehören unter anderem Elektromobilität, Robotik und vernetzte Geräte.

Damit setzt sich ein Muster fort, das die gesamte Geschichte von LG prägt: Der Konzern nutzt vorhandenes Wissen, um sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die Erfahrung mit Chemie führt zur Kunststoffproduktion. Das Know-how bei Kunststoffen erleichtert den Einstieg in die Elektronik. Aus Radios und Fernsehern entstehen schließlich zahlreiche weitere Produktbereiche.

Mehr als sieben Jahrzehnte nach der Gründung hat die ursprüngliche Kosmetikfirma kaum noch Ähnlichkeit mit dem heutigen Konzern. Die Entwicklung zeigt, wie grundlegend sich ein Unternehmen im Laufe seiner Geschichte verändern kann: Aus einer Gesichtscreme entstehen zunächst Kunststoffprodukte, dann Elektronikgeräte und schließlich ein international tätiger Technologiekonzern.

Auch der Name erzählt von diesem Wandel. Heute wirbt LG mit „Life’s Good“. Seine historischen Wurzeln liegen aber weiterhin in zwei Marken, die den Aufstieg des Unternehmens geprägt haben: Lucky und Goldstar.

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