8. Februar 2026, 16:19 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Kennst Du die Alibaba-Gruppe? Nein? Das war nur ein Test – ziemlich sicher bist Du dem Unternehmen schon einmal begegnet. Spätestens beim Namen AliExpress dürfte es klingeln. Alibaba ist eine chinesische Technologie- und Handelsgruppe, die ursprünglich mit der B2B-Plattform Alibaba.com startete. Heute umfasst der Konzern weit mehr. TECHBOOK stellt die Alibaba-Gruppe und ihre wichtigsten Geschäftsbereiche vor.
Verschiedene Medien sowie das Statistikportal „Statista“ bezeichnen die Alibaba-Gruppe (offiziell: Alibaba Group Holding Limited) als eines der größten IT- und Technologieunternehmen Chinas. Der Konzern ist in mehrere Geschäftsbereiche unterteilt, die jeweils eigene Marktsegmente bedienen. Strategisch im Fokus stehen inzwischen vor allem E-Commerce sowie AI und Cloud, wie aus dem offiziellen Jahresbericht des börsennotierten Unternehmens für 2025 hervorgeht. Doch Schritt für Schritt.
Übersicht
Gründung der Alibaba-Gruppe
Gegründet wurde Alibaba im Jahr 1999 in Hangzhou im Osten Chinas. Federführend war der ehemalige Englischlehrer Jack Ma, der das Unternehmen gemeinsam mit 18 Mitstreitern ins Leben rief. Ziel war es von Beginn an, chinesischen Unternehmen – insbesondere kleinen und mittelständischen Betrieben – den Zugang zu internationalen Märkten über das Internet zu erleichtern.
Die erste Plattform, Alibaba.com, war als B2B-Marktplatz konzipiert, auf dem Hersteller, Großhändler und Abnehmer weltweit miteinander in Kontakt treten konnten. In einer Zeit, in der E-Commerce in China noch in den Anfängen steckte, traf das Konzept einen wachsenden Bedarf und legte den Grundstein für den späteren Aufstieg des Konzerns zu einem der bedeutendsten Tech-Unternehmen des Landes.
Die Alibaba-Gruppe versteht sich heute als ein „Ökosystem“ aus Handel, Logistik, digitalen Diensten, Medien und mehr, in dem die einzelnen Bereiche eng miteinander verknüpft sind. Sie ist weniger klassischer Händler als Anbieter von Infrastruktur, Plattformen und Daten- sowie IT-Services, auf denen andere ihre Geschäfte betreiben. Alibaba verdient dabei an Provisionen – beispielsweise entsprechen Transaktionsgebühren auf einzelnen Plattformen oft einem prozentualen Anteil am Verkaufswert – und Servicegebühren, Werbeleistungen und technologischen Lösungen.
Die wichtigsten Marken und Plattformen im Alibaba-Ökosystem
Der Online-Handel bildet das Herz der Alibaba-Gruppe. Dabei tritt der Konzern jedoch nicht wie Amazon als klassischer Händler mit eigener Warenhaltung auf. Stattdessen stellt Alibaba einen Platz dar, der Käufer und Verkäufer zusammenführt und den Handel organisatorisch und technologisch ermöglicht.
Der chinesische Online-Handel bildet den zentralen Geschäftsbereich des Konzerns – er ist nach wie vor seine wichtigste Umsatzquelle. In diesem Segment dominieren zwei Plattformen der Alibaba-Gruppe (die ersten beiden Posten der gleich folgenden Auflistung). Alibaba ist aber auch international aktiv. In diesen Märkten stellt der Konzern vor allem die technische und organisatorische Infrastruktur bereit, etwa für Zahlungsabwicklung, Logistikanbindung, Marketinglösungen und Kundensupport.
Taobao, einer der größten Marktplätze im nationalen Markt – quasi das chinesische Ebay – mit einem extrem breiten Sortiment und vor allem für Privatverkäufer und kleine Händler relevant.
Tmall, oft als Premium-Mall innerhalb des Alibaba-Ökosystems beschrieben, ist ein auf etablierte Marken ausgerichteter B2C-Marktplatz. Internationale Firmen wie beispielsweise Nike, Apple oder Adidas betreiben hier offizielle Shops für China. Verglichen mit Tabibab ist Tmall deutlich hochwertiger und strukturierter.
AliExpress ist die bekannteste Alibaba-Plattform außerhalb Chinas. Sie richtet sich an internationale Kunden und ermöglicht es, direkt bei chinesischen Händlern zu bestellen – oft zu sehr niedrigen Preisen. Allerdings sind oft lange Lieferzeiten und eine schwankende Produktqualität zu beachten. Zudem können unerwartet Zollgebühren oder Steuern auf Lieferungen anfallen. TECHBOOK geht in diesem Beitrag näher auf die Vor- und Nachteile von AliExpress ein.
Lazada ist Alibabas E-Commerce-Plattform für Länder wie Thailand, Indonesien und Vietnam. Dort spielt es eine ähnliche Rolle wie Amazon in Europa, schreibt etwa die deutsche Wirtschaftsförderungsagentur Germany Trade and Invest (GTAI).
Trendyol, die führende E-Commerce-Plattform in der Türkei, gehört seit 2018 mehrheitlich zur Alibaba-Gruppe. Operativ bleibt der Online-Händler aber eigenständig.
Daraz, eine in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka und Nepal aktive E-Commerce-Plattform, ist ebenso seit 2018 Teil des Alibaba-Portfolios.
Miravia hat der Konzern Ende 2022 in Spanien ins Leben gerufen, um den europäischen Markt zu erschließen.
Häufige Irrtümer über die Alibaba-Gruppe
Oft wird die Marke Miniso als Teil der Alibaba-Gruppe genannt. Tatsächlich ist sie ein eigenständiges Unternehmen, das lediglich über Alibaba-Plattformen verkauft.
Daneben verbinden viele Alibaba mit Alipay, einem der weltweit größten digitalen Bezahldienste. Ähnlich wie PayPal ermöglicht Alipay Online-Zahlungen, ist in China jedoch noch deutlich stärker im Alltag integriert. Richtig ist, dass Alipay historisch aus Alibaba entstand. Betrieben wird der Dienst inzwischen aber von der Ant Group (ehemals Ant Financial) – einem Finanztechnologie-Unternehmen, an dem Alibaba Anteile hält.
Auch interessant: Was hinter dem chinesischen Bezahldienst Alipay steckt
Was hinter dem chinesischen Bezahldienst Alipay steckt
Bei AliExpress bestellen – Bezahlung, Versand, Zoll
Alibabas Infrastruktur- und Innovationsnetzwerk
Alibaba betreibt ein breites Infrastruktur- und Innovationsnetzwerk, das den Handel und digitale Dienste nahtlos miteinander verbindet.
Für die schnelle Lieferung von Millionen Paketen betreibt Alibaba das globale Logistiknetzwerk Cainiao. Es koordiniert Versand, Lagerhaltung und Zustellung sowohl in China als auch international. Anders als klassische Paketdienste wie DHL – mit dem Alibaba übrigens in Polen kooperiert, die Plattform arbeitet mit zahlreichen Logistikpartnern zusammen – sind bei Cainiao viele Abläufe digital gesteuert.
Auf der Technologie-Seite ist Alibaba Cloud einer der führenden Anbieter für Unternehmen, besonders in Asien. Die Plattform unterstützt unter anderem Datenspeicherung, künstliche Intelligenz, Online-Infrastruktur und Big-Data-Analysen, wie auf der Alibaba-Website näher erläutert wird.
Im Einzelhandel setzt Alibaba mit Freshippo (Hema) auf die Verbindung von Online- und Offline-Handel. Die Supermarktkette in China steht für ein sogenanntes „New Retail“-Konzept, das Einkäufe per App, schnelle Lieferungen innerhalb von 30 Minuten, digitale Preisangaben und mobile Bezahlmöglichkeiten miteinander vereint. Vollständig in Alibabas Ökosystem integriert, kombiniert Freshippo Logistik, Technologie und Innovation zu einem leistungsfähigen, modernen Handelsmodell.
Kritik, Kontroversen und regulatorischer Druck
Neben seinem wirtschaftlichen Erfolg steht Alibaba seit einigen Jahren auch immer wieder in der Kritik. Internationale Medien berichten regelmäßig über den zunehmenden regulatorischen Druck, dem der Konzern in China ausgesetzt ist. Besonders seit 2020 greifen chinesische Behörden härter gegen große Tech-Unternehmen durch. Alibaba geriet dabei wegen mutmaßlich wettbewerbswidriger Praktiken ins Visier der Aufsichtsbehörden. Eine Milliardenstrafe wegen Marktmissbrauchs sowie strengere Vorgaben für Plattformbetreiber belasteten zeitweise das Wachstum und sorgten auch an den Börsen für Unsicherheit.
Darüber hinaus gibt es immer wieder Vorwürfe in Bezug auf Produktpiraterie, mangelhafte Qualitätskontrollen und den Umgang mit Händlerdaten auf einzelnen Plattformen. Vor allem internationale Ableger wie AliExpress stehen regelmäßig wegen schwankender Produktqualität, irreführender Angebote oder unzureichendem Verbraucherschutz in der Kritik. Auch Fragen zur Datensicherheit und zur Nähe chinesischer Tech-Konzerne zum Staat werfen bei westlichen Beobachtern immer wieder Diskussionen auf. Alibaba selbst betont, man arbeite kontinuierlich an mehr Transparenz, strengeren Kontrollen und der Einhaltung internationaler Standards.