7. Oktober 2026, 8:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Eine kleine Zeitreise: Als das Digitalfernsehen im Juli 1996 in Deutschland startete, kostete der Zugang fast 900 D-Mark. Denn für den Empfang brauchte es eine sogenannte Set-Top-Box. Heute steckt dieselbe Grundtechnik in jedem Smart-TV, kostenlos mitgeliefert und komplett unsichtbar. Warum der Start des digitalen Fernsehens holprig begann, erzählt TECHBOOK in diesem Artikel
Mehr Programme, besserer Ton und ein stabileres Bild, so lautete das Versprechen zum Start des digitalen Fernsehens in Deutschland im Jahr 1996. Mit DF1 gab es auch direkt das erste digitale Pay-TV-Angebot in Deutschland. Doch der große Durchbruch blieb zunächst aus.
Hinter DF1 steckte der Medienunternehmer Leo Kirch. Die neue digitale Programm-Plattform war zunächst nur über Satellit empfangbar. Erst später erfolgte auch eine Einspeisung in das regionale Kabelnetz.
Eine Technik, die ihrer Zeit voraus war
Um die digitalen Bilder auf dem Fernseher anschauen zu können, war eine spezielle Set-Top-Box notwendig. Denn eigentlich traf die neue Technik auf veraltete Geräte. Mitte der 1990er-Jahre standen in den meisten Wohnzimmern schwere, klobige Röhrenfernseher. Diese waren für analogen Empfang konzipiert.
Deswegen brauchte es einen Receiver, der die digitalen Signale für analoge Fernseher umwandelte. DF1 setzte auf die d-box von Nokia. Diese kostete knapp 900 D-Mark. „Das war für viele Haushalte schlicht zu teuer“, heißt es dazu aus der Pressestelle der ARD auf Nachfrage von TECHBOOK. „Auch andere Receiver lagen zu Beginn im Premiumsegment. Deswegen kam die Digitalisierung des Fernsehens in Deutschland auch zunächst nicht so richtig in die Gänge.“ Denn die Vorteile des Digitalempfangs, etwa bei der Bildqualität oder dem Ton, waren auf den damals üblichen kleineren Bildschirmen einfach nicht sicht- oder hörbar.
Unter anderem an diesem technischen Mangel scheiterte DF1. Das erste digitale Pay-TV-Angebot in Deutschland blieb weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück und schrieb nur Verluste. Im Jahr 1999 fusionierte die Plattform mit Premiere zum neuen Anbieter Premiere World. Daraus entstand dann später Sky.
Set-Top-Box – vom Liebling der Hacker zum Wegwerfprodukt
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Digitalisierung auf zwei Ebenen
Die ARD und andere TV-Sender standen zu Beginn des Digitalfernsehens vor ähnlichen Problemen wie DF1. „Der Aufwand für die Digitalisierung des Fernsehens war enorm und betraf zwei Ebenen“, erklärt die Pressestelle von ARD digital. „Die erste Ebene betraf die Sender. Die komplette Produktions- und Sendekette musste digitalfähig werden. Die zweite betraf das Publikum. Menschen mussten zunächst von der neuen Technik überzeugt werden.“
Vor allem die Überzeugung des Publikums dauerte. Erst als größere und günstigere Flachbildschirme auf den Markt kamen, änderte sich die Situation. Denn auf diesen Geräten war die höhere Bildqualität im Vergleich zum analogen Empfang tatsächlich erkennbar. Zudem sank mit der Verbreitung von TV-Geräten mit flachem Bildschirm der Preis für den Einstieg in den digitalen Fernsehempfang.
Die neue Technik brachte nicht nur Vorteile für die Zuschauer. Digitale Bild- und Tonsignale werden als Daten übertragen. Die lassen sich komprimieren. Dadurch können mehrere Programme über eine Übertragungskapazität verbreitet werden.
Das bedeutete, auf einer Rundfunkfrequenz konnten plötzlich mehrere Fernsehprogramme übertragen werden. Erst dadurch war es der ARD und anderen TV-Sendern möglich, ihr Programmangebot auszuweiten. Die Art und Weise des Fernsehens änderte sich grundlegend. Die ARD-Pressestelle spricht in dem Zusammenhang von einer „historischen Tragweite“ für Technik und Programmvielfalt.
Lineares Fernsehen und Streaming nähern sich an
Heute benutzt kaum noch jemand den Begriff „Digitalfernsehen“. Denn die Technik ist inzwischen der normale Standard. Digitales Fernsehen kommt über Satellit, Kabel und Antenne ins Wohnzimmer. Smart-TV-Geräte verfügen von Werk aus über notwendige Tuner und sind ständig mit dem Internet verbunden. Auch Funktionen, die heute selbstverständlich erscheinen, verbreiteten sich erst durch die Digitalisierung, etwa elektronische Programmführer und die Untertitelung von Sendungen.
Die nächste Entwicklungsstufe heißt DVB-I. Die Abkürzung steht für „Digital Video Broadcasting – Internet“. ARD treibt die Einführung des Standards gemeinsam mit anderen Partnern voran. Beteiligt sind unter anderem ZDF, RTL Deutschland, ProSiebenSat.1, die Bundesnetzagentur sowie die Branchenverbände VAUNET und ZVEI. „DVB-I soll klassisches lineares Fernsehen und Streaming stärker zusammenführen. Für Zuschauerinnen und Zuschauer soll dadurch weniger wichtig sein, über welchen technischen Weg ein Programm auf den Bildschirm kommt“, erläutert die ARD-Pressesprecherin.
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So wandeln sich klassische Sendeanstalten immer mehr zu Streaming-Anbietern. Lineares Fernsehen nach einem festen Programmschema bleibt zwar zunächst weiterhin bestehen. Das Angebot über die sendereigenen Mediatheken rückt allerdings immer stärker in den Mittelpunkt.
Damit orientiert sich die ARD an den Wünschen der Zuschauer. „Der Trend zu einer zeitsouveränen, selbstbestimmten Programmauswahl ist seit Jahren ungebrochen“, betont die ARD-Pressesprecherin und ergänzt: „Gleichzeitig verschwindet das lineare Fernsehen nicht. Denn auch Streamingplattformen setzen zunehmend auf Angebote, die in ihrer Struktur klassischem linearem Fernsehen ähneln. Ein künftiger TV-Genuss bewegt sich damit in beide Richtungen. Er wird individueller und gleichzeitig wieder stärker kuratiert.“