15. August 2026, 11:55 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Am 15. August 2026 feiert ein Meilenstein der Mobilfunkgeschichte seinen 30. Geburtstag: der Nokia 9000 Communicator. Als das Gerät 1996 auf den Markt kam, war es seiner Zeit weit voraus. Es vereinte Mobiltelefon, E-Mail-Terminal, Internetzugang und Bürocomputer in einem einzigen mobilen Gerät und schuf damit ein Konzept, das heute selbstverständlich erscheint. Lange bevor das Apple iPhone oder Google Android den Massenmarkt eroberten, zeigte Nokia bereits, wie mobiles Arbeiten aussehen könnte.
Als Nokia den 9000 Communicator präsentierte, war die Mobilfunkwelt noch eine ganz andere. Mobiltelefone dienten vor allem zum Telefonieren und zum Versenden kurzer Textnachrichten. Der Communicator hingegen sollte deutlich mehr leisten. Nach dem Aufklappen offenbarte sich eine vollwertige QWERTZ-Tastatur samt großem Display. Nutzer konnten E-Mails schreiben, Faxe versenden, Kontakte verwalten, Termine organisieren und sogar im Internet surfen. Für heutige Verhältnisse wirken diese Funktionen unspektakulär. Mitte der 1990er-Jahre waren sie jedoch revolutionär.
Übersicht
Die Vision vom Büro für die Hosentasche
Viele Büroarbeitsplätze verfügten damals noch nicht einmal über einen regelmäßigen Internetzugang. An Smartphones, wie wir sie heute kennen, war nicht einmal zu denken. Doch Nokia brachte mit dem 9000 Communicator erstmals zentrale Computerfunktionen in ein Mobilgerät. Leicht und kompakt war es jedoch nicht: Das Gerät wog fast ein halbes Kilogramm und war knapp vier Zentimeter dick.
Zudem hatte die Technik ihren Preis. Das Gerät kostete zum Marktstart 2700 D-Mark. Für dieselbe Summe konnte man Mitte der 1990er-Jahre bereits einen gebrauchten Kleinwagen kaufen oder einen leistungsfähigen Heim-PC samt Monitor anschaffen. Inflationsbereinigt entspricht der Preis heute rund 2500 Euro. Dass der Communicator vor allem bei Managern und Geschäftsreisenden beliebt war, überrascht daher kaum. Für viele Besitzer war er nicht nur ein Arbeitswerkzeug, sondern auch ein Statussymbol.
Ein Smartphone, bevor der Begriff existierte
Heute gilt der Nokia Communicator als einer der wichtigsten Vorläufer des modernen Smartphones. Zwar war der Begriff „Smartphone“ damals noch kaum gebräuchlich, doch die grundlegende Idee war bereits vorhanden: ein Mobiltelefon, das weit mehr kann als telefonieren.
Die Geräte verfügten über Kalenderfunktionen, Adressverwaltung, E-Mail-Zugang, Webbrowser und später auch die Möglichkeit, zusätzliche Anwendungen zu installieren. Darüber hinaus unterstützten sie bereits frühe Formen des Multitaskings. Damit übernahmen sie Aufgaben, für die damals meist noch Laptop oder Desktop-PC erforderlich waren.
Das charakteristische Klappdesign machte die Communicator-Reihe unverwechselbar. Geschlossen wirkte das Gerät wie ein Mobiltelefon, geöffnet erinnerte es eher an einen kleinen Laptop. Diese Kombination aus Telefon und Computer wurde zum Markenzeichen der Serie.
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Die Evolution einer Gerätefamilie
Nokia entwickelte das Konzept in den folgenden Jahren konsequent weiter. Der 1999 erschienene Nokia 9110 war deutlich leichter und kompakter als sein Vorgänger. Gleichzeitig stieg die Akkulaufzeit, und der Speicher ließ sich erstmals erweitern.
Mit dem Nokia 9210 begann 2001 eine neue Ära. Das Gerät führte ein Farbdisplay ein und wechselte auf das Betriebssystem Symbian. Dieser Schritt schuf die Grundlage für leistungsfähigere Anwendungen und machte die Plattform zukunftsfähig.
Die Modelle 9500 und 9300 führten das Konzept fort. MMS und EDGE-Datenübertragung machten die Geräte zu mobilen Arbeitsstationen. Besonders der 9500 mit WLAN und integrierter Kamera galt Anfang der 2000er-Jahre als eines der technisch anspruchsvollsten Mobiltelefone überhaupt.
Den Höhepunkt erreichte die Familie 2007 mit dem Nokia E90. Das Gerät kombinierte das traditionelle Communicator-Konzept mit modernen Mobilfunkstandards wie UMTS und HSDPA, bot WLAN, GPS und eine leistungsfähige Kamera. Gleichzeitig markierte es das Ende einer Ära: Nokia integrierte die Communicator-Idee in seine Business-Serie Eseries und verabschiedete sich schrittweise vom traditionsreichen Namen.
Warum der Communicator so bedeutend war
Der Nokia Communicator war nie ein Massenprodukt. Seine Bedeutung liegt vielmehr darin, dass er die Richtung vorgab, in die sich die Branche später entwickeln sollte. Er zeigte bereits in den 1990er-Jahren, dass mobile Kommunikation und produktives Arbeiten auf einem einzigen Gerät möglich sind.
Viele Funktionen, die heute selbstverständlich erscheinen, wurden hier erstmals zusammengeführt: E-Mail unterwegs, digitale Terminplanung, Internetzugang und mobile Büroanwendungen. Der Traum vom „Büro in der Hosentasche“ wurde mit dem Communicator erstmals greifbar.
Die technische Welt nahm davon Notiz. Selbst Microsoft zeigte großes Interesse an dem ungewöhnlichen Gerät. Der Communicator wurde dadurch zu einem Symbol für die Zukunft des mobilen Arbeitens.
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Vom Pionier zum Auslaufmodell
Trotz seiner Innovationskraft gelang es Nokia jedoch nicht, die Spitzenposition dauerhaft zu verteidigen. Die Geräte blieben vergleichsweise teuer und waren auf Geschäftskunden ausgerichtet. Währenddessen etablierten sich Wettbewerber wie BlackBerry mit einfacheren und stärker vernetzten Lösungen.
Der eigentliche Wendepunkt kam 2007 mit dem iPhone. Apple setzte auf ein universelles Bedienkonzept mit großem Touchscreen und sprach damit deutlich breitere Zielgruppen an. Nokia hielt zunächst an seiner Strategie fest und reagierte zu spät auf den grundlegenden Wandel des Marktes. Innerhalb weniger Jahre verlor das einst dominierende Unternehmen seine Führungsrolle.
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Das Vermächtnis
Drei Jahrzehnte nach seiner Einführung wirkt der erste Nokia Communicator wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Doch hinter dem klobigen Gehäuse steckte eine Idee, die bis heute die Mobilfunkwelt prägt. Der Communicator war mehr als nur ein Handy. Er war der Versuch, den Computer in die Tasche des Nutzers zu bringen. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Wegbereiter moderner Smartphones.