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Diese drei Firmen halten das Internet am Laufen

Ein Großteil des Internets stützt sich auf drei Cloud-Anbieter
Ein Großteil des Internets stützt sich auf drei Cloud-Anbieter Foto: KI-generiert / TECHBOOK
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Max Dockhorn

28. Februar 2026, 15:19 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn große Cloud-Anbieter Probleme haben, spüren das Internetnutzer weltweit. Cloudflare, Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure bilden heute das technische Rückgrat unzähliger Websites und Apps. Fällt einer dieser Anbieter aus, verschwinden Musikdienste, Bezahlsysteme oder Chatbots oft schlagartig aus dem Netz. Genau das zeigte sich zuletzt im Herbst 2025, als mehrere großflächige Störungen Millionen Nutzer gleichzeitig trafen.

Im November 2025 sorgte ein Ausfall bei Cloudflare dafür, dass unter anderem ChatGPT zeitweise nicht erreichbar war. Auch Spotify, Shopify und X (ehemals Twitter) meldeten Probleme. Bereits einen Monat zuvor hatte eine Störung bei AWS massive Auswirkungen: Prime Video und Alexa funktionierten nicht, ebenso Dienste wie Venmo, Perplexity, PayPal oder die Kryptobörse Coinbase. Entsprechend schnell füllten sich Störungsplattformen wie Downdetector mit Meldungen.

Wer Cloudflare, AWS und Azure sind

Cloudflare übernimmt im Internet häufig eine Schutz- und Vermittlerrolle. Der Dienst prüft eingehende Anfragen und filtert schädlichen Datenverkehr heraus, etwa bei sogenannten DDoS-Angriffen. Distributed Denial of Service ist ein koordinierter Angriff, bei dem ein Server durch viele gleichzeitige Anfragen überlastet und damit lahmgelegt werden soll. Gleichzeitig verteilt Cloudflare Inhalte wie Bilder oder Skripte über ein weltweites Content-Delivery-Netzwerk, sodass Websites schneller laden und Ursprungsserver entlastet werden. Rund ein Fünftel des globalen Internetverkehrs läuft über diese Infrastruktur.

AWS und Azure sind hingegen riesige Rechenzentrumsplattformen. Sie stellen Speicher, Rechenleistung, Datenbanken und KI-Dienste bereit. Viele Websites und Apps existieren physisch ausschließlich in den Rechenzentren dieser Anbieter. Azure ist dabei besonders für Unternehmen attraktiv, die bereits auf Microsoft-Dienste wie Office 365 setzen.

Vereinfacht läuft ein Seitenaufruf so ab: Der Nutzer stellt eine Anfrage, Cloudflare prüft und schützt sie, AWS oder Azure liefern die Inhalte aus. Fällt ein Baustein aus, sind die Folgen sofort sichtbar.

Warum das Internet so aufgebaut ist

Die starke Zentralisierung hat praktische Gründe. Cloud-Dienste ermöglichen es Unternehmen, flexibel zu skalieren, ohne eigene Server betreiben zu müssen. Bei extremen Lastspitzen, etwa beim Start eines Ticketverkaufs für ein Großkonzert, können diese Plattformen den Ansturm auffangen. Eigene Infrastruktur in dieser Größenordnung wäre für die meisten Anbieter wirtschaftlich unmöglich.

Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt. Kleine und mittelständische Unternehmen können ihre Systeme oft nicht ausreichend selbst absichern. Anbieter wie Cloudflare übernehmen diese Aufgabe gebündelt und schützen so Millionen Websites gleichzeitig.

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Wenn das Rückgrat ausfällt

Die Kehrseite dieser Struktur sind Dominoeffekte. Ein einzelner Fehler kann sich über zahlreiche Branchen hinweg auswirken. Unternehmen müssen dann auf Notlösungen umsteigen, Support-Hotlines brechen ein oder Umsätze gehen verloren. In der öffentlichen Wahrnehmung werden solche Ausfälle häufig mit Cyberangriffen gleichgesetzt, tatsächlich handelt es sich aber oft um Konfigurationsfehler.

Alexander Rabe, Geschäftsführer des Verbands der Internetwirtschaft eco, warnt vor zu großer Abhängigkeit: Zentrale Infrastruktur steigere Effizienz, erhöhe aber auch das Risiko, dass Störungen viele Bereiche gleichzeitig treffen.

Welche Lösungen diskutiert werden

Große Unternehmen setzen bereits auf Redundanz, etwa durch mehrere Content-Delivery-Netzwerke. Für kleinere Firmen ist das kaum bezahlbar. Deshalb diskutieren Politik und Wirtschaft strengere Regeln für systemrelevante Cloud-Dienste, ähnlich wie in der Finanzbranche. Dazu zählen Meldepflichten, Resilienzanforderungen und transparente Notfallpläne.

Auch europäische Alternativen gewinnen an Bedeutung. Laut Rabe sei Vielfalt wichtiger als die Herkunft einzelner Anbieter. Projekte wie die angekündigte European Sovereign Cloud von AWS könnten helfen, mehr Unabhängigkeit zu schaffen, sofern sie Teil einer breiteren Infrastrukturstrategie sind.

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Was Politik und Unternehmen tun können

Aus Sicht der Internetwirtschaft braucht es vor allem verlässliche Bedingungen für den Ausbau von Rechenzentren und digitaler Infrastruktur. Dazu zählen schnellere Genehmigungsverfahren, planbare Investitionen und möglichst einheitliche Regeln innerhalb der EU. Auch bei der öffentlichen Beschaffung sollte stärker darauf geachtet werden, ausfallsichere und gut kombinierbare Lösungen zu fördern, statt sich früh auf einzelne Anbieter festzulegen.

Gleichzeitig sollten Unternehmen selbst vorsorgen. Wichtig sind regelmäßig getestete Back-ups außerhalb der eigenen Haupt-Cloud, klar geregelte Abläufe für Störungsfälle und möglichst wenige Abhängigkeiten von nur einem Anbieter. Wer zusätzlich die Statusseiten der Cloud-Dienste sowie Störungsportale wie Downdetector oder StatusGator im Blick behält, kann im Ernstfall schneller reagieren.

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Was Nutzer tun können

Für private Nutzer bleiben die Auswirkungen meist überschaubar. Ausfälle dauern oft nur wenige Stunden. Sinnvoll ist es dennoch, wichtige Daten lokal zu sichern. Für Unternehmen hingegen sind Vorbereitung und Notfallplanung entscheidend, um bei der nächsten Störung nicht erneut kalt erwischt zu werden.

Die jüngsten Ausfälle zeigen: Das Internet funktioniert effizient – ist aber nicht automatisch resilient.

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