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Amazon Web Services

Nicht nur mit Online-Handel! Womit Amazon wirklich sein Geld verdient

Schriftzug Amazon Web Services
Die Amazon Web Services sind ein profitables Geschäft für das Internet-UnternehmenFoto: Getty Images

Amazon ist fast jedem ein Begriff. Der Online-Versandhändler ist einer der größten der Welt, doch das ist nur ein Teil des Unternehmens.

Was sind Amazon Web Services?

Gemessen an den Einnahmen ist Amazon das größte Internet-Unternehmen der Welt. Einen großen Teil dieser Einnahmen machen Amazons Web-Dienste aus (AWS). Amazon betreibt mit AWS die größte und am weitesten verbreitete Cloud-Plattform der Welt. Das Unternehmen liegt vor Microsoft und Google – die Big Player, die wir eigentlich mit Cloud in Verbindung bringen.

Durch seine schiere Größe kann Amazon die AWS zu niedrigen Kosten anbieten. Der Vorteil dabei ist, dass die Dienste hochgradig skalierbar sind. Nutzer zahlen somit nur für das, was sie nutzen. Es gibt keine Vorauszahlung oder Langzeitverpflichtungen. Das bedeutet, dass nicht nur kleine Online-Händler, sondern auch Milliarden-Dollar-Unternehmen wie Netflix und Twitter sie nutzen können.

Außerdem können AWS-Kunden nach Bedarf Ressourcen zu- oder abschalten. Benötigen sie etwa mehr Rechen-Power oder Speicher, können sie diese unkompliziert abrufen. Kunden können zudem mit der Cloud-Plattform von überall auf Rechenleistung, Speicher und zahlreiche andere Dienste zugreifen. Doch AWS bieten nicht nur traditionelle Cloud-Komponenten wie Rechenleistung und Speicher an. Mittlerweile gibt es 175 Web-Dienste.

AWS sind praktisch als Nebenprodukt entstanden

Um die eigene Online-Verkaufsplattform zu betreiben, hat Amazon jahrelang an einer eigenen IT-Infrastruktur gearbeitet, die verlässlich und stark genug sein musste. Das Unternehmen hat so viel Erfahrung in dezentralisierter IT-Infrastruktur angesammelt. Mit dieser Cloud-Erfahrung wurden 2006 die Amazon Web Services ins Leben gerufen.

Welche Dienste bietet Amazon an?

Die AWS umfassen eine ganze Bandbreite an Cloud-Computing-Produkten. Neben den klassischen Diensten Speicher und Leistung sind das etwa Remote-Desktop-Computer, E-Mail, Anwendungs-Entwicklung und Sicherheit.

Die drei Kerndienste von AWS sind:

  • Elastic Compute Cloud (EC2): Virtuelle Server, die wie Remote Desktop funktionieren. Nutzer haben damit Zugriff auf einen virtuellen Arbeitsplatz. Mit AWS können diese Server auf Minuten- oder Sekunden-Basis gemietet werden.
  • Simple Storage Service (S3): Das klassische Cloud-Angebot, mit dem Unternehmen beliebig große Dateien auf Amazon-Servern speichern können. S3 wird nach Verbrauch abgerechnet.
  • S3 Glacier: Datenspeicher für langfristige Sicherung mit einer laut Amazon 99,999999999 Prozent hohen Zuverlässigkeit.

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Mit AWS können Unternehmen viel Geld sparen

Mit AWS ist Amazon in 190 Ländern vertreten. Durch seine schiere Größe kann das Cloud-Unternehmen seine Web-Dienste sehr kosteneffizient anbieten. Obwohl die Dienste auf Bedarf zu- und abbestellbar sind, bezahlen Nutzer nur für das, was sie auch brauchen. Das kann ein Server sein. Oder aber auch 1000.

Unternehmen müssen kein Geld mehr vorab in teure Hardware investieren. Stattdessen können Sie nur Zugangsgeräte wie Laptops oder Clients bereitstellen, die direkt auf Cloud-Dienste zugreifen. Der Vorteil einer umfangreichen IT-Infrastruktur wie AWS ist zudem, dass Unternehmen keine Server vorab mieten und bezahlen müssen. Alle Dienste und die darunter liegende Infrastruktur wie Server, Speicher und Leistung stellt Amazon bereit.

Das heißt, ein Online-Händler kann beispielsweise einfach bei Bedarf seinen Shop upgraden, wenn der Bedarf plötzlich steigt. Ein Chemie-Labor kann seine Forschungs-Simulationen komplett über AWS-Infrastruktur laufen lassen. Ein Streaming-Anbieter kann sein Serien- und Film-Angebot komplett über Amazon laufen lassen.

Amazon bietet seine Cloud sogar in begrenzter Form kostenlos an. Einige der Dienste stehen für zwölf Monate kostenfrei zur Verfügung, andere sogar unbegrenzt. Dafür ist nur eine Anmeldung notwendig, die auch mit bereits bestehenden Amazon-Login-Daten funktioniert. Zum Ausprobieren können Sie auf https://aws.amazon.com/de/free/ gehen und sich anmelden.

Web-Dienste sind eine Goldgrube für Amazon

Als größtes Internet-Unternehmen der Welt hat Amazon 2019 Einnahmen in Höhe von 280,5 Milliarden US-Dollar erzielt. Auf seinem eigenen Dayone-Blog schreibt Amazon, die Einnahmen seien 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gestiegen.

Zwar machten Verkäufe über die Online-Plattformen wie Amazon.com, Amazon.de usw. laut dem Börsenblatt mit 245,5 Milliarden USD den Großteil der Einnahmen aus. Diesen standen jedoch operative Kosten von 240,1 Milliarden USD gegenüber. Der operative Gewinn – das „Netto“ – beträgt also nur 5,4 Milliarden USD. Der Versandhandel ist ein derartig kostenspieliges Geschäft, dass Amazon damit außerhalb des nordamerikanischen Markts sogar 1,7 Milliarden USD operativen Verlust einfuhr.

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Cloud treibt den Gewinn

Zum Glück sind die Web-Dienste für Amazon ein absoluter Goldesel. 2019 haben die AWS 36,5 Prozent mehr Einnahmen generiert. Das ist fast dreimal mehr als der Anstieg der Einnahmen auf dem internationalen Markt. Gewinnbringend sind die AWS vor allem aus dem Grund, dass Amazon sie sehr günstig betreiben kann. Den Einnahmen von 35 Milliarden USD stehen Ausgaben in Höhe von 25,8 Milliarden USD gegenüber. Daraus ergibt sich ein operativer Gewinn von 9,2 Milliarden USD – fast doppelt so viel, wie Amazon aus dem Versandgeschäft mitnimmt.

Für Amazon werden die Web-Dienste immer wichtiger. Im ersten Quartal 2020 haben die AWS zehn Milliarden US-Dollar Einnahmen generiert. Das sind 13,5 Prozent der kompletten Amazon-Einnahmen, wie die Investor-fokussierte Seite „Investopedia“ berichtet.

Der Konkurrenz weit voraus

Laut Investopedia schätzen Branchenanalysten den Marktanteil von AWS im Februar 2020 auf 32,4 Prozent – fast ein Drittel. Microsoft Azure und Google folgen abgeschlagen mit 17,6 Prozent und 9 Prozent respektive.

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Viele bekannte Unternehmen sind Kunden bei AWS

Der größte Kunde von Amazon Web Services ist natürlich der Amazon-Online-Versandhandel selbst. Aber auch eine ganze Menge anderer Großunternehmen nehmen die Cloud-Expertise von Amazon in Anspruch.

Das Marktforschungsunternehmen „Intricately“ hat 2018 eine Liste der Unternehmen zusammengestellt, die monatlich am meisten für Amazons Cloud-Dienste ausgeben. Die Liste umfasst nur öffentlich bekannte Amazon-Partner und nur Kosten für Amazons Elastic Compute Cloud (EC2).

  1. Netflix: 19 Millionen USD pro Monat
  2. Twitch: 15 Millionen USD pro Monat
  3. LinkedIn: 13 Millionen USD pro Monat
  4. Facebook: 11 Millionen USD pro Monat
  5. Turner Broadcasting: 10 Millionen USD pro Monat
  6. BBC: 9 Millionen USD pro Monat
  7. Baidu: 9 Millionen USD pro Monat
  8. ESPN: 8 Millionen USD pro Monat
  9. Adobe: 8 Millionen USD pro Monat
  10. Twitter: 7 Millionen USD pro Monat

Doch da ist tatsächlich nur die Liste der Unternehmen, von denen wir wissen, dass sie Kunden bei Amazon sind. Anfang 2019 berichtete der US-Nachrichtensender MSNBC, dass Apple Brancheninsindern zufolge monatlich bis zu 30 Millionen US-Dollar an Amazon zahle. Damit wäre Apple einer der größten AWS-Kunden überhaupt.

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