Schutz vor sexuellem Missbrauch

Privalino – der Messenger aus „Die Höhle der Löwen“ im Test

Jedes zehnte Kind wird im Internet belästigt. Dagegen wollen die Gründer des Chat-Messengers „Privalino“ für Kinder vorgehen und stellen ihn in „Die Höhle der Löwen“ vor. TECHBOOK hat die App bereits ausprobiert.

Die Gründer Dr. Nicolai Erbs und Patrick Schneider widmen sich mit ihrer App einem besonders sensiblen Thema: Cyber-Grooming. Dabei handelt es sich um den Versuch eines Erwachsenen, online Kontakt zu einem Kind aufzunehmen, um es sexuell zu belästigen. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu einem Treffen im realen Leben und zu Missbrauch. Speziell Messenger-Apps auf dem Handy können Kinder dieser Gefahr aussetzen.

„Es gibt eine bedenkliche Entwicklung hin zu einer entmenschlichten Gesellschaft im Netz, wo keine Normen zu existieren scheinen und Täter freies Spiel haben“, sagt Privalino-Gründer Nicolai Erbs gegenüber TECHBOOK. Das ist der Grund, warum er gemeinsam mit seinen Mitgründern die App entwickelt hat, die es bisher nur in Googles Play Store für Android-Geräte gibt. Sie soll Kindern sicheres Chatten ermöglichen. Ihre Idee: Der Messenger soll in Kooperation mit den Schulen an die entsprechende Zielgruppe gebracht werden. Seit zwei Jahren arbeiten die Gründer bereits an der App.

Das Problem der üblichen Messenger erklärt Erbs wie folgt:

Privalino im Test

Bei ihrer kostenlosen App sei das anders, Kinder würden vor Belästigungen und damit einhergehend auch vor sexuellem Missbrauch besser geschützt. Die App ist speziell für Kinder im Grundschulalter, also von sechs bis zehn Jahren, konzipiert. „Im Hintergrund läuft eine künstliche Intelligenz, die die gesamte Kommunikation mitliest und bei Gefahr durch sexuellen Missbrauch eine Warnung per E-Mail an die Eltern schickt“, sagt Erbs. Die Technologie im Hintergrund soll in der Lage sein, den Schreibstil von Chatpartnern zu analysieren und gefährliche Muster zu erkennen. Besteht der Verdacht, dass der Chatpartner ein Cyber-Groomer ist, wird das Kind gewarnt, bei mehreren gefährlichen Nachrichten werden die Eltern informiert.

Über Privalino können außerdem keine Fotos oder Videos verschickt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Eltern aber in der kostenpflichtigen Premium-Version der App in der Lage sein, bestimmte Kontakte als sicher zu bewerten. Mit diesen könnten Fotos und Videos ausgetauscht werden. Haben Kinder denn an einer solchen App überhaupt Spaß? „Unsere Testkinder im Alter von 8 bis 10 haben mit Privalino trotzdem Spaß und freuen sich, miteinander kommunizieren zu können. Natürlich sind die Abstriche zur Zeit noch etwas nervig, aber gute Dinge brauchen eben auch ein wenig Zeit“, entgegnet Nicolai Erbs auf die Frage von TECHBOOK. 

In unserem Test wurden tatsächlich verdächtige Nachrichten nicht gesendet

In unserem Test wurden tatsächlich verdächtige Nachrichten nicht gesendet
Foto: Screenshot Privalino

TECHBOOK hat die App getestet. Im Erscheinungsbild gleicht sie nahezu komplett der Messenger-App Telegram. Mit einer Ausnahme: Video- und Fotoinhalte können nicht versendet werden. Außerdem ruckelt es an der einen oder anderen Stelle noch. In unserem Test wurde etwa die Erklärung der App nur abgeschnitten dargestellt, somit war der komplette Text nicht lesbar. Aber: Die Technologie überzeugte. Wir haben sowohl Schimpfwörter als auch Texte, Nacktfotos zu schicken, ausprobiert. In beiden Fällen wurde die Nachricht nicht verschickt, das Empfänger-Kind erhielt eine Warnung, wie im Bild oben erkennbar. Auch per Mail gab es einen Hinweis.

Diese Apps sollten Sie nicht installieren!

So verlief der Pitch in der Sendung

„Mega, dass ihr euch damit auseinandersetzt“, findet Ralf Dümmel. Die Löwen möchten mehr über die App erfahren. Wie soll mit der App zum Beispiel Geld verdient werden? Die Antwort der Gründer: über die Premium-Version für 5 Euro.

„Wie schaffen Sie es, den Freundeskreis einzubinden – weil sonst funktioniert es nicht“, möchte Dagmar Wöhrl wissen. Die Idee, Kontakt zu den Schulen aufzunehmen, um auf diese Weise die Eltern zu erreichen, überzeugt sie nicht. Deshalb steigt sie aus dem Deal aus.

Die Gründer berichten, dass sie seit dem Start der App 100 Nutzer gewonnen haben. Das überzeugt nicht alle Löwen. „Jeden einzelnen Fall, den ihr damit verhindert, der ist jedes Geld der Welt wert“, sagt Dümmel. Er würde das Start-up gerne unterstützen, könne den Gründern allerdings nicht wirklich weiterhelfen, da er sich mit dem Geschäftsmodell nicht auskennt. Das ist der Grund, warum er nicht investiert.

Das ist bei Löwe Frank Thelen anders. „Man müsste eure Technologie nehmen und sagen, die rolle ich jetzt aus. Ihr müsst das in andere Plattformen integrieren“, rät Thelen und Maschmeyer stimmt seinem Kollegen zu. WhatsApp, iMessage, Instagram und Co. bräuchten genau diese Technologie, so Thelen. Wenn Kinder gerettet werden sollen, wenn sie von Erwachsenen online belästigt werden, würde eine App allein nicht reichen. Das Problem, Cyber-Grooming, sei nicht in der App, sondern in der Welt. Deshalb sollten die Gründer ihre entwickelten Filter in die Welt bringen, empfiehlt Thelen. „Das wäre der richtige technologische Ansatz“, sagt er.

„Im Moment erkenne ich kein Geschäftsmodell darin“

„Ich finde die Idee total gut“, sagt Carsten Maschmeyer. Auf die Frage, wie die Gründer ihre Idee richtig umsetzen würden, antwortet Nicolai Erbs, dass ein Privalino-Handy die Lösung sei. Das schockiert Thelen und Maschmeyer gleichermaßen. Viele andere Unternehmer mit viel Geld hätten eine solche Idee nicht umsetzen können. „Im Moment erkenne ich kein Geschäftsmodell darin“, erklärt Maschmeyer seinen Ausstieg aus dem Deal. Georg Kofler schließt sich den Worten von Maschmeyer an.

Am Ende bleibt nur noch Frank Thelen übrig. Ihre Idee sei nicht ausgereift und könne die Masse der Kinder nicht schützen, schlussfolgert er. „Eure Firma muss leider einmal komplett rumgedreht werden“, sagt Thelen. Mehr als Denkansätze könne er ihnen aber nicht mitgeben. Die enttäuschten Gründer von Privalino gehen daher ohne Deal aus der Höhle.

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