4. Februar 2026, 13:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Künstliche Intelligenz findet aller lautstarken Kritik zum Trotz weiter Verbreitung, so auch in der Kreativbranche. Und mittlerweile nehmen sich auch prominente Filmemacher ihrer an. So hat der bekannte Regisseur Darren Aronofsky mit „On This Day 1776“ eine neue Doku-Serie produziert, die fast vollständig mit KI entstanden ist. Die Reaktionen sprechen Bände.
Darum geht es in „On This Day 1776“
„On This Day 1776“ ist ein neues Serien-Format, das aus mehreren kurzen Videos bestehen soll. Veröffentlich werden sie beim YouTube-Kanal des renommierten Time Magazines und inhaltlich geht es um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
In der ersten publizierten Folge „January 1: The Flag“ ist George Washington zu sehen, der eine Flagge hisst und damit gegen König George III. aufbegehrt. Das Video geht nur dreieinhalb Minuten lang:
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Harte Kritik für KI-Format
Die Serie ist größtenteils mit Hilfe Künstlicher Intelligenz entstanden, darunter Googles Deepmind. Insbesondere für die Bilder und Ton-Effekte kam sie zum Einsatz. Immerhin sind die Sprecher allesamt echte Menschen, doch das scheint viele nicht zu besänftigen. In den Kommentaren unter dem Video als auch auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) häufen sich kritische Kommentare.
Darunter finden sich Äußerungen wie „wertloser Müll“ oder „das sieht grauenhaft aus“. Viele User sind offenbar derart aufgebracht, dass sie sich sogar vorübergehende Nutzerkonten eingerichtet haben, nur um ihre Kritik zu äußern. In einem Kommentar wird es geradezu filmanalytisch:
„[…] Zähle, wie lange jede Einstellung dauert – du kannst froh sein, wenn es mal sieben Sekunden sind. Niemand will einen Film voller Jump Cuts sehen. Niemand will eine Aneinanderreihung von halbnahen Einstellungen nach halbnahen Einstellungen sehen, in denen sich eine kaum bewegende, geschniegelt-glänzende Person mit leerem Blick direkt in die Kamera spricht. Es ist verrückt, dass Darren Aronofsky und Time sich diesen Scheiß ansehen und sagen würden: Ja, raus damit. […]“
Auch Profis sind voller Abscheu
Vereinzelt gibt es auch versöhnliche Stimmen: „Die Leute machen das hier schlecht, aber wenn er es durchgezogen und alle getäuscht hätte, würdet ihr jetzt ganz anders reden. Das mag kein guter Film sein, aber Geschichte in visueller Form zu zeigen, ohne eine riesige Produktion aufzufahren, ist interessant.“
Diese sind aber klar in der Unterzahl. Ferner herrscht seltene Einigkeit in dieser Sache: Dass sich Fans in großer Anzahl unverblümt zu etwas äußern, ist hinlänglich bekannt, etwa durch das wiederkehrende Review-Bombing. Dieses Mal erhalten sie aber auch Rückhalt aus professioneller Richtung. Beim renommierten „Guardian“ beschreibt man „On This Day 1776“ als „Horror“ und „peinlich“.
Das US-Branchenmagazin „The Hollywood Reporter“ schreibt, dass „High-End KI-Grütze immer noch KI-Grütze“ sei. Serienmacher Steven S. DeKnight („Spartacus: House of Ashur“, „Marvel’s Daredevil“) postete bei X, dass er sich nichts mehr von Aronofsky in Zukunft anschauen werde. Er nennt die Serie einen „vollständigen Betrug am Kino“.
Warum nur, Darren, warum?
„Bislang war ich durchaus ein Fan von Darren Aronofsky. Filme wie ‚Black Swan‘, ‚The Whale‘ oder ‚Requiem for a Dream‘ haben nicht nur bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen, wie die vielen Preise und Nominierungen, darunter auch einige Oscargewinne, zeigen. Eigentlich gehört er zu den eigenständigsten, konstantesten und, in meinen Augen, besten Filmemachern der Traumfabrik.
Dass ausgerechnet jemand mit seinem Renommee auf diesen vermaledeiten KI-Zug aufspringt, ist mir unbegreiflich. Das haben weder er noch seine Fans und die Kunstform an sich verdient und es ist seines Talentes unwürdig. Ich kann nur hoffen, dass Aronofsky mit diesem Projekt so gut verdient, dass er damit seinen nächsten Kinofilm finanzieren kann – dann wieder bitte ohne KI-Hilfe und nur mit echten Stars vor der Kamera.“