16. April 2026, 10:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Erst am 14. April 2026 war ich wieder einmal im Kino. Dieses Mal stand der französische Animationsfilm „Arco“ auf dem Programm, der bei der Kritik gut ankommt und dieses Jahr sogar für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert war. Doch noch während der für europäische Projekte typisch langen Liste an Einspielern für Produktionsfirmen, musste ich stutzen: An fünfter oder sechster Staffel erschien plötzlich das Netflix-Logo. Eine Netflix-Produktion, die geradezu heimlich im Kino läuft? Wir haben nachgefragt, warum „Arco“ nicht schon bei Netflix zu streamen ist.
„Arco“ ist kein typischer Netflix-Film
An „Arco“ war Netflix zwar beteiligt, aber eben auch nur das. Das heißt, um eine waschechte Eigenproduktion handelt es sich nicht. Dass der Streamer auch erst so spät als Beteiligter erwähnt wird, macht zusätzlich deutlich, dass Netflix vermutlich kreativ gar nicht involviert war. Eher hat man zusätzliches Geld investiert, damit der Film überhaupt entstehen kann.
Nun kommt es aber des Öfteren vor, dass Netflix Fremdproduktionen einkauft und dennoch groß bei sich bewirbt. Man denke da etwa an den Serienhit „House of Cards“, der zu den frühesten großen Hits für den Dienst gehört, aber nicht direkt bei Netflix entstand. Auch in puncto Kino ist „Arco“ kein typischer Netflix-Film.
Denn normalerweise bringt man eigene Filme nur dann auf die große Leinwand, wenn man sich mit einem prestigeträchtigen Titel für Preise wie die Oscars qualifizieren möchte – dafür sind Ausspielungen im Kino Pflicht. Oder es handelt sich um Ausnahmen aufgrund von großem Hype, etwa wie bei „KPop Demon Hunters“ oder „Stranger Things“ Staffel 5. Warum aber läuft „Arco“ nach der Oscarverleihung 2026 im Kino?
Die Antwort ist Frankreich
TECHBOOK hat hierzu bei Netflix angefragt. Das Unternehmen betont in seiner Antwort, dass es sich um eine Akquisition ausschließlich für den französischen Markt handele. Dazu sei gesagt, dass sich Netflix vor einigen Jahren zu mehr Investitionen in Frankreich verpflichtet hatte. Grund hierfür ist die im Januar 2022 unterzeichnete Medienchronologie im deutschen Nachbarland.
Diese stärkt die lokale Kinokultur und sieht unter anderem vor, dass Filme erst 15 Monate nach ihrem Kinostart überhaupt bei Netflix veröffentlicht werden dürfen. Wie damals „Programmkino.de“ berichtete, handelt es sich bei dem Zeitfenster um einen kleinen Vorteil für Netflix aufgrund der Investitionsverpflichtung. Zum damaligen Zeitpunkt waren Konkurrenten wie Disney+ oder Amazon Prime Video nicht inkludiert, wo Filme erst nach 17 Monaten erscheinen dürfen.
Wie man uns außerdem mitteilt, habe Netflix in den vergangenen Jahren Dutzende Filme in Frankreich im Voraus erworben und mitfinanziert. Dem Bericht zufolge produziert Netflix jährlich zehn französische Filme mit einem Budget von drei bis vier Millionen Euro.
Netflix-Film erobert überraschend Kino-Charts – dabei gibt es ihn schon als Stream
8 Oscar-Gewinner 2021, die man streamen kann
Wann kommt „Arco“ zu Netflix?
In Frankreich erschien „Arco“ erst im Oktober 2025 in den Kinos. Das heißt, er wird frühestens im Januar 2027 dort bei Netflix erscheinen. Auf Nachfrage ist auch nur die Rede vom französischen Ableger des Streaming-Dienstes. Unklar ist also, wann der Film auch in Deutschland bei Netflix erscheint.
Hierzulande hält aktuell Wild Bunch Germany die Verleihrechte an „Arco“ und noch läuft er hier im Kino (Stand: April 2026). Es ist grundsätzlich möglich, dass der Film eines Tages als Lizenzfilm seinen Weg zum deutschen Netflix finden wird.
Auch ist es denkbar, dass dies sogar vor dem französischen Streaming-Start geschieht, weil hierzulande eine solche Medienchronologie noch nicht existiert, aber zumindest angedacht ist. Demnach könnten Netflix und Wild Bunch vollkommen unabhängig davon einen eigenen Lizenzdeal verhandeln.
„Arco“ ist wirklich sehenswert
Doch ob nach 15 Monaten oder früher oder später – die Warterei lohnt sich für Freunde anspruchsvoller Animation. Bei Rotten Tomatoes etwa sind 93 Prozent aller professionellen Kritiken positiv, 89 Prozent der User finden den Film ebenfalls sehenswert – beides ausgesprochen gute Ergebnisse. Der Film besticht durch seine schöne, handgezeichnete Optik, grandiose Musik und eine spannende Geschichte über einen zeitreisenden Jungen, der eines Tages im Jahr 2075 strandet und sich dort mit einem Mädchen anfreundet.
„Arco“ ist ein aktueller Beweis dafür, dass sich familienfreundliche Animation und erzählerischer wie künstlerischer Anspruch nicht ausschließen müssen. Nicht immer muss es im platten Krawall münden, wie etwa beim „Super Mario Galaxy Film“, der dafür unverschämt viel mehr Geld scheffelt.