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Hörbücher mit KI

Audible lässt Nutzer jetzt mit Buchfiguren sprechen

Smartphone mit Audible-Logo liegt neben weißen Kopfhörern und einem aufgeschlagenen Buch
Drei neue Funktionen sollen das Hörerlebnis bei ausgewählten Produktionen von Audible interaktiver machen Foto: picture alliance / NurPhoto
Charlotte Ziesing

17. Oktober 2026, 8:17 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Hörbücher leben davon, dass man einer Geschichte zuhört und sich das Drumherum selbst vorstellt. Audible rüttelt nun zumindest bei einigen Titeln an diesem Konzept. Neue Funktionen sollen Hörbücher interaktiver machen. Dabei setzt der Anbieter auch auf generative KI. Künftig soll es sogar möglich sein, sich mit Figuren aus einer Geschichte zu unterhalten. Was dahintersteckt, weiß TECHBOOK.

Gespräche mit KI-Figuren

Eine der neuen Funktionen heißt „Interactive Story“. Dabei ergänzt Audible ein Hörbuch um ein separates interaktives Erlebnis. Dahinter steckt eine Geschichte, die parallel zum eigentlichen Hörbuch läuft. Nutzer können dabei mit einer Figur sprechen und ihre Antworten frei formulieren. Die KI reagiert darauf und führt das Gespräch weiter.

Zum Start nutzt Audible dafür Bram Stokers „Dracula“. Im Mittelpunkt steht Renfield, Draculas Diener. Er eröffnet das Gespräch und gibt dem Nutzer eine Rolle, ein Ziel und eine Ausgangssituation vor. Danach kann dieser selbst entscheiden, was er sagen möchte. Renfield antwortet darauf in Echtzeit.

Ganz freie Hand soll die KI dabei allerdings nicht bekommen. Laut Audible sind unter anderem die Ausgangssituation, wichtige Wendepunkte und die Persönlichkeit von Renfield bereits vorab festgelegt. Trotzdem bleibt ein grundlegendes Problem: Sobald die KI frei auf Nutzereingaben reagiert, entstehen Aussagen, die so nicht aus der literarischen Vorlage stammen. Ob Renfield dabei tatsächlich wie Renfield klingt oder nur wie die Vorstellung einer KI von der Figur, muss sich erst noch zeigen.

Immerhin greift die KI nicht in das eigentliche Hörbuch ein. „Interactive Story“ läuft als zusätzliches Angebot. Wer einfach nur zuhören möchte, kann das also weiterhin tun. Bisher gibt es das Angebot nur für einen Titel. Am 5. November soll mit „Exoplanet“ von Benjamin Percy aber der nächste folgen.

KI soll auch beim Zuhören helfen

Neu ist auch der sogenannte „Character Guide“. Die Idee dahinter setzt bei einem bekannten Problem an: Bei Geschichten mit vielen Charakteren verliert man beim Zuhören schnell einmal den Überblick.

Die Funktion zeigt deshalb an, welche Figur gerade spricht. Dazu kommen spoilerfreie Figurenkarten und Informationen zu den jeweiligen Sprechern. Zum Einsatz kommt der „Character Guide“ zunächst unter anderem bei Bram Stokers „Dracula“ und George Orwells „1984“. Auch „Exoplanet“ soll die Funktion noch bekommen.

Später will Audible das Ganze erweitern. Dann sollen Nutzer auch Fragen zur Produktion stellen können. Wie diese Antworten technisch entstehen und wie Audible sicherstellen will, dass dabei keine falschen Informationen ausgegeben werden, bleibt allerdings offen.

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Braucht ein Hörbuch noch Bilder?

Noch weiter vom klassischen Hörbuch entfernt sich Audible mit dem „Visual Explorer“. Dabei tauchen passend zum Gehörten zusätzliche visuelle Inhalte auf. Das können etwa Bilder oder Karten zu bestimmten Schauplätzen sein.

Auch interessant: Neue Audible-Funktion verändert, wie wir Bücher konsumieren

Das kann zwar zusätzliche Informationen liefern, wirft aber auch eine naheliegende Frage auf: Braucht ein Hörbuch das überhaupt? Schließlich besteht einer der Vorteile des Formats gerade darin, dass kein Bildschirm nötig ist. Hörbücher funktionieren beim Autofahren, Putzen, Spazierengehen oder einfach mit geschlossenen Augen. Wer für zusätzliche Inhalte immer wieder aufs Display schauen muss, verliert zumindest einen Teil dieser Einfachheit.

Neue Funktionen sind vorerst nur ein Test

Ohnehin dürften die meisten Nutzer von den Neuerungen zunächst wenig mitbekommen. Audible testet die Funktionen als begrenzte Beta in den USA und Großbritannien. Zudem stehen sie, wie bereits erwähnt, bisher nur für ausgewählte Produktionen zur Verfügung.

Deutschland soll allerdings folgen. Rachel Ghiazza, Chief Content Officer von Audible, kündigte gegenüber dem „Handelsblatt“ an, dass die Funktionen bis Ende 2026 auch hierzulande verfügbar sein sollen. Einen genauen Starttermin gibt es bislang nicht.

Bis dahin bleibt abzuwarten, ob aus den KI-Funktionen tatsächlich mehr als eine technische Spielerei wird. Gerade die Gespräche mit Buchfiguren werfen dabei grundsätzliche Fragen auf. Denn die KI soll nicht bloß Informationen über ein Werk liefern, sondern dessen Figuren selbst sprechen lassen. Damit entsteht zwangsläufig Material, das nicht vom ursprünglichen Autor stammt. Wie deutlich Audible diese Grenzen kennzeichnet und wie zuverlässig verhindert wird, dass Figuren aus ihrer vorgesehenen Rolle oder Geschichte ausbrechen, dürfte für die Qualität der Funktion entscheidend sein. Und am Ende bleibt noch eine grundsätzlichere Frage: Wollen Hörer ein Buch wirklich interaktiver machen oder besteht der Reiz nicht gerade darin, einfach zuzuhören und alles Weitere der eigenen Vorstellung zu überlassen?

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Charlotte Ziesing

Muss ein Hörbuch wirklich mit mir reden?

„Generative KI kann beeindruckend sein. Aber nur, weil sich eine Technik irgendwo einbauen lässt, heißt das noch lange nicht, dass sie dort auch einen Mehrwert bietet. Grundsätzlich finde ich ohnehin: KI braucht es nicht überall. Wirklich sinnvoll wird sie für mich vor allem dort, wo sie konkrete Probleme löst, etwa Barrieren abbaut und Inhalte für mehr Menschen zugänglich macht.

Und genau so einen Nutzen sehe ich bei Audibles neuen Funktionen eben nicht. Mit einer Romanfigur zu plaudern, klingt zunächst spannend. Doch braucht es wirklich eine KI, die Renfield neue Sätze in den Mund legt, die Bram Stoker nie geschrieben hat? Für mich macht das ein literarisches Werk nicht automatisch besser oder interessanter. Im schlimmsten Fall verwischt sogar die Grenze zwischen dem, was der Autor geschaffen hat, und dem, was ein Sprachmodell besser zu machen glaubt.

Es gäbe für KI bei Hörbüchern deutlich sinnvollere Einsatzgebiete. Eine optionale, klar gekennzeichnete Hilfe zum Wiederfinden bestimmter Stellen oder eine Zusammenfassung dessen, was man bereits gehört hat, wären im Alltag vermutlich nützlicher als ein künstliches Gespräch.“

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