5. Dezember 2025, 16:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Es ist beschlossen: Netflix hat zugestimmt, Warner Bros. und HBO für eine Summe in Höhe von 82,7 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Das Geschäft könnte weitreichende Folgen für die gesamte Film- und Serienindustrie haben.
Deal zwischen Netflix und Warner Bros. im Detail
Netflix will mit der Übernahme sein Angebot erweitern und zugleich Abläufe optimieren. Das Unternehmen erwartet jährliche Einsparungen zwischen zwei und drei Milliarden Dollar, wie etwa das US-Branchenmagazin „The Hollywood Reporter“ berichtet. Eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 59 Milliarden Dollar stammt von einem Bankenkonsortium. Für den Fall eines Scheiterns ist eine Ausgleichszahlung von 5,8 Milliarden Dollar vereinbart.
Warner Bros. Discovery hatte ursprünglich vorgesehen, das Unternehmen aufzuspalten: in ein Geschäft für Streaming sowie Film- und Serienproduktion und ein weiteres für lineares Fernsehen. Dieser Schritt soll nach dem Deal weiterhin erfolgen. Die linearen Sender, darunter CNN, TNT und Discovery+, sollen in das neu strukturierte Geschäft Discovery Global übergehen. Die Übernahme würde diese Pläne festigen, da der Konzern dadurch die nötige organisatorische und finanzielle Grundlage erhält.
Für Aktionäre von Warner Bros. Discovery sieht das Angebot 23,25 Dollar in bar und 4,50 Dollar in Netflix-Aktien pro Anteil vor. Netflix kündigte an, bestehende Abläufe von Warner Bros. beizubehalten und Kinostarts weiterhin zu unterstützen. Der Konzern erhält mit dem Deal Zugriff auf bekannte Marken wie „Harry Potter“, „Game of Thrones“ und weitere umfangreiche Inhalte.
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Netflix-Warner-Deal überrascht
Netflix beschreibt den Zusammenschluss als Chance für Kreative: „Indem wir die Mitgliedererfahrung und die weltweite Reichweite von Netflix mit den bekannten Marken und der umfangreichen Bibliothek von Warner Bros. vereinen, schafft das Unternehmen einen größeren Wert für Kreative – mit mehr Möglichkeiten, mit beliebten Geschichten zu arbeiten, neue Inhalte zu erzählen und ein breiteres Publikum zu erreichen als je zuvor.“
Co-CEO Ted Sarandos erklärte: „Ich weiß um manche Überraschung darüber, dass wir diese Übernahme machen, und ich verstehe das. Im Laufe der Jahre waren wir als Unternehmen bekannt dafür, Dinge aufzubauen, nicht zu kaufen.“ Er betonte zudem die Notwendigkeit, sich weiterzuentwickeln. Co-CEO Greg Peters ergänzte: „Diese Übernahme wird unser Angebot verbessern und unser Geschäft über Jahrzehnte voranbringen.“
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Warner-Bros.-Discovery-Chef David Zaslav sieht ebenfalls Potenzial: „Die heutige Ankündigung vereint zwei der größten Unternehmen der Welt, um noch mehr Menschen die Unterhaltung zu bringen, die sie am liebsten sehen.“
Skepsis in der Kinobranche
Analysten verweisen auf den Zugang zu wichtigen Markenrechten und die starke Produktionsbasis von Warner Bros. und HBO. Gleichzeitig gibt es Kritik. Cinema United warnt: „Die vorgeschlagene Übernahme von Warner Bros. durch Netflix stellt eine beispiellose Bedrohung für das weltweite Kinogeschäft dar.“
Ich traue Netflix nicht über den Weg …
„Mal wieder hat Hollywood einen Deal hervorgebracht, der eine ganze Branche in kollektive Schnappatmung versetzt. Dass sich der Streaming-Gigant Netflix mit Warner Bros. und HBO ein traditionsreiches Filmstudio sowie einen direkten Konkurrenten unter den Nagel reißt, dürfte Fans des großen roten N sicher freuen. Schließlich dürfen die bald einen Haufen neuer Inhalte exklusiv erwarten. Und wer weiß, vielleicht kommt ja wirklich das in Aussicht gestellte Kombi-Paket aus Netflix und HBO Max zu einem günstigeren Preis. Alle gewinnen!
Außer vielleicht Kinogänger, wie ich es bin. Meine Freunde und ich gehören zu jenen, die dem Auslaufmodell (frei nach Ted Sarandos) Kino die Treue halten. Einen Film zuerst im Kino zu sehen, das ist für mich, als würde ich auch ein Gemälde in der Galerie anschauen – und nicht in der Google-Bildersuche. Netflix hatte sich aber bis auf vereinzelte Ausnahmen stets gegen die große Leinwand positioniert.
Im Zuge der Warner-Übernahme sagen Konzernführungen gerne erst einmal das Richtige; einstudierter PR-Sprech, der die Gemüter besänftigen soll. Wichtig ist aber zu schauen, welche Entscheidungen man treffen wird. Cinema United warnt zu Recht, so auch ‚Avatar‘-Regisseur James Cameron. Netflix betont aber in einer Pressemitteilung (via ‚The Hollywood Reporter‘), dass man ‚erwarte, die aktuellen Geschäfte von Warner Bros. fortzuführen und auf ihren Stärken aufzubauen, Kinoveröffentlichungen für Filme inklusive.‘
Man ‚erwarte‘ also? Nicht nur beim renommierten Heft schrillen da alle Alarmglocken. Auch ich bekomme Angst. Angst um den Begegnungsraum und die Kunststätte Kino. Die wenigen Prestigefilme, die Netflix nur für sehr kurze Zeit ins Filmtheater bringt, bewirken kaum etwas und sind kommerziell zu vernachlässigen.
Gleichzeitig droht dem weltweiten Geschäft ein herber Verlust. Denn Warner-Produktionen haben jährlich einen Anteil von 25 Prozent am weltweiten Einspiel an den Lichtspielhäusern. Dieser Anteil könnte unter Netflix’ Führung rasch sinken, sollte der Streamer seine bisherige Veröffentlichungsstrategie beibehalten.
Und nicht nur das: Wie Michael O’Leary von Cinema United betont, würden darunter nicht nur die Kinos leiden: ‚Kinos sind kulturelle und wirtschaftliche Anker von Gemeinden jeder Größe – wir sind eine Branche der Hauptstraßen. Untersuchungen zeigen, dass für jeden Dollar, der in einem lokalen Kino ausgegeben wird, weitere 1,50 Dollar in umliegenden Geschäften der Gemeinde ausgegeben werden – in Restaurants, Bars, Einkaufszentren und im Transportwesen. Das steht hier auf dem Spiel, wenn wir weniger Filme im Markt zulassen. Kinos werden schließen, Gemeinden werden leiden, Arbeitsplätze werden verloren gehen.‘
Ich liebe es, wenn es eine breite Vielfalt an Filmen und Serien gibt, quer durch alle Genres und Produktionsbudgets hinweg. Derartige Konsolidierungen werden es aber zunehmend schwerer machen, wenn man damit auch das Publikum immer homogener macht und nur noch nach seinen eigenen Wünschen formt. Wehe, Netflix zerstört das Kino endgültig, wehe. Ich traue dem Anbieter jedenfalls nicht zu, dauerhaft Warner-Filme weiter wie gehabt herauszubringen.“