Der Patentstreit zwischen Disney und InterDigital aufgrund verschiedener Technologien, die die Bereitstellung von Inhalten ind 4K-UDH und HDR ermöglichen, zieht weitere Kreise. Nachdem bereits Verbraucherschützer in Deutschland aktiv wurden, melden sich jetzt auch europaweit Organisationen mit klaren Forderungen an den Entertainment-Giganten. Unter anderem geht es darum, dass Disney+ automatisch den Preis senken soll.
Disney+ soll Preis senken fürs Premium-Abo
Die Firma Interdigital zog gegen Disney vor Gericht, weil der Konzern für seinen hauseigenen Streaming-Dienst gegen bestehende Patente verstieß. Aufgrund dessen setzte man vorübergehend die Bereitstellung von Filmen und Serien in 4K-UHD und HDR aus, auch in Deutschland. Als Angebot an die Kundschaft konnte diese eine anteilige Rückerstattung für den aktuellen Abrechnungszeitraum beantragen oder den Tarif wechseln.
Der europäischen Verbraucherschutzorganisation Euroconsumers reichte das nicht, zumal Disney in mehreren Ländern trotzdem das betroffene Premium-Abo weiter zum vollen Preis und mit 4K- und HDR-Versprechen bewarb. Deswegen hat die Organisation eine Abmahnung und Unterlassungsaufforderung versandt. Darin fordert man etwa, dass Disney+ automatisch den Preis senken soll.
Das soll für alle aktuellen und neuen Abonnenten des Premium-Abos gelten. Ferner fordert man Disney dazu auf, automatisch 5 Euro pro Monat für die gesamte Zeit zurückzuzahlen, in der die Funktionen fehlten. Das solle auch möglichst transparent geschehen, indem man alle über die genauen Umstände umfassend informiert.
Euroconsumers stellt Disney für die Umsetzung aller Forderungen ein Ultimatum von 14 Tagen. Reagiert das Unternehmen nicht, werden die nationalen Mitgliedsorganisationen von Euroconsumers beim EU-Netzwerk für Verbraucherschutzkooperation (CPC) sowie bei nationalen Behörden einreichen. Anschließend werde man Bußgelder in Höhe von vier Prozent des Jahresumsatzes in den betreffenden Ländern einfordern.
Initiative auch in Deutschland realistisch?
Stand jetzt gilt die Initiative für Italien, Belgien und Portugal, wobei auch Kunden in Brasilien durch Euroconsumers vertreten werden. Die Abmahnung erfolgt im Namen der Mitgliedsorganisationen Altroconsumo (Italien), Testachats/Testaankoop (Belgien) und DECO PROteste (Portugal).
Es bleibt abzuwarten, ob Disney die Preise senken und auch den anderen Aufforderungen nachkommen wird. Da sich Euroconsumers auf geltendes EU-Recht beruft und mehrere EU-Länder in dieser Sache vertritt, könnte der Ausgang jedoch Signalwirkung auch für andere Märkte bekommen – denkbar wäre etwa, dass sich weitere nationale Verbraucherschutzorganisationen Euroconsumers hierfür anschließen.
Es wäre nur naheliegend: Bereits im März dieses Jahres sah die Verbraucherzentrale Niedersachsen Handlungsbedarf und einen rechtlichen Mangel. Im September wurden auch Verbraucherschützer in Frankreich aktiv. EU-weit wächst also der Druck auf Disney. TECHBOOK hat Disney Deutschland nach einer Bewertung des neuen Vorstoßes gefragt und wollte wissen, ob es vorstellbar ist, dass man diesen auch hierzulande nachkommen würde. Eine Antwort blieb bislang aus.
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